Es gibt Momente, da betritt man ein Gebäude und weiß sofort: Hier ist man zu Hause. So ging es mir, als ich nach langer Zeit endlich wieder die Kölner Messehallen und damit die gamescom 2025 betrat und von diesem unverwechselbaren Mix aus Neonlicht, Gaming-Musik und tausenden aufgeregten Stimmen empfangen wurde. Die Luft vibrierte förmlich vor Erwartung – ein Gefühl, das man nirgendwo anders findet. Freunde, es ist vollbracht: 5 Tage gamescom sind vorbei, und ich bin mit vielen neuen Eindrücken, Erfahrungen, Businesskarten und Spielen, von denen ich euch erzählen will, nach Hause gekommen.
Aber mal ganz von vorne: Meine erste Berührung mit der gamescom war vor gut 10 Jahren. Damals bin ich noch als Fan hin, und es war bereits da ein sehr großes Event. Heute habe ich das Privileg, als Journalistin sogar schon ab dem Mittwoch mit dabei zu sein, und mir einige Spiele per Einladung ganz genau anzugucken. Und auch das ein- oder andere Interview durfte ich mitnehmen! Was für eine Entwicklung – von der Schlange stehen für einen Blick auf das neueste Spiel bis hin zu exklusiven Terminen und direkten Gesprächen mit den Machern. Manchmal fühlt sich das Leben wie ein gut designtes RPG an, in dem man langsam die nächsten Level freischaltet.
Die gamescom im Wandel – oder: Wie aus Nerds eine Bewegung wurde
Die gamescom als solche gibt es natürlich bereits deutlich länger, und auch vor meinem Besuch vor einer Dekade war ich natürlich im Bilde darüber, was für ein großes Ding das eigentlich ist. Damals war ich extrem aktiv in meiner DotA 2-Phase, aber habe natürlich alles Gaming-relevante aufgesaugt wie ein Schwamm. Die gamescom 2025 hat sich schon da ein bisschen wie zu Hause angefühlt: In einer Welt, die auch da noch Gamer gerne belächelt hat, waren eben alle nur aus einem Grund da – um das gemeinsame Hobby, was kollektiv zu so vielen Stunden Spaß geführt hat, gebührend zu zelebrieren.
Heute sieht alles etwas anders aus: Die Szene professionalisiert sich zunehmend, sowohl die Booths als auch die Besucher. Content Creation, wie das Streaming und Social Media-Präsenzen? Absolut normal, und auch absolut willkommen. Für die Großen der Medienwelt gibt es natürlich extra Hallen, wo Fans sich ihr Autogramm per gebuchte Slots abholen können. Was früher chaotisches Gedränge war, ist heute organisiertes Eventmanagement. Und ich muss sagen: Es funktioniert.
Aber auch die kleineren Streamer haben Community-Treffen organisiert. Ein bisschen wie Klassenfahrt – aber während ich da so in einer der vielen Outside-Areas stand, und mir von einer Moderatorin eines Streamers erklären lassen hab, wie das alles so läuft und wie lange die das alle schon so machen, wurde mir vor allem klar, dass dieses Gefühl einer Community zugehörig zu sein weiterhin absolut da ist, nur eben vielleicht ein bisschen neu gedacht. Jetzt müssen Spiele nicht mehr zwingend eine Gildenfunktion haben, denn die Communitys formen sich auch ganz natürlich.
Was mich dabei fasziniert hat: Diese digitale Intimität, die plötzlich analog wird. Da stehen Menschen, die sich seit Jahren täglich im Chat sehen, zum ersten Mal gegenüber und fallen sich in die Arme, als wären sie alte Schulfreunde. Ein Phänomen, das es so vor 10 Jahren noch nicht gab – und das zeigt, wie sehr sich nicht nur die Technik, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen in unserer Szene entwickelt haben.
gamescom cares – Wenn Gaming erwachsen wird
Die gamescom bringt aber nicht nur Gamer zusammen, sondern setzt sich auch aktiv gegen Missstände ein, und zeigt, wie spielend einfach das gehen kann: Unter der Initiative mit dem Namen gamescom cares gibt es etliche Projekte, die Probleme angehen. Der gamescom baby club im Businessbereich, erlaubt es Eltern mit Babys beispielsweise, ihre Sprösslinge kostenlos zur Betreuung abzugeben, während sie geschäftlich unterwegs sind. Der gamescom juniors club macht ähnliches, allerdings für alle Besucher, und dort werden Kinder von 4 bis 12 Jahre betreut.
