Es wirkt fast surreal, diesen Satz wirklich zu schreiben: League of Legends bekommt WASD-Movement. Patch 25.24 macht es offiziell, und damit landet etwas im Live-Client, das in der Szene jahrelang als reines „Was wäre wenn“-Gedankenspiel existiert hat.
Erstmal überall – außer da, wo es wirklich zählt
Riot geht den Schritt bewusst langsam. Das neue Movement landet im Client, aber noch nicht in Ranked oder Normal Draft. Alles andere ist freigeschaltet, damit Spieler:innen erstmal herausfinden können, wie sich die Rift anfühlt, wenn man sie nicht mehr nur per Mausklick dirigiert.
WASD wurde über den Herbst hinweg im PBE getestet, und die Rückmeldungen waren… lebhaft. Also hat das Team weitergeschraubt: Minion-Collision, Wandbewegungen, die neue dynamische Locked-Camera – überall wurde gefeilt, damit sich das Schema nicht wie ein Cheatcode, sondern wie eine echte Alternative anfühlt.
Software Engineer Kellye Smith formuliert es mit der klaren Erwartungshaltung, dass Riot langfristig zwei gleichwertige Bewegungsmodelle anbieten will. Kein Pay-to-Win-Gefühl, kein versteckter Vorteil, sondern zwei Wege, dieselben Räume zu spielen.
Was bedeutet das eigentlich für die Szene?
Für Profis: erstmal gar nichts. Ein alternatives Movement bringt nur dann was, wenn man es in den Modi üben kann, die kompetitiv relevant sind – und genau das ist noch nicht möglich. Kein Ranked, kein Draft, also keine Routine, kein Scrim-Potenzial. Die Maus bleibt im Griff von Chovy, Caps, Faker und Co.
Für neue Spieler:innen ist der Schritt aber riesig. League war immer ein MOBA, das sich sehr nach „RTS“ angefühlt hat – jetzt öffnet es sich ein Stück weit für Leute, die mit Action-Schemes wie WASD groß geworden sind. BARON-PIT oder Botlane-Brush bewegen sich damit plötzlich komplett anders, persönlicher, direkter.
Und wann ist WASD wirklich esports-relevant?
Dafür braucht es zwei Dinge: echtes Ranked-Testing und klare Daten. Riot beobachtet bereits intern, ob Maus und Tastatur gleichauf bleiben oder ob sich in der Bewegung subtile Vorteile einschleichen. Erst wenn diese Phase geklärt ist – und dann die Profi-Teams das Movement überhaupt trainieren können – wird man sehen, ob die Szene sich bewegt.
Für den Moment ist WASD vor allem ein Signal: Die Rift ist bereit für Veränderung. Und selbst wenn es noch Jahre dauert, bis ein Pro auf der Bühne mit Classic-FPS-Steuerung spielt, beginnt dieser Prozess jetzt – leise, langsam, vorsichtig, aber spürbar.