„Es fühlt sich nicht wie Arbeit an“ – Dom Galizia über die YCS

Linda Güster
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Inhaltsverzeichnis
  1. Vom Judge zur Jubiläums-YCS
  2. Was ein Head of Marketing wirklich sehen will
  3. Planung zwischen Zugänglichkeit und Livestream
  4. Creator, Presse und das Puzzle der Reichweite
  5. Wachstum heißt Mehrwert
  6. Community als Herzstück
  7. Wenn selbst Marketing noch Gänsehaut bekommt
  8. Zwischen Marke und Mensch
Dom Galizia
Image credit: Dom Galizia / KONAMI DIGITAL ENTERTAINMENT B.V.

Die Halle in Dortmund ist laut, lebendig, voll. Playmats werden ausgerollt, Würfel klackern, irgendwo ruft jemand nach einem Judge. Und mittendrin steht Dom Galizia, Head of Marketing für KONAMI Europa im Yu-Gi-Oh! TRADING CARD GAME. Während draußen die Eventreihe zur 300. Yu-Gi-Oh! Championship Series läuft – zeitgleich in Deutschland, den USA und Mexiko – spricht er nicht wie jemand, der nur Kampagnen plant, sondern wie jemand, der selbst Teil dieser Szene ist.

Vom Judge zur Jubiläums-YCS

„Dreihundert YCS-Events und es geht immer weiter – und es ist wirklich ein besonderes Gefühl für mich, weil ich ein großer Fan bin. Ich komme aus der Judge-Community. Ich komme aus einer Local-Event-Community. Das hier zu sehen und ein Teil davon zu sein, ist einfach ein absolutes Vergnügen. Es fühlt sich nicht wirklich wie Arbeit an.“

Als er das sagt, klingt es nicht wie eine vorbereitete PR-Antwort. Es klingt ehrlich. Dom war selbst tief im Grassroots-Bereich verwurzelt, lange bevor er offiziell für KONAMI arbeitete. Für ihn ist die 300. YCS kein Marketing-Meilenstein auf einem Slide-Deck. Es ist ein Moment, der ganz natürlich herangewachsen ist.

Was ein Head of Marketing wirklich sehen will

Wenn man an einen Head of Marketing denkt, denkt man an KPIs, Reichweite, Performance-Zahlen. Doch als ich ihn frage, worauf er achtet, wenn er durch eine Halle wie diese läuft, geht es zuerst um etwas ganz anderes.

„In erster Linie möchte ich sicherstellen, dass die Leute eine großartige Zeit haben. Vor dem Event achten wir auf Dinge wie Sicherheit, Sicherheitsvorkehrungen, darauf, dass alles in Ordnung ist. Wir stellen sicher, dass die Menschen bequem Zugang zur Halle haben. Aber am Ende des Tages geht es darum, dass die Nutzer eine positive Erfahrung mitnehmen – dass sie Spaß daran haben, mit unserer Marke und unserem TCG zu interagieren, damit sie beim nächsten Mal wiederkommen.“

Es geht ihm nicht nur darum, dass sich hier duelliert wird. Sondern dass Erinnerungen entstehen.

Planung zwischen Zugänglichkeit und Livestream

Hinter einer YCS steckt mehr als nur Tische und Pairings. Städte müssen erreichbar sein, Reisen machbar, Hallen geeignet. „Zugänglichkeit“ ist ein Wort, das Dom mehrfach betont. Austragungsorte sollen für möglichst viele Spielgruppen aus verschiedenen Ländern erreichbar sein. Gleichzeitig wird versucht, Städte zu rotieren – mit dem Blick auf Komfort und Planungssicherheit.

Dazu kommt Kommunikationsarbeit, Social Media, Presse, Broadcast.

„Wir bereiten uns natürlich auch auf Dinge wie Livestream und Broadcast vor. Meiner Meinung nach haben wir ein wirklich gutes Beispiel für einen kontinuierlichen TCG-Stream, bei dem man das ganze Wochenende online ein- und ausschalten kann und Menschen bei Yu-Gi-Oh!-Duellen zuschaut. Das ist ein sehr großer Teil der Planung.“

Eine YCS endet eben nicht an der Hallentür.