Mit gamescom goes green und gamescom forest wird sich um die Umwelt gekümmert, und mit diversen Spieleinitiativen wird das Spotlight auf die wichtigen Themen der Gesellschaft gelenkt, wie etwa die Games for Democracy, welche sich für den Erhalt der Demokratie und für die generelle politische Bildung ihrer Spiele engagieren. So eine klare Positionierung gibt es von Events mit einer Größe wie die gamescom so gut wie nie, was das Ganze noch beeindruckender macht.
Das ist ein Statement, das weit über Gaming hinausgeht: Wir sind keine Kellerkinder mehr, die sich vor der Realität verstecken. Wir sind ein Teil der Gesellschaft geworden, der Verantwortung übernimmt. Und ehrlich? Das hat mich stolz gemacht. Stolz darauf, Teil dieser Community zu sein, die nicht nur spielt, sondern auch etwas bewegt.
Games, Games, Games – Zwischen Nostalgie und Zukunftsschock
Wo wir gerade von Gilden sprechen: 10 Jahre … damals, genau zwischen dem Release von World of Warcraft: Warlords of Draenor und World of Warcraft: Legion. 4 zusätzliche Erweiterungen später sind wir nun an dem Punkt, an welchem Blizzard auf der gamescom Opening Night World of Warcraft: Midnight angekündigt hat. Natürlich mit typisch hübscher Blizzard-Cinematic, bei welcher der ganze Raum den Atem angehalten hat. Der Stand in der Consumer-Area auf der gamescom konnte sich sehen lassen: In Halle 8 stand das Ding, und hat so viel Aufmerksamkeit wie vielleicht noch nie bekommen. Das hat mein Nerd-Herz definitiv höher schlagen lassen.
Die Ironie dabei: Hier war ich, 10 Jahre älter, beruflich völlig anders unterwegs, aber kaum sah ich diese vertraute Ästhetik, diese Musik, diese Welt – war ich wieder die DotA-süchtige Version meiner selbst. Nostalgie ist ein mächtiges Werkzeug, und auch Blizzard beherrscht das wie kein anderer. Die Schlangen an ihrem Stand waren endlos, aber niemand beschwerte sich. Alle wussten: Das hier ist ein Moment.
Und nicht nur Blizzard hat sich nicht lumpen lassen: Diese Mega-Booths gab es für einige Spiele. Arknights: Endfield von Hypergryph hatte gefühlt unendlich viele Maschinen dabei, um das neueste Schätzchen der Arknights-Serie vorzustellen. Arknights hat bisher vor allem in den asiatischen Ländern ordentlich gepunktet und sich eine solide Fanbase erarbeitet, und jetzt wird auch im Rest der Welt ordentlich Werbung gemacht. So geht Expansion.
Was mir dabei aufgefallen ist: Die Internationalisierung des Gamings ist real geworden. Vor 10 Jahren waren asiatische Titel noch Nischenprogramm für Hardcore-Fans. Heute stehen sie gleichberechtigt neben den westlichen Blockbustern und ziehen genauso große Crowds. Die Welt ist kleiner geworden, und Gaming ist die universelle Sprache.
Indie-Herzblut – Warum die Kleinen die wahren Helden sind
Ein Thema, für das ich immer viel Zeit übrig hab, sind Indie-Spiele. Der Fakt ist nun mal: Wenn wir heute unsere Indie-Devs nicht unterstützen, haben wir morgen keine Gaming-Industrie mehr. Und unterstützen lohnt sich: Minecraft, Terraria, Stardew Valley – einige wirklich szeneweisenden Spiele der letzten Jahre haben zumindest als Indies angefangen, denn Indie-Studios oder -Developer haben Vorteile, die die großen Studios nicht haben: Flexibilität, Freiheit, eine gewisse Frische und Unvoreingenommenheit, die den großen Studios fehlt. Der Mut zu einer eigenen Identität, weil sie zu keinem Traditions-Studio gehören, welches eine Identität bereits über etliche Jahre gebaut hat.
