Wenn eine Stadt The International austrägt, merkt man das sofort. Im September 2025 hat Hamburg sich für ein paar Tage in eine Dota-Metropole verwandelt – und es war mein erstes Mal hier. Schon am Flughafen war die Stimmung anders: Fans mit Badges und Hoodies, die man sofort erkannte, gemischt mit Tourist:innen, die vermutlich nur dachten, warum plötzlich so viele Leute über „Creeps“ und „Roshan“ reden. Für mich war es die perfekte Gelegenheit, die Stadt und das Turnier gleichzeitig zu entdecken – und das gleich doppelt besonders, weil ich gebürtig aus der Nähe von Köln komme, aber inzwischen in der Nähe von Leeds, England, lebe.
Ankommen in der Hafenstadt
Hamburg hat mich direkt gepackt. Kaum aus der Bahn gestiegen, stand ich zwischen Glasfassaden, roten Backsteinen und diesen endlosen Wasserwegen, die der Stadt etwas fast Nordisches geben. Die Luft roch leicht salzig, Möwen kreischten, und auf den Straßen mischte sich der typische Wochenendtrubel mit Dota-Fans, die schon auf dem Weg zur Arena waren. Ich hatte sofort das Gefühl, dass Hamburg nicht nur Austragungsort ist, sondern selbst Teil des Events.
Die Stadt ist wie gemacht zum Bummeln. Ich bin einfach losgelaufen, über Brücken, durch enge Straßen, vorbei an Cafés, die nach frischem Kaffee riechen. Und da war er dann, dieser erste Blick auf die Speicherstadt – und ich wusste, dass ich hier länger stehen bleiben würde.
Speicherstadt: Backstein und Wasser
Die Speicherstadt ist eine Kulisse, die schon alleine wie ein Cinematic aussieht. Endlose Reihen von roten Backsteinhäusern, die sich im Wasser spiegeln, Brücken in alle Richtungen, und ein Licht, das am Nachmittag weich über den Giebeln liegt. Ich habe eine Barkassenfahrt gemacht, und das war einer dieser Momente, wo die Stadt sich plötzlich aufklappt wie ein Level. Enge Kanäle, die so knapp sind, dass man fast die Wände berühren könnte, und darüber die Fassaden mit Türmen und Erkern, die Geschichten von früher erzählen.
Früher lagerten hier Kaffee, Tee und Gewürze – heute riecht es eher nach Kaffee aus den Cafés und nach Gewürzen im Spicy’s Museum. Ich war kurz drin, und es war, als würde man durch eine Duftbibliothek spazieren. Irgendwo riechst du Zimt, zwei Schritte weiter brennt dir Chili in der Nase. Für mich passte das perfekt zu Hamburg: eine Stadt, die Tradition hat, aber sich neu erfindet, ohne die alten Gerüche ganz zu verlieren.
Am Abend wurde es dann fast magisch. Die Speicherstadt ist beleuchtet, die Brücken glänzen golden, das Wasser reflektiert die Lichter, und es fühlt sich an, als hätte jemand einen Filter über die Realität gelegt. Ich stand einfach da, und dachte: okay, das ist ein Spot, den ich wiedersehen will.
Miniatur Wunderland: wie Gaming in analog
Natürlich musste ich ins Miniatur Wunderland. Ich dachte vorher: klar, Modellbau, ganz nett. Aber wenn man davorsteht, ist es einfach irre. Patagonien mit Gletschern, Wellengang und Mini-Gewittern, daneben Rio mit Karneval auf Knopfdruck, und überall diese winzigen Figuren, die eigene Geschichten erzählen.
Ich habe gemerkt, dass ich das sofort mit Gaming verglichen habe. Es ist dasselbe Prinzip: Welten bauen, in die Leute eintauchen können. Nur dass hier nicht PCs summen, sondern Motoren Züge bewegen. Kinder standen daneben, haben begeistert Knöpfe gedrückt, Erwachsene haben mit aufgerissenen Augen gestaunt, und ich habe mich gefühlt, als wäre ich auf einer Art LAN – nur eben für Modellbauer.
Kulinarik: Franzbrötchen, Maison Mai und Spätzle-Glück
Hamburg schmeckt. Und wie. Mein erstes Franzbrötchen habe ich in der Stadtbäckerei Musfeldt gegessen. Warm aus dem Ofen, knusprig, buttrig, Zimt und Zucker in perfekter Mischung. Als ich sagte, dass es mein erstes überhaupt sei, haben mich die älteren Kund:innen so angelächelt, als würden sie sich an ihr eigenes erstes Mal erinnern. Es war ein kleiner Moment, aber einer dieser, die man behält.
