Ein Jahr, das LoL Esports neu sortiert hat

Linda Güster
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Inhaltsverzeichnis
  1. Fearless Draft hat alles beschleunigt
  2. Gen.G ganz oben – und Anyone’s Legend immer kurz davor
  3. Der Westen kommt näher, aber noch nicht weit genug
  4. Am Ende wieder T1 – und Gumayusis Moment
LoL Esports
Image credit: LoL Esports via YouTube

Es gibt Jahre, in denen sich League of Legends Esports einfach weiterdreht. Und dann gibt es Jahre wie dieses. Drei Splits, Fearless Draft, neue internationale Rhythmen – kaum etwas fühlte sich vertraut an. Die Form war plötzlich flüchtig, Dominanz kein Dauerzustand mehr. Und trotzdem passierte am Ende etwas sehr Bekanntes.

Während sich das Ökosystem neu erfand, blieb eine Wahrheit bestehen. Wenn es wirklich zählt, stehen die gleichen Namen wieder ganz oben.

Fearless Draft hat alles beschleunigt

Der größte Einschnitt kam nicht durch ein Team, sondern durch ein System. Fearless Draft hat das Jahr geprägt wie kaum eine andere Änderung. In Kombination mit dem Drei-Split-Kalender wurde aus jeder Woche ein Stresstest. Kein gemütliches Hochspielen Richtung Playoffs mehr, kein Verstecken von Championpools. Wer nicht konstant liefern konnte, wurde vom Kalender überrollt.

Plötzlich rückten Coaching-Staffs stärker ins Rampenlicht. Draft war kein Setup mehr für ein Spiel, sondern ein Puzzle über ganze Serien hinweg. Teams mit klarer Identität, breiten Championpools und sauberer Abstimmung profitierten am meisten. Große Namen allein reichten nicht mehr.

Für Fans war genau das der Reiz. Mehr Varianz, mehr Mut, mehr Picks, die man früher nie auf einer so großen Bühne gesehen hätte. Fearless Draft hat LoL nicht einfacher gemacht, aber ehrlicher.

Gen.G ganz oben – und Anyone’s Legend immer kurz davor

Über weite Strecken des Jahres gab es eine klare Antwort auf die Frage nach dem besten Team der Welt. Gen.G war der Maßstab. Konsequent, kontrolliert, fast schon kühl. Der MSI-Titel, erneut gegen T1, fühlte sich wie eine Bestätigung an. Dazu Rekordzahlen, neue Formate, volle Wirkung.

Und dann war da Anyone’s Legend. Kein Superteam, keine lauten Stars, aber unfassbar konstant. AL war das einzige LPL-Team, das die koreanischen Topteams wirklich an den Rand gedrängt hat. Fünf Spiele bei MSI, fünf Spiele beim Esports World Cup, ein bitteres Aus gegen T1 bei Worlds. Immer nah dran, nie drüber.

Gerade deshalb bleibt AL spannend. Das gleiche Lineup, ein weiteres Jahr Erfahrung – diese Geschichte fühlt sich noch nicht abgeschlossen an.

Der Westen kommt näher, aber noch nicht weit genug

Es war kein schlechtes Jahr für westliche Teams. Aber auch kein Durchbruch. Fearless Draft half, Lücken zu schließen, Matchups zu öffnen, Serien länger zu halten. Trotzdem fehlte in den entscheidenden Momenten oft die letzte Konsequenz. Teamfights, Makro-Entscheidungen, Ruhe unter Druck – dort waren die Topteams aus dem Osten weiterhin einen Schritt voraus.

Europa konnte zumindest kleine Erfolge verbuchen. G2 zurück in den Top 8, FlyQuest und MKOI mit mehr internationalem Gewicht. Nord- und Südamerika hatten es schwerer. Das LTA-Experiment zündete nicht wie erhofft, Viewership blieb fragil. Dass LCS und CBLOL so schnell zurückkehrten, sagt einiges über den Druck im System.

Mehr internationale Events und mehr Best-of-Serien bieten Chancen. Aber sie sind kein Garant. Der Westen bekommt mehr Möglichkeiten – nutzen muss er sie selbst.

Am Ende wieder T1 – und Gumayusis Moment

Trotz aller Reformen, trotz aller Volatilität endete die Saison mit einem vertrauten Bild. T1 hebt den Pokal. Wieder einmal. In Chengdu, vor tausenden Fans, nach einem Run, der alles andere als bequem war.

Vom Play-in bis ins Finale, vorbei an Invictus Gaming, Anyone’s Legend, Gen.G und KT Rolster. Kein Abkürzungsweg, kein geschenkter Titel. Und während Lee ‚Faker‘ Sang-hyeok wie immer das Zentrum blieb, war das emotionale Bild dieser Worlds ein anderes.

Lee ‚Gumayusi‘ Min-hyeong. Nach Bench, Kritik, Fragezeichen kam er zurück. Trug Spiele, entschied Serien, holte sich den Finals-MVP. Eine dieser Geschichten, die man sich nicht ausdenken würde, weil sie zu perfekt wirkt.

Und dann, fast ohne Pause, der nächste Schnitt. Gumayusi verlässt T1, schließt sich Hanwha Life Esports an und trifft dort wieder auf Zeus. Nach dem größten Titel seiner Karriere beginnt er ein neues Kapitel – ohne das Team, das ihn geprägt hat.

Dieses Jahr wollte alles verändern. Und hat doch gezeigt, wie hartnäckig Legacy sein kann.

Linda Güster

Journalistin
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Linda Güster ist leidenschaftliche Gamerin und als Teil des Freelance-Teams bei ESI immer am Puls der eSports-Szene. Ob knallharte Dota 2-Matches, nervenaufreibende Survival-Abenteuer in Subnautica oder entspannte Stunden mit Cozy Games wie Stardew Valley — sie liebt die ganze Bandbreite des Gaming-Universums. Abseits davon bringt sie als Software-Entwicklerin und Freelancerin ihr Können in die Welten von Technologie, Mode, Finanzen und iGaming ein, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und spannenden Projekten.
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