Und wow, hab ich hier coole Sachen anzocken können! Meine Favoriten, von denen ich euch definitiv auch nochmal im Detail erzählen werde, waren unter anderem Aether & Iron, Arcane Eats und No Stone Unturned. Aber hab da auch noch viele andere tolle Titel, zu denen ich euch was erzählen kann, weil die Indies waren wirklich brandheiß. Einfach vorbeigehen ging da nicht – ich hatte definitiv Momente, in denen ich mich wahrlich wegreißen musste.
Das ist es, was Indies ausmacht: Sie machen Spiele, weil sie Spiele machen wollen, nicht weil der Markt es verlangt. Sie experimentieren, sie scheitern, sie versuchen es neu. Und manchmal – nur manchmal – erschaffen sie etwas Magisches, das die ganze Industrie verändert.
Pro Arena – Esports kehrt nach Hause zurück
Was lange gefehlt hat, war endlich da: Esports hatte wieder einen würdigen Platz auf der gamescom. Nach Jahren, in denen der kompetitive Gaming-Bereich eher stiefmütterlich behandelt wurde, eröffnete in Halle 8 die neue Pro Arena – und was für ein Statement das war. 2.500 Quadratmeter pure Esports-Energie, organisiert von Freaks 4U Gaming zusammen mit der Koelnmesse und SK Gaming.
Hier zeigte sich, was passiert, wenn man Esports ernst nimmt: Nicht nur ein paar Computer in einer Ecke, sondern ein komplettes Ecosystem. Das große Finale der Techniker Prime League am Sonntag war dabei der absolute Höhepunkt. 3.000 Fans in der Event Arena, die beiden besten deutschen League of Legends Teams, 20.000 Euro Preisgeld – das war Gänsehaut pur. Als die Teams einliefen und die Crowd explodierte, dachte ich mir: Genau so muss das sein.
Besonders beeindruckend war der Equal Esports Cup, bei dem G2 Hel ihren Status als bestes europäisches Team untermauert hat. Aber fast noch cooler waren die Equal Esports Proving Grounds – 10 Nachwuchstalente, die ihre Chance bekommen haben, sich vor Influencern und Scouts zu beweisen. Das ist die Zukunft: Nicht nur die etablierten Stars feiern, sondern auch den Nachwuchs fördern.
Was mir dabei klargeworden ist: Esports ist nicht mehr das kleine Anhängsel der Gaming-Welt. Es ist ein vollwertiger Teil der Industrie geworden, mit eigenen Stars, eigenen Geschichten und vor allem: eigenen Emotionen. Die Fans in der Pro Arena haben genauso intensiv mitgefiebert wie bei jedem anderen Sport auch. Und ehrlich? Das hat die gamescom nur besser gemacht.
Festival-Feeling und Fritten-Philosopie
Während ich also ab Mittwoch so von Meeting zu Meeting lief, und dabei immer auch mal im Consumer-Bereich vorbeigeschaut hab, wurde mir irgendwann klar, wie sehr mich die gamescom eigentlich an Musikfestivals erinnert: Ähnliche Anzahl Menschen, ähnlich viel zu gucken und zu entdecken, und ja, irgendwie auch ähnliche Preise was Verpflegung angeht. Ich habe zugegebenermaßen nichts probiert, auch weil mir die Schlangen viel zu lang waren und der Kalender zu voll, aber es waren auch einige sehr bekannte Namen wie etwa Frittenwerk dabei.
Ich habe mich aber natürlich mit einigen Besuchern ausgetauscht, und mir wurde da durchwegs gesagt: Ja, die Preise sind teuer, aber die Qualität hat gestimmt, und so hat es dann gepasst. Schön, wenn ein Konzept funktioniert. Zusätzlich war der Besuch der gamescom eben für viele das Äquivalent zum Jahresurlaub, und dementsprechend wurde dafür gespart. Da viele Besucher natürlich auch jedes Jahr wiederkommen, sind die Preise auch keine Überraschung.