Am Abend ging es ins Maison Mai – indochinesische Küche, die mich sofort überzeugt hat. Smoky Entrecôte auf Reis, dazu diese Black-Pepper-Soße, die so intensiv war, dass ich sofort dachte: bitte einmal in Flaschen abfüllen. Und der Wantan-Salat mit hausgemachten Wantan – knusprig, frisch, perfekt. Es war einer dieser Abende, wo man merkt: Hamburg hat kulinarisch so viel zu bieten, dass man eine Woche bleiben müsste, um nur ansatzweise durchzukommen. So hab ich mich das letzte Mal bei Cooking Mama gefühlt.
Und dann kam das Food Truck Festival am Spielbudenplatz, über das ich zufällig gestolpert bin. Poppige Trucks, Musik, Lichter, Gerüche aus aller Welt. Ich habe Spätzle bei der Spätzle Box gegessen – und für mich als Deutsche in England war das pure Nostalgie. Dazu bei Yuki’s Gohan hausgemachtes Chiliöl, das so scharf und lecker war, dass ich einfach 5 Gläser hätte mitnehmen können. Es war, als könnte man sich durch die ganze Welt futtern, und ich habe jede Minute geliebt.
Sidequest: LUSH und Gaming im Alltag
Und weil man manchmal nicht drum herumkommt: Als Ex-LUSH-Mitarbeiterin musste ich in die Filiale. Zwischen Seifenbergen und Badebomben standen sie: die Minecraft-Badebomben. Bunt, pixelig, fast schon wie ein Easter Egg für Gamer:innen. Davor gab es schon eine Mario-Kollaboration – und ich finde es herrlich, dass Gaming so locker im Mainstream angekommen ist. Ob die Produkte immer die Zielgruppe treffen, keine Ahnung. Aber wenn die Hälfte der Gamer:innen Frauen sind, passt es schon ziemlich gut. Und die Kids, die drumherum standen, waren definitiv begeistert.
The International: wirklich international
Und dann natürlich das Herzstück: The International. Ich wusste, dass es groß wird, aber nicht, wie international. Klar, viele Deutsche, aber genauso viele Chines:innen, Amerikaner:innen, Stimmen aus allen Richtungen. In den Schlangen hörte ich Russisch, Spanisch, Englisch, Mandarin – fast wie an einem Flughafen, nur dass alle über Dota sprachen. Glaube ich jedenfalls.
Die Stimmung war elektrisierend. Jedes Match fühlte sich wie ein Mini-Finale an, jede Fanreaktion war eine Welle, die durch die Arena ging. Hamburg hat sich in dieser Woche angefühlt wie das Zentrum einer weltweiten Community, und ich war mittendrin.
MOUZ HQ: Hightech und Szene-Kult
Ein weiteres Highlight war das neue HQ von MOUZ. Zentral gelegen, super leicht zu finden, und schon beim Reingehen spürte man: Hier wird Esport nicht versteckt, sondern gelebt. Solo-Pods für konzentriertes Training, Scrim-Räume für Teams, eine Mini-Arena für Fans – es wirkte wie eine Mischung aus Hightech-Büro und Community-Treffpunkt.
Ich durfte Rennsport auf einem Sim-Rig ausprobieren. Spoiler: ich war grottenschlecht. Aber es hat irre Spaß gemacht. Und genau das zeigt, wie offen das HQ gedacht ist. Es geht nicht nur ums Training, sondern auch darum, dass Fans die Szene erleben können.
Der Secret Shop von TI war im HQ versteckt, und das war fast schon poetisch. Zwischen modernster Gaming-Infrastruktur plötzlich Merch kaufen, wie ein kleiner Reminder: Esport ist nicht nur Zukunft, sondern auch Tradition und Szene-Kult.
Abschied – und Ausblick
Hamburg hat mir gezeigt, dass eine Stadt viel mehr sein kann als nur Kulisse für ein Turnier. Zwischen Speicherstadt und Spätzle-Box, Franzbrötchen und Fan-Gesängen habe ich eine Hafenstadt erlebt, die Gaming und Kultur so locker ineinanderfließen lässt, dass man gar nicht merkt, wo das eine aufhört und das andere anfängt. Für mich war es das erste Mal hier – und ich will auf jeden Fall wiederkommen.
Aber erstmal heißt es Koffer packen: Ende September geht’s weiter nach Madrid. Neues Event, neue Straßen, neue Geschmäcker. Und wer weiß – vielleicht ja wieder dieser Mix aus Esport, Essen und Momenten, die man so nur unterwegs findet. Hamburg hat die Latte jedenfalls verdammt hochgelegt.