Leonard König ist einer dieser Menschen, bei denen man sofort merkt: Er macht genau das, was er liebt. Dank KONAMI durfte ich ihn über alles, was das Caster-Dasein angeht, ausquetschen. Und die Geschichte ist interessant: Schon mit sechs Jahren entdeckte er über den Anime seine Faszination für das Yu-Gi-Oh! Trading Card Game – genauer gesagt: durch den Biberkrieger. „Ein Biber mit Schwert? Das war einfach cool“, erzählt er lachend. Was mit einem Kindheitsmoment begann, wurde zu einer echten Laufbahn: Erste Turniere, erste YCS-Reise mit 18, dann 2018 der Sieg bei den niederländischen Meisterschaften. Noch im selben Jahr wurde er von KONAMI gefragt, ob er Lust hätte, die deutsche National zu casten. Er hatte.
Seitdem ist viel passiert. Leonard hat vier Jahre lang kompetitiv gespielt, war auf internationalen Turnieren unterwegs, bevor er sich ganz dem Casten widmete. Heute spielt er nur noch zu Hause mit Freunden – aber wenn es ans Mikro geht, ist er mittendrin statt nur dabei.
Caster-Routine und Event-Vorfreude
Zur deutschen National 2025 reiste Leonard bereits am Freitag an. Vorbereitung bedeutet hier: Technikbriefing, Showbesprechung, Abendessen – und natürlich Fachsimpeln. Über Decks, Meta-Trends und mögliche Highlight-Matches. Als Caster kommentiert er die Featured Matches, die über den offiziellen Stream laufen – mit viel Fachwissen, Szene-Flair und einem Gespür für den Moment.
Lampenfieber? Hat Leonard längst nicht mehr. Höchstens dann, wenn er etwas ganz Neues ausprobiert. Intros etwa, oder irgendwann vielleicht das Hosting. Ansonsten ist der Desk sein zweites Zuhause: Monitore, Kamera, Mikro – alles vertraut. Die Aufregung ist eher Vorfreude – wie Weihnachten als Kind.
Theater, Geschichte, Yu-Gi-Oh! TCG
Dass Leonard König heute auf der Bühne steht – wenn auch digital – wundert in seinem Umfeld niemanden. Schon früh spielte er Theater, studierte Geschichte und Englisch. Und auch beim Casten merkt man, dass ihn nicht nur das Spiel interessiert, sondern die Geschichten dahinter. Wer früher wie gewonnen hat, welche Strategien legendär wurden, welche Decks die Szene geprägt haben – das alles ist Teil seiner Faszination. Casting ist für ihn nicht nur Spielanalyse. Es ist Storytelling.
Community ist kein Beiwerk, sondern Herzstück
Fragt man Leonard, was die Yu-Gi-Oh! TCG Szene besonders macht, kommt die Antwort schnell: die Community. Besonders ins Herz geschlossen hat er die österreichische Szene – klein, familiär, kreativ. „Da kommen dann einfach mal alle im Hawaiihemd zum Turnier“, erzählt er. Der Vibe ist herzlich, die Leute offen. Klar, bei einem Event mit über 2200 Spielern wie in Deutschland wird es automatisch etwas anonymer. Aber auch dort fühlt es sich laut Leonard an wie eine riesige Klassenfahrt – mit Karten statt Schulbüchern.
Sein Rat an Neueinsteiger:innen? „Freundet euch mit den besten Spielern auf eurem Local an“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Und: Lest die Karten wirklich komplett durch. Jeder vergessene Satz kann ein verlorenes Match bedeuten. Einfache Tipps – die trotzdem den Unterschied machen können.
Lieblingsdeck, Lieblingsplatz
Wenn er nicht gerade castet, spielt Leonard privat ein eher ungewöhnliches Deck: „Mitsurugi Achtheit Unterweltlerschmied“ – satte 60 Karten stark. Schwer zu mischen, aber macht ordentlich Spaß. Und vielleicht ist genau das das Beste an seiner Geschichte: dass sie nie nur auf Leistung oder Reichweite abzielt. Sondern auf echte Freude am Spiel.
Leonard König ist mehr als nur ein Caster. Er ist ein Geschichtenerzähler mit Headset, ein Duellant mit Mikrofon – und jemand, der sich immer wieder neu ins Spiel verliebt. Egal ob als Spieler, Caster oder Zuschauer.