T1 hat es schon wieder getan. Zum vierten Mal in Folge beendet die Organisation das Jahr als meistgesehenes Esports-Team weltweit – gemessen an der gesamten Watchtime über alle relevanten Titel hinweg. Die Zahlen stammen aus dem aktuellen Jahresranking von Esports Charts und zeichnen ein ziemlich klares Bild davon, wo globale Aufmerksamkeit im Esport gerade wirklich stattfindet.
Das Ranking bündelt die Livestream-Watchtime aus offiziellen Turnieren und Broadcasts über PC- und Mobile-Titel hinweg. Battle Royales und chinesische Streamingplattformen bleiben außen vor, wodurch der Fokus klar auf strukturierten, international ausgespielten Esport-Ökosystemen liegt. Und genau dort setzt sich T1 erneut an die Spitze.
Warum T1 trotz holpriger LCK-Saison dominiert
Mit rund 196 Millionen gesehenen Stunden liegt T1 deutlich vor der Konkurrenz. Der Abstand auf Platz zwei beträgt etwa 65 Prozent – kein statistischer Ausrutscher, sondern ein strukturelles Statement. Besonders bemerkenswert: Diese Dominanz entstand nicht aus einer makellosen Saison in der heimischen Liga.
In der LCK blieb T1 über das Jahr hinweg vergleichsweise inkonstant, ein vierter Platz war das beste Regular-Season-Ergebnis. International sah das Bild wie so oft komplett anders aus. T1 startete früh ins Worlds-Turnier, spielte sich durch jede Phase – und holte am Ende den dritten Weltmeistertitel in Folge. Spätestens dort explodierte die globale Aufmerksamkeit wieder.
Korea bleibt der Fixpunkt im globalen Esport
Hinter T1 landete Gen.G auf Platz zwei. Ein Jahr voller Titel, inklusive LCK-Sieg, MSI-Erfolg und Triumph beim Esports World Cup, sorgte für konstante Watchtime – bis zur inzwischen fast schon ritualisierten Worlds-Niederlage gegen T1 im Halbfinale.
Auch Hanwha Life Esports und KT Rolster mischten die Top Ten auf. Hanwha profitierte von einem starken Jahresstart mit LCK Cup und internationalem Erfolg, KT von einem tiefen Worlds-Run bis ins Finale. Korea stellt damit erneut nicht nur die erfolgreichsten, sondern auch die sichtbarsten Organisationen des Jahres.
Counter-Strike schiebt sich zurück ins Rampenlicht
Auffällig ist die Rückkehr von Counter-Strike an die Spitze der Aufmerksamkeit. Vier CS2-Teams schafften es in die Top Ten, angeführt von Team Vitality auf Rang fünf. Neun Tier-1-Titel und zwei Major-Siege in einer Saison sprechen für sich – und sorgten für die stärkste CS-Präsenz im Watchtime-Ranking seit NAVIs Hochphase vor einigen Jahren.
Dahinter folgten Team Spirit, MOUZ und Team Falcons. Unterschiedliche Narrative, unterschiedliche Erfolge, aber gemeinsam Teil eines deutlich breiteren und dynamischeren CS2-Ökosystems als noch vor wenigen Jahren.
Mobile Legends bleibt der unterschätzte Gigant
Während League of Legends und Counter-Strike den westlichen Diskurs prägen, darf ein Faktor nicht übersehen werden: Mobile Legends: Bang Bang. Zwei indonesische Teams landeten in den Top Vier des Rankings und unterstreichen einmal mehr, wie massiv die APAC-Region den mobilen Esport trägt.
Indonesien bleibt das Epizentrum der MLBB-Szene, mit regelmäßig siebenstelligen Zuschauerzahlen bei regionalen und internationalen Events. Wer globale Esports-Reichweite verstehen will, kommt an Mobile-Titeln längst nicht mehr vorbei.
Unterm Strich zeigt das Ranking weniger Überraschungen an der Spitze, aber klare Verschiebungen darunter. T1 bleibt der Fixstern – doch dahinter wird der globale Esport sichtbarer, vielfältiger und fragmentierter als je zuvor.