Wenn es auf dem echten Rasen bei Chinas Fußballverband nicht läuft, geht’s eben digital weiter: Der chinesische Fußballverband hat angekündigt, erstmals ein offizielles Esports-Team für virtuelle Fußballturniere aufzustellen. Ein Schritt, der viel mehr ist als PR – und der zeigt, wie ernst China das Thema Esport mittlerweile nimmt.
Zwischen Frust und Neuanfang: Warum jetzt?
Die Entscheidung fällt nicht zufällig. Nach dem bitteren Aus in der Qualifikation zur WM 2026 – inklusive Trainerrauswurf und Social-Media-Shitstorm – steht der Verband unter Druck. Die FIFA-Weltrangliste spricht Bände: China liegt derzeit hinter Luxemburg. Für viele Fans ist das ein Tiefpunkt. Der Verband zieht die Reißleine – und sucht neue Wege, um international wieder mitreden zu können.
Esports bietet genau das: eine Bühne, auf der China schon jetzt viel stärker wirkt. Millionen spielen aktiv, Turniere füllen Arenen, Erfolge bei den Asienspielen sprechen für sich. Jetzt soll auch virtuell gekickt werden – mit einem Nationalteam, das nicht auf die Fehler der Vergangenheit schaut, sondern auf die Chancen im digitalen Raum.
Wie ernst meint es der Verband?
Es geht nicht um Showmatches oder Influencer-Kampagnen. Geplant ist ein vollwertiges Nationalteam, das bei FIFAe, AFC-Turnieren und weiteren Wettbewerben antritt. Dafür wird nicht einfach ein bestehendes Roster übernommen – der Verband will gezielt scouten, fördern, aufbauen.
Was genau gespielt wird, ist allerdings noch offen. Seit FIFA und EA getrennte Wege gehen, ist die Lage unübersichtlich. FC Online verliert an Relevanz, eFootball und Rocket League gewinnen Boden. Das neue Team muss flexibel sein, systemübergreifend denken, sich auf ein Meta einlassen, das sich ständig verändert.
Was Esport in China heute bedeutet
Esports in China ist längst keine Nische mehr. Mit über 490 Millionen aktiven Spieler:innen und mehr als 38 Milliarden Dollar Jahresumsatz ist der Markt riesig – und durchorganisiert. Es gibt hunderte Ligen, professionelle Trainingszentren, staatliche Förderungen und eine Medienlandschaft, die Esport wie klassischen Sport behandelt.
Dass der Fußballverband genau hier einsteigen will, ergibt Sinn. Die Infrastruktur ist da, das Interesse auch. Und: Die Esports-Community ist jung, loyal und international. Wenn man sie richtig anspricht, entsteht eine neue Fanbasis – ganz ohne Ballverlust.
Herausforderungen und Kritik
Natürlich gibt’s Gegenwind. Einige werfen dem Verband Ablenkung vor: Während der Rasen brennt, werde mit Digitalglanz übertüncht. Andere kritisieren, dass Ressourcen vom klassischen Sport abgezogen werden. Und dann ist da noch die Unsicherheit, welche Titel überhaupt künftig als „virtueller Fußball“ zählen.
Trotzdem überwiegt in der Community die Neugier. Viele sehen die Initiative als echte Chance – für fairere Auswahlprozesse, mehr Sichtbarkeit und neue Karrieren. Die Frage ist nicht, ob Esports in China groß wird. Sondern: wie gut der Verband es schafft, aus einem politischen Projekt ein sportlich relevantes Team zu machen.
Was jetzt ansteht
Bis Sommer 2025 können sich Städte in China als Esports-Zentren bewerben. Gesucht werden Orte mit stabiler Internetinfrastruktur, guten Trainingsbedingungen und dem Willen, Esport ernsthaft zu fördern. Gleichzeitig laufen Gespräche mit Organisationen, Investoren und staatlichen Partnern.
Wie schnell all das Früchte trägt, hängt von vielen Faktoren ab. Aber eines ist klar: Der Fußballverband will nicht länger nur zuschauen, wie China bei vielen Turnieren enttäuscht. Er will wieder mitspielen – und zwar da, wo die Chancen gerade besser stehen.