Der 8. September war für viele Fans ein Tag, der hängen bleibt. Zwölf Mitarbeitende mussten bei 100 Thieves gehen, die Nachricht verbreitete sich in Minuten über Twitter, Discord und Reddit. Und während die Organisation in den Schlagzeilen stand, saß Matthew „Nadeshot“ Haag im Stream, um ein Sponsoring mit einem Glücksspielanbieter durchzuziehen. Es war die Art von Gleichzeitigkeit, die sofort Diskussionen entfacht – zu platt, um nicht für Ärger zu sorgen, und zu schmerzhaft für all jene, die plötzlich ohne Job dastanden.
Ein Bruch in der Beziehung zur Community
100 Thieves hat sich in den letzten Jahren immer als Lifestyle-Marke inszeniert, nah an der Community, mit Content, Merch und großen Plänen. Vermutlich trafen deshalb die Entlassungen so hart. Es wirkte nicht wie ein nüchterner Business-Schritt, sondern eher wie ein Bruch im Selbstbild. Fans fragten sich, wie eine Organisation, die so oft von Zusammenhalt und Kultur spricht, so plötzlich zwölf Leute vor die Tür setzen kann – und das auch noch ohne große Worte oder sichtbaren Plan. Die Socials waren voller Mitgefühl für die Betroffenen, aber auch voller Kritik am Management. Viele erinnerten an den Rückzug aus LTA North, sahen darin ein weiteres Zeichen für den schleichenden Kontrollverlust.
Nadeshot erklärt seine Rolle
Als die Diskussionen hochkochten, ging Nadeshot live und sprach offen über das, was passiert war. Er stellte klar, dass er seit fast zwei Jahren nicht mehr CEO sei, sondern nur noch im Vorstand. Die Entscheidung habe er nicht getroffen, er habe am Morgen nach seiner Abreise nach Mexiko eine Nachricht dazu bekommen. Seine Reise sei lange geplant gewesen, seine Frau schwanger, das Roobet-Sponsoring längst vorbereitet. Er sprach von Scham, davon, dass ihm die Mitarbeitenden wichtig seien, und davon, dass er ihre Situation nachvollziehen könne. Für manche war das ein ehrlicher Einblick, für andere eine Ausrede.
Gerade diese Mischung aus Distanzierung und Empathie machte sein Statement so umstritten. Einige lobten, dass er Fehler eingestand und nicht versuchte, die Lage schönzureden. Andere warfen ihm vor, Verantwortung wegzuschieben, obwohl er für viele weiterhin das Gesicht und die Stimme von 100 Thieves bleibt.
Zwischen Empathie und Shitstorm
Was an diesem Wochenende sichtbar wurde, war mehr als nur ein Personalabbau. Es war ein Clash zwischen Erwartung und tatsächlicher Realität. Die Community erwartet von jemandem wie Nadeshot Nähe, Präsenz und Fingerspitzengefühl. Stattdessen entstand das Bild eines Gründers, der in Mexiko streamt, während daheim Existenzen wackeln. In Clips und Kommentaren wurde dieser Kontrast immer wieder betont, oft überspitzt, aber immer mit derselben Botschaft: Das passt nicht zum Image, das 100 Thieves über Jahre aufgebaut hat.
Eine Organisation am Scheideweg
Für 100 Thieves bedeutet das mehr als eine einzelne Krise. Das Vertrauen der Fans ist angeknackst, und die Marke muss zeigen, dass sie verstanden hat. Im Esport sind Entlassungen kein neues Phänomen, aber selten treffen sie auf so eine Symbolik, selten werden sie so unmittelbar mit einer Person verbunden. Nadeshot bleibt das Gesicht der Organisation, egal wie seine Rolle offiziell aussieht. Wie er und das Team jetzt kommunizieren, entscheidet, ob die Community wieder an Bord kommt – oder ob der Bruch bleibt.