Im Fall rund um das Counter-Strike-2-Team SENZA zieht die Esports Integrity Commission (ESIC) die Reißleine. Spieler, Coaches und Staff wurden mit sofortiger Wirkung vorläufig gesperrt. Der Grund: mögliche Verstöße gegen den Anti-Corruption Code und den Code of Conduct der Kommission.
Verdacht auf Manipulation und Account-Sharing
Wie ESIC in einer Mitteilung vom 10. Oktober bestätigte, gilt die Sperre für alle Turniere, die Teil des ESIC-Netzwerks oder dessen Integritätsprogramms sind. Die laufende Untersuchung dreht sich um drei zentrale Punkte – den möglichen Einsatz externer Informationen während Matches, verdächtige Aktivitäten im Zusammenhang mit Wetten und das mutmaßliche Teilen von Accounts.
Die Suspendierung bleibt bestehen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind oder ESIC eine Aufhebung beschließt. Besonders brisant: Bereits zuvor hatte SENZA selbst Ermittlungen gegen den ehemaligen Spieler Kirsan „byek“ Ivanov eingeleitet, nachdem Vorwürfe wegen Account-Sharing aufgetaucht waren. Der Spieler wurde daraufhin aus dem Kader entfernt und mit einer Geldstrafe von rund 30.000 Dollar belegt.
Im September trennte sich SENZA schließlich komplett von seinem Line-up und stellte am 3. Oktober ein neues Team vor. Laut ESIC bezieht sich die aktuelle Untersuchung jedoch auf das alte Roster, das noch bis September aktiv war.
Tier-2-Szene im Fokus
Erste Hinweise auf mögliches Cheating kamen aus der Szene selbst. ENCE-Analysten hatten Videomaterial mit auffälligen Spielsituationen geteilt, und auch GamerLegion-Coach Ashley „ash“ Battye äußerte öffentlich seinen Frust über die wachsende Zahl an Manipulationsvorfällen in der Tier-2-Szene.
„Das kann so nicht weitergehen. Wenn wir gegen offensichtliche Cheater verlieren, zerstört das Vertrauen ins eigene Spiel. Ich habe in der Vergangenheit Roster gewechselt, weil solche Niederlagen alles kaputtmachen. Wir müssen es besser machen“, schrieb Battye auf X.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen den beteiligten SENZA-Spielern harte Konsequenzen. Bereits im April hatte ESIC den schwedischen CS2-Profi Joel „Joel“ Holmlund lebenslang gesperrt – wegen elf nachgewiesener Verstöße gegen die Integritätsregeln.
Für SENZA steht also weit mehr als nur ein Turnierplatz auf dem Spiel: Es geht um Glaubwürdigkeit in einer Szene, die sich gerade erst an die neue Counter-Strike-Ära gewöhnt.