Was mir besonders aufgefallen ist: Die Akzeptanz, mit der alle diese Kosten hinnehmen. Nicht resigniert, sondern bewusst. „Das gehört dazu,“ erklärte mir ein Fan aus München, der mit drei Freunden angereist war. „Wir sparen das ganze Jahr darauf, und dann machen wir uns hier drei Tage richtig einen schönen. Das ist unser Weihnachten.“
Die Devise lautet: Gaming als Lifestyle, nicht nur als Hobby. Die gamescom ist für viele nicht einfach nur ein Event, sondern ein Ritual, ein Höhepunkt des Jahres, für den man plant, spart und sich freut. Wie Weihnachten für Erwachsene – nur mit mehr RGB-Beleuchtung.
Cosplay-Kultur und Community-Spirit
Zwischen all den Business-Terminen und Spiele-Sessions waren es oft die kleinen Momente, die hängengeblieben sind. Die perfekt kostümierte Jinx aus Arcane, die geduldig mit jedem für Fotos posiert hat, obwohl ihre Perücke in der Kölner Hitze sicher nicht angenehm war. Der Vater, der mit seinem achtjährigen Sohn im Mario-Kostüm durch die Hallen gewandelt ist und dabei mindestens genauso aufgeregt wirkte wie das Kind. Die Gruppe von Freunden, die sich offensichtlich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wiedergesehen hat und bei jedem neuen Spiel-Trailer gemeinsam ausgerastet ist.

Das ist Gaming-Kultur in ihrer reinsten Form: Menschen, die ihre Leidenschaft ungefiltert leben. Keine Ironie, kein Zynismus, einfach pure Freude am gemeinsamen Erlebnis. In einer Welt, die oft zu cool für Enthusiasmus ist, war das erfrischend ehrlich.
Besonders beeindruckt hat mich eine Cosplayerin, die als 2B aus NieR: Automata verkleidet war. Ihre Aufmerksamkeit zum Detail war atemberaubend, aber als ich sie darauf ansprach, erzählte sie mir nicht von Stunden des Nähens oder der Recherche, sondern davon, was das Spiel für sie bedeutet hat. „Es hat mich durch eine schwere Zeit gebracht,“ sagte sie schlicht. Gaming als Therapie, Cosplay als Dankbarkeit – selten war mir so klar, warum wir alle hier sind.
Die Zukunft spielt schon heute
Was bei all den Eindrücken und Erlebnissen hängengeblieben ist: Die gamescom 2025 war ein Blick in die Zukunft. Nicht nur wegen der neuen Technologien oder der angekündigten Spiele, sondern wegen der Menschen, die diese Zukunft gestalten. Die 16-jährige Streamerin, die mit mehr Professionalität auftritt als manche Firmen. Der 60-jährige Rentner, der zum ersten Mal VR ausprobiert und dabei strahlt wie ein Kind. Die internationale Community, die zeigt, dass Gaming wirklich keine Grenzen kennt.
Zehn Jahre sind eine lange Zeit in der Gaming-Welt. Konsolen-Generationen kommen und gehen, Trends entstehen und verschwinden, Unternehmen steigen auf und fallen. Aber was bleibt, ist diese Gemeinschaft von Menschen, die zusammenkommt, um zu feiern, was sie liebt. Und das ist schöner denn je.
Danke für die Rückkehr
Nach fünf intensiven Tagen, unzähligen Gesprächen, Spielsessions und Eindrücken sitze ich hier und versuche, all das in Worte zu fassen. Die gamescom 2025 war für mich nicht nur eine berufliche Station, sondern eine emotionale Heimkehr. Eine Bestätigung, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass diese Branche, trotz aller Herausforderungen und Veränderungen, immer noch das ist, was sie schon vor 10 Jahren war: magisch.
Danke an alle Entwickler, Publisher, Organisatoren und Fans, die diese fünf Tage zu etwas Besonderem gemacht haben. Danke für die Einladungen, die Gespräche, die Einblicke und die Erinnerungen.
Die nächste gamescom ist schon im Kalender markiert. Diesmal warte ich keine 10 Jahre!