Year 5 der Apex Legends Global Series war kein leises Jahr. Es war eines dieser Saisons, in denen sich Fronten früh verhärten, Narrative festfahren und einzelne Teams über Monate hinweg ganze Regionen kontrollieren. Jetzt steht mit der ALGS Championship in Sapporo das große Finale an – und für viele Organisationen endet hier nicht nur ein Turnier, sondern eine komplette Erzählung.
Alliance und die Last der Dominanz in EMEA
Wenn man über Year 5 spricht, kommt man an Alliance nicht vorbei. EMEA gehörte ihnen. Zwei Pro-League-Splits gewonnen, konstant ganz oben in der Championship-Points-Wertung, dazu ein zweiter Platz beim ALGS Open. Rein sportlich war das die sauberste Saison aller Teams.
Und trotzdem hängt über Alliance diese eine Szene: das verlorene Finale im letzten Jahr. Der Moment, in dem alles vorbereitet war – und GoNext ihnen den Titel vor der Nase wegschnappte. Sapporo ist für Alliance deshalb weniger Kür als Pflicht. Nicht, weil sie etwas beweisen müssten, sondern weil Dominanz ohne Titel im Apex-Kosmos schnell hohl wirkt.
Gen.G und der stille Aufstieg in APAC South
Während Alliance EMEA kontrollierte, hat sich Gen.G Esports in APAC South leise, aber nachhaltig nach vorne geschoben. Year 5 war das Jahr, in dem aus einem respektierten Team ein echter Titelkandidat wurde.
Individuelle Rekorde, starke Split-2-Auftritte und Platz zwei in der Championship-Wertung sprechen eine klare Sprache. Gerade mit Blick auf die Geschichte der Organisation in Apex – kurzer Einstieg, schneller Rückzug, langer Neustart – fühlt sich dieser Run fast wie eine späte Rehabilitierung an. Gen.G kommt nicht mit der größten Fanbase nach Japan, aber mit einem der stabilsten Setups.
Aurora Gaming und die Hoffnung auf ein zweites Hoch
Bei Aurora Gaming ist die Geschichte komplizierter. Der Kern des aktuellen Rosters weiß, wie man eine Championship gewinnt. Genau das macht Year 5 so schwer einzuordnen.
Die Ex-NAVI-Spieler, die zuvor mit GoNext triumphiert hatten, stolperten durch große Teile der Saison. Schwache Platzierungen, wenig Momentum, gerade bei den internationalen Events. Trotzdem hat es gereicht, um sich über die Championship Points zu qualifizieren. Jetzt steht die Frage im Raum, ob Erfahrung allein reicht, um in Sapporo noch einmal alles umzudrehen – oder ob das Timing diesmal gegen sie arbeitet.
Wird es endlich einen zweifachen Champion geben?
Bis heute hat kein Team die ALGS Championship zweimal gewonnen. Year 5 könnte das ändern, zumindest theoretisch. Mit TSM und GoNext Esports stehen frühere Titelträger im Feld, aber beide reisen mit Fragezeichen an.
GoNext hat nach dem Titel alles umgebaut, den Anschluss erst spät wiedergefunden und sich mühsam zurückgekämpft. TSM hingegen hatte ein Jahr voller Brüche, verpasster Chancen und knapper Qualifikation. Beide sind nicht die Teams, die man automatisch ganz oben einordnet – aber genau solche Konstellationen haben Apex schon öfter gekippt.
Spieler, die das Turnier kippen können
Bei 40 Teams und 120 Spielern ist die Liste lang, aber ein paar Namen tragen das Turnier sichtbar auf ihren Schultern. Phillip „ImperialHal“ Dosen reist mit Team Falcons als einer der konstantesten Akteure der Saison an. Siege beim Open, starke Pro-League-Auftritte, kaum Ausreißer nach unten.
Ähnlich spannend ist der Blick auf Evan „Verhulst“ Verhulst, der mit Crazy Thieves antritt und die seltene Chance auf einen zweiten Titel hat. Und dann wäre da noch Miron „Effect“ Novikov, der für Alliance nicht nur mitspielt, sondern Year 5 statistisch geprägt hat wie kaum ein anderer.
Sapporo wird kein Märchenfinale. Es wird ein Turnier, in dem sich Monate an Arbeit, Druck und Erwartung entladen. Für manche endet hier eine Ära, für andere beginnt vielleicht erst eine. Genau deshalb fühlt sich diese Championship größer an als viele davor.