Creator, Presse und das Puzzle der Reichweite

Sind Creator heute wichtiger als klassische Medien? Dom sieht es differenziert.

„Ich würde definitiv sagen, dass jedes Puzzlestück seinen Platz hat. Creator sind im Allgemeinen natürlichere Botschafter, weil sie selbst ein echtes Interesse am TCG haben und regelmäßig Inhalte dazu erstellen. Aber traditionelle Presse ist aus Marken- und Marketingperspektive ebenfalls sehr wichtig. Es ist ein Teil des Puzzles – aber kein wichtigerer Teil.“

Es ist kein Gegeneinander. Sondern ein Zusammenspiel.

Wachstum heißt Mehrwert

Wenn ich ihn frage, wo er Potenzial für Wachstum sieht, spricht er nicht von radikalen Umbrüchen. Sondern von Erweiterung.

„Wir erweitern kontinuierlich, was wir anbieten. Wir versuchen, bei diesen Events zusätzlichen Mehrwert zu schaffen. Man wird mehr Partner sehen, mehr Verkäufer, einen erweiterten Public-Event-Plan. All das trägt zu einem runderen Erlebnis bei – sodass die Besucher nicht nur im Main Event an Duellen teilnehmen.“

Die Anzahl an Duellanten bewegen sich konstant um 2.500 Teilnehmer. Für ihn ein positives Zeichen. Wachstum, das organisch wirkt.

Community als Herzstück

Immer wieder kommt er auf das zurück, was ich selbst in Dortmund gespürt habe: die Community.

„Die Community ist unglaublich. Schon bevor ich für KONAMI gearbeitet habe, ging es immer um Gemeinschaft. Man ist als Gruppe angereist, hat sich duelliert und ist mit eigenen Geschichten nach Hause gegangen.“

Wenn er heute durch die Halle läuft, sucht er genau diese Momente.

„Ich möchte sehen, dass die Menschen sich auf das einlassen, was hier passiert, dass sie diese Geschichten formen. Dass sie nach einem Match herumstehen und fragen: Hast du gewonnen? Was ist passiert? Das ist es, worum es geht. Es ist eine kollektive Erfahrung.“

Wenn selbst Marketing noch Gänsehaut bekommt

Auf die Frage, welches Event ihn persönlich besonders bewegt hat, nennt er die World Championship.

„Wenn man in einen Raum kommt und weiß, dass jeder dort ist, um seinen Duellanten anzufeuern – das bewegt mich bis heute. Man fühlt die Energie. Man fühlt die Emotion.“

Und dann spricht er über etwas, das in keinem Marketingplan exakt vorhersehbar ist: Community-Reaktionen.

„Es gibt immer Feedback, das wir nicht erwartet haben. Immer eine Reaktion auf ein Produkt oder darauf, dass plötzlich ein Deck erfolgreich ist, das seit drei Jahren nicht mehr im Meta war. Jemand taucht mit so einem Deck auf und alle fragen uns: Werdet ihr das stärker hervorheben?“

Solche Momente seien unbezahlbar.

„Ohne die Community gäbe es diese Events nicht. Es ist mir sehr wichtig, dass wir ihnen zuhören – und dass sie sich gehört fühlen.“

Zwischen Marke und Mensch

Als wir das Gespräch beenden, draußen wieder das Stimmengewirr, wirkt Dom nicht wie jemand, der nur eine Marke verwaltet. Sondern wie jemand, der sich immer noch über eine gute Topdeck-Story freut.

300 YCS-Events sind ein Meilenstein. Aber in diesem Gespräch wurde klar: Für ihn sind es nicht die Zahlen, die zählen. Sondern die Menschen, die sie möglich machen.

Linda Güster

Journalistin
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Linda Güster ist leidenschaftliche Gamerin und als Teil des Freelance-Teams bei ESI immer am Puls der eSports-Szene. Ob knallharte Dota 2-Matches, nervenaufreibende Survival-Abenteuer in Subnautica oder entspannte Stunden mit Cozy Games wie Stardew Valley — sie liebt die ganze Bandbreite des Gaming-Universums. Abseits davon bringt sie als Software-Entwicklerin und Freelancerin ihr Können in die Welten von Technologie, Mode, Finanzen und iGaming ein, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und spannenden Projekten.
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