Bei MIBR wird es still. Zu still. Mit dem Abschied von Raphael “exit” Lacerda ist die brasilianische Organisation im Counter-Strike plötzlich nur noch zu dritt unterwegs – ein Zustand, der weniger nach Übergangsphase und mehr nach kompletter Neuorientierung aussieht.
exit verlässt MIBR nach fast fünf Jahren. Eine lange Zeit im heutigen CS2-Kosmos, vor allem, wenn man bedenkt, dass er gleich zweimal die Rolle des In-Game-Leaders übernommen hat. Erst zwischen Anfang 2023 und Sommer 2024, dann erneut ab Februar, nachdem André “drop” Abreu auf die Bank gesetzt wurde. Führung war bei ihm nie ein Nebenschauplatz, sondern Kernaufgabe.
Viele Titel, wenige große Durchbrüche
Sportlich war exits Zeit bei MIBR widersprüchlich. National und online sammelte das Team Titel, gewann unter anderem FERJEE Rush und Circuit X South America Season 1. International blieb es dagegen meist bei Achtungserfolgen. Ein ESL Challenger Melbourne-Titel sticht heraus, dazu einzelne tiefe Runs wie das Halbfinale der ESL Pro League Season 20 oder die Quarterfinals bei PGL Astana. Zu selten allerdings, um dauerhaft Anschluss an die Weltspitze zu halten – trotz der konstant starken Leistungen von Felipe “insani” Yuji.
In seinem Abschiedsstatement klingt kein Frust, sondern eher Enttäuschung mit sich selbst und dem Verlauf des letzten Jahres an. 2025 sei unter seinen Erwartungen geblieben, schreibt exit, ohne dabei seine Ambitionen kleinzureden. Sein Hunger auf Erfolge, auf einen Platz in der Geschichte des brasilianischen Counter-Strike, sei ungebrochen. Wichtig für den Markt: Er ist vertragsfrei, ohne Buyout, offen für Angebote.
Ein Kader am absoluten Minimum
Mit exits Abgang schrumpft MIBR auf ein Minimum zusammen. Nach dem Abschied von Coach Jhonatan “jnt” Silva und dem gescheiterten Versuch, die Leihe von Aleksei “Qikert” Golubev zu verlängern, stehen aktuell nur noch Breno “brnz4n” Poletto, Felipe “insani” Yuji und der geliehene Klimentii “kl1m” Krivosheev aktiv im Line-up. Renato “nak” Nakano unterstützt als Assistant Coach, Rafael “saffee” Costa bleibt weiter inaktiv.
Das ist kein Zustand, in dem man einfach „noch zwei Spieler dazuholt“. Das ist ein Reset. Für MIBR geht es jetzt nicht nur um Namen, sondern um Richtung, Identität und die Frage, ob man kurzfristig konkurrenzfähig sein will – oder den Neuaufbau bewusst in Kauf nimmt.
Für exit hingegen beginnt ein neues Kapitel. Eins, in dem Erfahrung, Leadership und der klare Wille, es noch einmal wissen zu wollen, sein stärkstes Argument sind.