Joshua Schmidt: Kein GOAT, nur 23 Jahre Duellist

Linda Güster
calendar-icon
Inhaltsverzeichnis
  1. „Man kann nicht jedes Duell gewinnen“
  2. GOAT? „Ich glaube nicht daran“
  3. Seit 2003 dabei – und nie ganz raus
  4. Sky Striker statt Erwartung
  5. Englisch, weil warum nicht?
  6. Auch nach all den Titeln bleibt das Yu-Gi-Oh!-TCG besonders
Joshua Schmidt bei der YCS Bologna 2023
Image credit: Joshua Schmidt bei der YCS Bologna 2023 / KONAMI Digital Entertainment B.V.

Inmitten von Händlerständen, Feature-Area und diesem konstanten Summen aus Shufflen und Side-Deck-Diskussionen treffe ich im Laufe des Yu-Gi-Oh! Championship Series Event in Dortmund auf Joshua Schmidt. Wer die Szene kennt, kennt den Namen. Vier YCS-Titel. Mehrere World Championships. Yu-Gi-Oh! MASTER DUEL-Weltmeister. Einer der erfolgreichsten europäischen Duellisten aller Zeiten. Und trotzdem steht er da völlig unaufgeregt, als wäre es einfach nur bald die nächste Runde auf einem ganz normalen Regional.

Wir sprechen nach Runde sieben. Er hat gerade ein Match verloren.

„Man kann nicht jedes Duell gewinnen“

„Heute war es gut bis jetzt. Also ich kann mich nicht beschweren. Einmal habe ich verloren, war jetzt Runde sieben eben“, sagt er ruhig.

Kein Schulterzucken, kein Erklären. Ich frage, ob es ein Deck war, mit dem er nicht gerechnet habe.

„Doch, war ein Deck, mit dem ich gerechnet habe, aber ich sehe das so: Man kann nicht jedes Duell gewinnen. Die anderen sind auch gut, also es kommt vor.“

Er sagt das so selbstverständlich, dass man fast vergisst, mit wem man spricht. Mit jemandem, der über fünfzig Premier-Event-Tops gesammelt hat. Auf meine Nachfrage, ob es an ihm gelegen habe, kommt nur ein nüchternes: „Glaube ich nicht, nein.“ Der Fokus liegt auf der nächsten Runde.

GOAT? „Ich glaube nicht daran“

In der Halle fällt sein Spitzname immer wieder. GOAT. Ich spreche ihn direkt darauf an.

„Glaube ich nicht dran, nee. Also ich glaube nicht daran, dass es einen besten Duellisten aller Zeiten gibt.“

Das kommt schnell. Klar. Ohne Ironie. Statt sich selbst zu positionieren, zählt er andere auf. „Da gibt es einige. Da gibt es viele aus Amerika, da gibt es auch viele Europäer, die ich sehr gut finde. Weiß ich nicht, Jesse Kotton, Ryan Yu. Ich will jetzt niemanden vergessen.“

Für ihn ist das Yu-Gi-Oh! Trading Card Game zu dynamisch, zu formatabhängig, zu sehr von Meta-Entscheidungen geprägt, um eine Person über alles zu stellen. Seine Erfolge sprechen für sich, aber er sieht sie im Kontext eines Spiels, das sich ständig neu erfindet.

Seit 2003 dabei – und nie ganz raus

Joshua nimmt an Yu-Gi-Oh! TCG Duellen seit 2003 oder 2004 teil. „Während der Schule. Vorher sogar. Als es rauskam quasi“, sagt er. Ganz aufgehört habe er nie.

„Es gab Momente, wo ich weniger an Duellen teilgenommen habe. Also ganz aufgehört habe ich nie. Aber das Yu-Gi-Oh! TCG ändert sich ja und dann gibt es Zeiten, da findet man es gerade cooler. Dann gibt es Zeiten, da findet man es mal ein bisschen weniger cool. Aber Duelliert habe ich mich immer.“

Diese Konstanz zieht sich durch alles. Auch durch seine Meta-Erinnerungen. Wenn er sich ein Lieblingsformat aussuchen müsste, fällt seine Wahl klar aus: „Wenn ich eins aussuchen müsste, würde ich 2017 sagen. Paleo.“ Und als ich frage, ob es seitdem wieder so gut war, antwortet er trocken, aber mit einem Schmunzeln: „Nee, seitdem nie wieder so gut.“

Sky Striker statt Erwartung

In Dortmund spielt er Sky Striker. Kein offensichtlicher Hype-Pick, sondern eine bewusste Entscheidung.

