Ein Jahr nach der großen Ankündigung ist das Projekt in seiner ursprünglichen Form Geschichte. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Saudi Olympic and Paralympic Committee (SOPC) haben ihre Partnerschaft für die geplanten Olympic Esports Games beendet – und damit auch den bisherigen Fahrplan über Bord geworfen.
Ein Bruch mit Symbolkraft
Was 2023 als zukunftsweisende Kooperation gefeiert wurde, endet nun mit einer deutlichen Kurskorrektur. Nach Monaten intensiver Gespräche haben sich IOC und die Esports World Cup Foundation, die eng mit Saudi-Arabien verbunden ist, auf eine Trennung geeinigt. Offiziell heißt es, beide Seiten wollen künftig „eigene Wege gehen“, um ihre jeweiligen Esport-Ziele umzusetzen.
Für das IOC bedeutet das: Neustart. Die Organisation will die Olympic Esports Games neu aufsetzen – mit einem flexibleren Konzept, das besser zu den langfristigen Zielen der olympischen Bewegung passt. Statt einer festen Zwölfjahres-Partnerschaft soll es künftig ein offenes Modell geben, das auch neue Publisher, Verbände und Regionen mit einbezieht.
Was jetzt aus den Olympic Esports Games wird
Ganz vom Tisch ist das Projekt nicht. Das IOC betont, man halte weiter an der Idee fest und wolle die erste Ausgabe der Spiele „so bald wie möglich“ umsetzen. Die Veranstaltung soll auf den Erkenntnissen aus dem internen „Pause and Reflect“-Prozess aufbauen, der nach der ersten Planungsphase eingeleitet wurde.
Im Juni hatte das IOC bereits ein Forum mit Entwicklerstudios und Publishern veranstaltet, um gemeinsam an einem neuen Rahmen für die Spiele zu arbeiten – von der Auswahl der Titel bis zur Struktur des Wettbewerbs. Das Signal ist klar: Mehr Transparenz, mehr Einbindung der Branche, weniger politischer Ballast.
Währenddessen in Saudi-Arabien
Die Esports World Cup Foundation zieht unterdessen ihr eigenes Programm durch. In Riyadh startet 2026 der Esports Nations Cup, ein internationales Turnier, das alle zwei Jahre stattfinden soll und sich auf nationale Teams konzentriert. Das Format ist Teil von Saudi-Arabiens größerer Strategie, das Land als globales Zentrum für Gaming und Esport zu etablieren.
Ein Schritt zurück – und vielleicht zwei nach vorn
Für das IOC ist die Trennung ein Rückschlag, aber auch eine Chance. Der Druck, den Esport glaubwürdig und unabhängig von politischen Interessen in die olympische Welt zu integrieren, war groß. Jetzt kann das Komitee zeigen, dass es den Esport wirklich versteht – als eigenständige, moderne Wettbewerbsform, nicht nur als PR-Erweiterung.
Die Olympic Esports Games sind damit nicht gescheitert. Sie stehen nur an einem Punkt, den die Szene gut kennt: Reset drücken, neu aufbauen, besser machen.