Die IEM Cologne 2025 war laut, überwältigend, vollgepackt mit Stars. Aber manche Gespräche bleiben einem besonders im Gedächtnis – nicht wegen der Schlagzeilen, sondern wegen der leisen Töne dazwischen. Ich wurde von der ESL FACEIT Group eingeladen, das Event vor Ort zu begleiten, und konnte im Rahmen dessen mit einem Spieler sprechen, der nicht lauter werden muss, um Eindruck zu hinterlassen: Azbayar Munkhbold, besser bekannt als Senzu.
Ein 18-Jähriger aus der Mongolei, still, ruhig, bescheiden – und Teil eines Teams, das in der Szene längst kein Geheimtipp mehr ist. The Mongolz haben sich über die letzten Monate einen festen Platz in den Herzen vieler Fans erarbeitet. Und das liegt nicht nur an ihren Ergebnissen, sondern auch an dem, was sie auf und neben dem Server verkörpern: Zusammenhalt, Vertrauen, Nähe.
Eine Familie im Trikot
Als ich Senzu frage, ob es stimmt, dass sein Team wie eine Familie funktioniert, kommt seine Antwort sofort: „Ja, wir sind wie eine Familie in einem Team.“ Es klingt nicht nach einer PR-Linie, sondern nach etwas Echtem. In jeder seiner Antworten merkt man, wie stark dieses Band ist – und wie sehr es die Leistung auf der Bühne beeinflusst.
„Wir fühlen uns richtig gut. Es ist großartig, dass uns so viele Mongolen unterstützen. Das bedeutet mir sehr viel“, sagt er. Die Unterstützung aus der Heimat ist mehr als nur moralisch – sie ist ein Rückgrat. Und sie zeigt sich nicht nur online.
Vor wenigen Wochen hatte das Team eine Art Heimkehr-Feier in der Mongolei, die offenbar Eindruck hinterlassen hat. „Das war richtig cool. Viele Leute sind gekommen, um uns zu sehen, haben uns unterstützt und einfach mit uns gefeiert.“ Man hat das Gefühl, dass Senzu diesen Moment noch immer ein bisschen in sich trägt. Als wäre er ein Beweis dafür, dass sich der Weg lohnt – trotz aller Strapazen.
Vom LAN-Café zur Weltreise
Was heute wie ein klarer Karriereweg aussieht, war für ihn lange undenkbar. „Früher bin ich nie gereist. Das ist alles neu für mich.“ Seit er professionell spielt, hat sich sein Alltag verändert – nicht nur wegen des Spiels, sondern vor allem wegen der Reisen. Große Turniere, neue Länder, fremde Sprachen.
Ob das schwer ist? Er zuckt leicht mit den Schultern. „Es ist eigentlich gut, aber Zuhause bleibt Zuhause.“ Ein Satz, der hängen bleibt. Weil er ehrlich ist. Weil er etwas zeigt, das man im Esport manchmal vergisst: Nicht alle leben für Flughäfen und Hotelbetten. Manchen fehlt der Ort, an dem alles begonnen hat.
Ich frage ihn, wie oft er noch in der Heimat ist. „Ich war in letzter Zeit viel unterwegs, zu vielen Events. Manchmal macht mich das müde.“ Es ist ein Satz, der viel mehr erzählt, als er auf den ersten Blick verrät. Müdigkeit nicht nur vom Reisen – sondern auch vom Tempo, das das Profi-Leben verlangt.
Chillen, Freunde, Einfachsein
Als das Gespräch persönlicher wird, wird auch seine Stimme entspannter. Was ihm Energie gibt? „Einfach chillen“, sagt er. Keine großen Hobbies, keine Inszenierung. „Ich will eigentlich gar nichts machen in meiner Freizeit. Einfach chillen, ein paar Freunde treffen. Das war’s.“
Man merkt: Hier sitzt kein Spieler, der sich als große Marke versteht. Sondern ein junger Mensch, der versucht, mit all dem klarzukommen. Der noch nicht alles perfekt strukturiert hat – und gerade deswegen so nahbar wirkt.
Ich frage ihn, ob er bei großen Turnieren wie Köln noch nervös wird. „Ich bin okay. Einfach okay“, sagt er. Kein Pathos. Kein aufgesetztes Selbstbewusstsein. Nur Ruhe. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum man bei The Mongolz so gerne zuschaut: Sie kommen, um zu spielen. Nicht, um zu posieren.
Die Fans, der Traum, der Weg
Am Ende frage ich ihn, was er den Fans sagen möchte. Und ohne zu zögern, sagt er: „Unterstützt uns weiter. Filmt uns weiter. Ich liebe euch. Wir werden eines Tages Champion. Das ist alles.“
Es ist dieser Satz, der den Kern des Gesprächs zusammenfasst. Nicht, weil er besonders laut oder clever ist – sondern weil er so viel Hoffnung in sich trägt. Weil er aus einem Mund kommt, der nicht vorgibt, alles schon erreicht zu haben. Sondern der sich Tag für Tag auf den Weg macht.
Senzu ist nicht der Star, der große Reden hält. Aber vielleicht ist genau das seine Stärke. Er hört mehr zu, als er spricht. Er nimmt die Dinge auf, lässt sie wirken. Und wenn man genau hinhört, dann entdeckt man in dieser Ruhe einen Esportler, der nicht einfach nur spielt, um zu gewinnen – sondern um dazuzugehören. Um etwas zu bauen, das größer ist als er selbst.
The Mongolz werden ihren Weg weitergehen. Vielleicht mit einem Titel, vielleicht mit Rückschlägen. Aber ganz sicher mit einer Gemeinschaft, die ihnen den Rücken stärkt. Und mit Spielern wie Senzu, die zeigen, dass Größe nicht immer laut sein muss.