„Ja, ist auch eins meiner Lieblingsdecks“, sagt er. Es sei „ein bisschen ein Meta-Call, ist nicht so beliebt gerade, aber mir gefällt es gut.“ Er halte es für solide gegen die Decks, die man aktuell häufig auf Turnieren sieht. „Deswegen habe ich das genommen anstatt das, was alle erwarten.“

Das passt zu seinem Stil. Joshua bevorzugt Midrange-Strategien, Decks mit Konsistenz und Utility. Sein ikonischstes Deck, Runick, ist dafür das beste Beispiel. Mehrere große Erfolge, unterschiedliche Builds, immer wieder angepasst. Nicht das lauteste Deck im Raum, aber eines, das funktioniert.

Englisch, weil warum nicht?

Sein Content läuft komplett auf Englisch. Für einen deutschen Duellisten ungewöhnlich, für ihn logisch.

„Das war so eine Entscheidung, die ich ganz am Anfang getroffen habe. Also ich habe das während dem Studium irgendwie aus Lust, aus Langeweile nebenher angefangen. Und ich dachte mir halt von Anfang an, also ich spreche gutes Englisch schon immer.“

Warum sollte man also die Zielgruppe kleiner machen: „Also wenn ich der Meinung bin, ich mache Content, den Leute gut finden, warum dann nicht so, dass ihn jeder schauen kann?“

Heute ist er einer der prominentesten kompetitiven Yu-Gi-Oh!-TCG-Content Creator Europas. Streams, YouTube, MASTER DUEL, Podcast – alles baut auf dieser frühen Entscheidung auf.

Auch nach all den Titeln bleibt das Yu-Gi-Oh!-TCG besonders

Bei all den Erfolgen frage ich ihn, ob eine YCS noch etwas Besonderes ist.

„Ja. Ich bin immer noch aufgeregt jedes Mal. Wahrscheinlich weniger als andere. Auch wenn ich jetzt zum Beispiel ein Feature-Match habe oder so, merke ich schon, dass meine Gegner meistens wahrscheinlich nervöser sind als ich. Aber nervös bin ich trotzdem.“

Und vielleicht ist genau das der Kern. Kein Mythos. Kein Denkmal. Sondern jemand, der seit über zwanzig Jahren Karten mischt und trotzdem noch dieses leichte Kribbeln spürt, wenn die Pairings hängen.

Bei der 300. YCS steht Joshua Schmidt nicht wie ein unantastbarer GOAT in der Halle. Sondern wie ein Duellant, der einfach das nächste Match gewinnen will.

Linda Güster

Journalistin
  • x-icon
  • linkedin-icon
Linda Güster ist leidenschaftliche Gamerin und als Teil des Freelance-Teams bei ESI immer am Puls der eSports-Szene. Ob knallharte Dota 2-Matches, nervenaufreibende Survival-Abenteuer in Subnautica oder entspannte Stunden mit Cozy Games wie Stardew Valley — sie liebt die ganze Bandbreite des Gaming-Universums. Abseits davon bringt sie als Software-Entwicklerin und Freelancerin ihr Können in die Welten von Technologie, Mode, Finanzen und iGaming ein, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und spannenden Projekten.
Komplette Bio lesen
ESI Bewertungs System
Wir haben ein spezielles Bewertungssystem entwickelt, welches direkt zeigt, wie gut die einzelnen Glücksspielplattformen wirklich sind. Dank langjähriger Expertise wissen wir, welche Faktoren am wichtigsten sind und testen daher jede Plattform nach der gleichen Methodik. Hierbei bewerten wir jede Plattform anhand der folgenden Kriterien:
  • A-Tier (Silber) Hochwertige Websites, die ein erstklassiges Erlebnis bieten. Sie zeichnen sich durch starke Leistung, nützliche Funktionen und zuverlässigen Support aus. Sie sind fast perfekt.
  • B-Tier (Bronze) Solide Plattformen, die einen Blick wert sind. Sie sind sicher, machen Spaß und sind funktional, verfügen jedoch möglicherweise nicht über erweiterte Funktionen oder weisen kleinere Nachteile auf.
  • S-Tier (Gold) Die absolute Elite. Diese Anbieter gehen weit über den Standard hinaus und bieten lukrative Boni, lohnende Werbeaktionen, blitzschnelle Auszahlungen und insgesamt ein makelloses Erlebnis.
Weitere Informationen darüber, wie wir Glücksspielanbieter bewerten, findet man unter Wie wir Wett- und Casinoseiten bewerten.