Wenn Politik und Gaming aufeinandertreffen, wirkt Busan jedes Jahr wie ein Brennpunkt. Auf der G-STAR 2025 nutzte Jung Chung-rae, Vorsitzender der Democratic Party of Korea, seinen Rundgang durch die BEXCO-Hallen, um ein deutliches Zeichen zu setzen: Games und Esports gehören für ihn zu den wichtigsten Wachstumsfeldern des Landes – und sollen politisch stärker getragen werden.
Ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte Games-Politik
Bei einem Roundtable zu „K-GAME Future Strategies“ erinnerte Jung daran, wie früh er sich für die Branche eingesetzt hat. Damals, in den 2000ern, war Gaming in Korea noch ein Kulturkampf. Er sprach darüber, wie schwierig es gewesen sei, das erste Game Industry Promotion Act überhaupt durchzubringen. Während weite Teile der Öffentlichkeit Spiele vor allem als „Suchtproblem“ sahen, argumentierte Jung, dass Korea hier eine künftige Schlüsselindustrie aufbauen könne. Dass er am Ende recht behalten sollte, ist heute kaum noch zu übersehen.
Gleichzeitig nutzt er die Bühne, um alte Initiativen wieder ins Gespräch zu bringen. Er erinnerte an die Zeit, als er eine Esport-Arbeitsgruppe im Parlament initiierte, StarCraft-Turniere im National Assembly Library ermöglichte und beim Start des legendären Teams MBCGame HERO half. Auch Vorschläge wie ein Esport-Programm im Militär oder dessen Aufnahme ins offizielle koreanische Sportsystem seien nie richtig verfolgt worden – „seit zwanzig Jahren stagnierend“, wie er es formulierte.
Was die Politik jetzt vorhat
Mit Blick auf die kommenden Jahre machte Jung klar, dass die Weichen bereits gestellt werden. Die große Revision des Game Industry Promotion Act, diesmal unter der Leitung von Cho Seung-rae, steht kurz vor der Verabschiedung. Cho räumte zwar ein, dass Teile der Regierung hinsichtlich Steuererleichterungen skeptisch seien, wolle aber weiter verhandeln. Gerade in einer Zeit, in der Korea seine Soft-Power-Rolle global ausbaut, sieht der DPK-Chef Esport als unverzichtbares Element – vom Talentexport bis zur internationalen Wahrnehmung.
Gleichzeitig sprach Jung ein Thema an, das in der Szene immer wieder aufkommt: die fehlende symbolische Anerkennung. Dass der Präsident bei Esport-Ehrungen nur selten persönlich anwesend sei, bezeichnete er als verpasste Chance. Sollte es zu einem Treffen kommen, wolle er das direkt ansprechen.
Ein Showfloor als politisches Signal
Während G-STAR weiter durch Busan rollt – mit Verlagen, Showmatches und vollen Business-Hallen – wirkte Jung Chung-raes Besuch wie ein deutliches Bekenntnis. Die Branche soll wachsen, sicherer werden und politische Unterstützung spüren. Oder wie er es selbst formulierte: Menschen, die Spiele entwickeln und Esport aufbauen, sollen mit mehr Zuversicht arbeiten können.