Complexity wirft das CS2-Handtuch

Linda Güster
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Aus für Complexity Gaming
Image credit: Complexity Gaming

Complexity Gaming ist raus aus Counter-Strike 2. Nach zwanzig Jahren, nach allem was war, ist einfach Schluss. Jason Lake hat die weiße Fahne gehisst und gibt offen zu: Das Geld reicht nicht mehr. Die Kosten sind explodiert, die Einnahmen dümpeln vor sich hin, und selbst ein Traditionsverein wie Complexity kann da nicht mithalten.

Die Spieler sind schon weg, das Core-Lineup wurde an Passion UA verkauft. Was bleibt ist eine leere Hülle und die Erkenntnis, dass auch zwanzig Jahre Geschichte nichts wert sind, wenn die Zahlen nicht stimmen.

Zwanzig Jahre für nichts

Complexity war nicht irgendwer. Die haben Counter-Strike mitgeprägt, waren bei jedem wichtigen Major dabei, haben 2005 bei der ESWC Gold geholt und noch 2024 in Jönköping gewonnen. Dazwischen lagen hunderte Matches, legendäre Comebacks und emotionale Momente, die vielen Fans im Gedächtnis geblieben sind.

Jetzt ist alles weg. Die Geschichte, die Tradition, die Kontinuität – alles bedeutungslos, weil die Wirtschaftlichkeit nicht stimmt. Das Core-Team spielt unter anderer Flagge weiter, aber Complexity als Counter-Strike-Organisation ist tot.

Für Spieler wie JT oder Grim war Complexity das Sprungbrett in die Profi-Szene. Die Organisation galt als professionell und fair, Eigenschaften, die im oft chaotischen Esports nicht selbstverständlich sind. Jetzt müssen sie sich neue Vereine suchen oder hoffen, dass Passion UA genauso seriös arbeitet.

Die Bubble ist geplatzt

Das war absehbar. Jahre lang haben alle so getan, als würde das Geld ewig sprudeln. Investoren warfen Millionen raus, Crypto-Firmen sponsorten jeden Mist, Streaming-Plattformen überboten sich mit irren Summen. Keiner hat gefragt, ob das nachhaltig ist.

Jetzt kommt die Rechnung. Die Gehälter sind durch die Decke, aber die Sponsoren sind nicht mehr so haltlos mit ihren Ausgaben wie noch vor einigen Jahren. Teams müssen wirtschaftlich arbeiten, aber haben keine Ahnung wie. In Nordamerika ist es besonders schlimm – hohe Kosten, schrumpfender Markt, wenig Alternativen. Complexity ist dabei vermutlich leider erst der Anfang. Andere Organisationen werde mit ähnlichen Problemen kämpfen.

Was dazu kommt: Wer heute keine Case- oder Glücksspiel-Seite hat, die viel sponsert, oder große Investoren – meist aus Saudi-Arabien – findet, hat einfach nicht genug Geld auf der hohen Kante, um sich das tägliche Business leisten zu können. Selbst die ganz großen Teams haben jahrelang Verlust gemacht, bevor es lief.

Was das für CS2 bedeutet

Für Counter-Strike ist das ein herber Verlust. Eine der traditionsreichsten nordamerikanischen Orgs verschwindet, die Szene wird ärmer. Gleichzeitig ist es ein Weckruf für alle anderen: So kann es nicht weitergehen.

Wenn etablierte Namen aufgeben, werden potenzielle Investoren noch vorsichtiger. Wer steigt schon in eine Branche ein, wo selbst erfolgreiche Veteranen scheitern? Das kann eine Abwärtsspirale auslösen, in der immer weniger Teams um immer weniger Geld kämpfen.

Die Community reagiert mit Verständnis und Nostalgie. Niemand macht Complexity Vorwürfe – die sind ehrlich mit der Situation umgegangen, statt bis zum bitteren Ende weiterzumachen. Aber das macht es nicht weniger deprimierend.

Das System muss sich ändern, sonst werden weitere Traditionsvereine verschwinden. Complexity war nur der Erste, der ehrlich war.

Linda Güster

Journalistin
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Linda Güster ist leidenschaftliche Gamerin und als Teil des Freelance-Teams bei ESI immer am Puls der eSports-Szene. Ob knallharte Dota 2-Matches, nervenaufreibende Survival-Abenteuer in Subnautica oder entspannte Stunden mit Cozy Games wie Stardew Valley — sie liebt die ganze Bandbreite des Gaming-Universums. Abseits davon bringt sie als Software-Entwicklerin und Freelancerin ihr Können in die Welten von Technologie, Mode, Finanzen und iGaming ein, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und spannenden Projekten.
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