Team Vitality geht dorthin, wo viele Organisationen noch wegschauen: ins Zentrum des digitalen Hasses. Gemeinsam mit der Moderationstechnologie Bodyguard hat das französische Team einen Bericht über Online-Toxizität im Esport veröffentlicht. Auch wenn die vollständige Studie noch aussteht, geben die ersten Zahlen einen seltenen Einblick in das Ausmaß, mit dem Spielerinnen, Teams und Coaches im Netz konfrontiert sind.
57.000 Nachrichten, 3,6 Prozent Hass
Zwischen dem 1. August und 6. Oktober 2025 überwachte Bodyguard 19 offizielle Team-Vitality-Accounts – darunter Social-Media-Profile von Profis, Coaches und Organisation. Über 57.000 Nachrichten wurden analysiert, mehr als 2.000 davon direkt blockiert. Der Anteil an Hasskommentaren lag bei 3,6 Prozent – leicht unter dem Esport-Durchschnitt von 4,2 Prozent. Etwa zehn Prozent der Nachrichten wurden als positiv eingestuft.
Die Ergebnisse stammen aus Vitalitys Mental-Health-Programm KARE, das 2023 mit Unterstützung von Philips EVNIA gestartet wurde. Das Ziel: mentale Gesundheit und digitale Sicherheit als festen Bestandteil des Esports zu verankern. Die Kooperation mit Bodyguard setzt dabei auf hybride Moderation – KI trifft auf menschliche Kontrolle.
Fortschritt mit offenen Fragen
Der Bericht zeigt: gezielte Moderation kann helfen, toxisches Verhalten einzudämmen, ohne die Community-Interaktion zu ersticken. Dennoch bleiben viele Details unklar – etwa, wie genau „hateful“ oder „positive“ Nachrichten definiert wurden. Klar ist nur, dass Bodyguard rassistische, homophobe, fatphobe und religiös motivierte Beleidigungen erkannte und entfernte.
Besonders betroffen waren X (ehemals Twitter) und Instagram mit Toxizitätsraten von 4,6 beziehungsweise 2,5 Prozent. Die Plattformen, auf denen Esport lebt, sind damit zugleich jene, auf denen sich Hass am sichtbarsten zeigt.
Ein Signal für Verantwortung im Esport
Trotz offener Fragen ist das Projekt ein starkes Zeichen. Es zeigt, dass Teams wie Vitality ihre Verantwortung ernst nehmen – nicht nur für Erfolge auf der Bühne, sondern auch für das Wohlbefinden ihrer Spieler. Der Bericht betont, dass Hass und Hetze die mentale Gesundheit und Leistung von Athleten beeinträchtigen können – ganz gleich, ob im Sport oder Esport.
Auch wenn die Analyse noch Lücken hat, bleibt die Botschaft deutlich: Erfolg im Esport darf nicht nur in Pokalen gemessen werden. Er muss auch bedeuten, dass Spieler, Fans und Communitys sicher sind – respektiert, geschützt und gehört.