Als Riot Games vor Jahren „Project L“ ankündigte, war die Fighting Game Community elektrisiert. Heute, kurz vor der Closed Beta von 2XKO, ist von dieser Aufbruchstimmung wenig übrig. Statt Hype herrscht Skepsis – und der Glaube daran, dass Riot wirklich versteht, wie die FGC tickt, beginnt zu bröckeln.
Sechs Jahre Entwicklung, sieben Charaktere, viele offene Fragen
Seit 2019 werkelt Riot an seinem Fighting-Game-Projekt. Doch was in anderen Genres als üppiger Pre-Launch gefeiert würde, wirkt in der FGC mittlerweile eher wie eine Hängepartie. Gerade mal zehn Kämpfer soll es zum Release geben – allesamt League-Legends, klar, aber das allein reicht vielen nicht mehr. Die Mechaniken? Kaum erklärt. Die Modi? Vage angedeutet. Und während bei Street Fighter, Tekken und selbst Indie-Titeln klare Roadmaps dominieren, hält sich Riot auffällig bedeckt.
Kommunikationskrise statt Community-Dialog
Dass der Ton in der Szene rauer wird, liegt nicht nur am kleinen Roster. Riot hatte Zeit – und hat sie schlecht genutzt. Die wenigen Updates kommen in langen Abständen, konkrete Infos fehlen. Kein klarer Fahrplan, kein echtes Zeichen, dass man Feedback wirklich ernst nimmt. Gerade jetzt, wo mit dem Esports World Cup ein globales Fenster offen steht, wirkt das Schweigen doppelt schwer.
Die Beta rückt näher – aber löst sie das Problem?
Am 9. September beginnt die Closed Beta. Eigentlich ein Moment, der Hoffnung machen könnte. Endlich selbst spielen, endlich erleben, wie sich 2XKO wirklich anfühlt. Doch die Community ist vorsichtig. Zu oft wurden Tests zur reinen PR-Maßnahme. Zu oft endeten Betas mit mehr Fragen als Antworten.
Was viele fürchten: eine Demo mit hübschem Look, aber ohne Substanz. Was viele hoffen: spürbare Fortschritte, ein Game mit Vision – und endlich Dialog auf Augenhöhe.
Zwischen Hoffnung und Ernüchterung: Die Stimmung kippt
In den Kommentarspalten wird’s rauer. Lags, Disconnects, mageres Matchmaking – die Vorabtests brachten Probleme ans Licht, die im Fighting-Genre schwer wiegen. Lob gibt’s für Animationen, Flow und Kombos, aber das reicht nicht, wenn das Vertrauen fehlt. Die FGC will kein weiteres Projekt, das auf halber Strecke liegen bleibt. Sie will ein Spiel, das ihr zuhört.
Riot hat es in der Hand. Noch. Die Beta ist vielleicht die letzte Chance, wieder Nähe zur Szene aufzubauen. Aber was Fans auch bedenken müssen: Die Akquise von Radiant Entertainment, ein vergleichsweise sehr kleines Studio, war zwar mega publik und alle Fans waren sich sofort im Klaren darüber, dass es ein Riot Fighting Game geben würde, aber dazwischen gab es noch andere Spiele, eine Pandemie und auch einfach die üblichen Wachstumsschmerzen die so ein kleines Studio nun mal mit sich bringt.
Wird 2XKO der Game-Changer, den viele sich wünschen?
Das Potenzial ist da – keine Frage. Riot kann Plattformen bauen, hat mit VALORANT bewiesen, wie man ein Genre aufmischt. Doch das Fighting-Game-Genre ist keine Arena für Experimente. Hier zählt Nähe, nicht Hype. Präzision, nicht Marketing. Und wer zu spät liefert, riskiert, dass die Szene längst weitergezogen ist.
2XKO könnte etwas Besonderes werden. Aber nur, wenn Riot aufhört zu vertrösten – und anfängt zu liefern.