Guild Esports, einer der bekanntesten Clubs im britischen Esport, steht zum Verkauf. Weniger als ein Jahr nach der Übernahme durch DCB Sports sucht die Organisation wohl wieder nach Käufern – und sorgt damit für reichlich Unruhe in der Szene. Laut City AM läuft die Bieterfrist nur bis Mitte August.
Vom Hoffnungsträger zum Sanierungsfall
2018 gegründet, wollte Guild die große Bühne erobern. Mit dem Einstieg von David Beckham als Teilhaber landete man früh in den Schlagzeilen, 2020 folgte als erstes britisches Esport-Team sogar der Gang an die Londoner Börse. Doch die Vision von internationalem Wachstum und stabilen Einnahmen blieb unerfüllt. Fünf Jahre rote Zahlen ließen den Aktienkurs einbrechen, mehr als 90 Prozent gingen verloren.
DCB Sports übernahm im Oktober 2024 für gerade einmal 100.000 Pfund plus übernommene Verbindlichkeiten von rund zwei Millionen. Doch auch mit neuem Eigentümer blieb Guild angeschlagen.
Titel, Projekte und offene Fragen
Ganz verschwunden war Guild in den letzten Monaten nicht. Im März 2025 übernahm man die Fan-Engagement-Plattform Encore, im April gewann man die erste Prodigy Racing League. Auch eine Kooperation mit GINX TV sorgte für Schlagzeilen: Das Content-Unternehmen zog ins Guild-Hauptquartier in London, während Guild sich mit 25 Prozent beteiligte.
Trotz solcher Initiativen blieben die Zweifel. Zu groß die Schulden, zu schwach die Fanbindung, zu unsicher die Einnahmen. Dass die Organisation jetzt öffentlich auf dem Insolvenzsmarkt auftaucht, wirkt wie ein letztes Alarmzeichen.
Ein Spiegel für den britischen Esport
Guilds Krise ist kein Einzelfall. Der britische Markt tut sich seit Jahren schwer, nachhaltige Strukturen aufzubauen. Sponsoren zögern, Kosten steigen, kleinere Teams verschwinden. Katana Gaming musste im Frühjahr aufgeben – ein weiteres Beispiel dafür, wie brüchig das Fundament ist.
Für Fans und Spieler bleibt die Frage, ob Guild noch einmal die Kurve kriegt oder ob ein neuer Investor das Kapitel endgültig schließt. Sicher ist nur: Die Organisation, die einst mit großen Namen und großen Plänen startete, steht 2025 am Scheideweg.