DreamHack Birmingham 2026: Shahin Zarrabi im Gespräch

Linda Güster
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Inhaltsverzeichnis
  1. Shahin Zarrabi: VP of Festivals
  2. DreamHack im Wandel – von Demos zu Content Creators
  3. Die DNA von DreamHack – was niemals verloren gehen darf
  4. Kein DLC im echten Leben – das faire Festivalmodell
  5. Lokalisierung und die Suche nach Identität
  6. DreamHack, ESL One und die Nähe der Arenen
  7. Zwischen Gamescom und eigenem Weg
  8. Der Wert von Gaming und Festivals
  9. Erfolgsmomente und Vision
Shahin Zarrabi in Birmingham
Image credit: Shahin Zarrabi / Picture taken by Linda Güster

Birmingham empfängt mich an diesem Morgen mit typisch britischem Wetter: leichter Regen, grauer Himmel, und doch dieser besondere Glanz, wenn die Straßen glänzen und das Leben unbeeindruckt weiterzieht. Auf der Motorway hatte ich Glück, kaum Stau, aber je näher ich ins Herz der Stadt kam, desto spürbarer wurde der Trubel. Birmingham ist keine Stadt, die still bleibt. Sie pulsiert. Zwischen den imposanten Gebäuden wirkt alles kraftvoll, fast monumental, als würde das bronzene Stier-Symbol am Bullring den Takt vorgeben.

Die F1 Arcade Birmingham, in der das Treffen stattfand, liegt in einer kleineren Seitenstraße – fast unscheinbar von außen, aber innen erwartete uns eine Atmosphäre, die sofort Nähe schuf. Kein riesiges Presseaufgebot, kein anonymer Massenandrang. Stattdessen beinahe intime Verhältnisse: nur fünf Journalist:innen, eng beisammen an einem Tisch. Am Tag zuvor hatte es in London schon einen Media Roundtable gegeben, aber die Atmosphäre hier wirkte persönlich, beinahe familiär.

Kaffee, frische Croissants, kleine Teller für den Brunch, Gläser, die nie leer blieben – es war spürbar, dass die Organisatoren darauf bedacht waren, dass es uns an nichts fehlte. Sogar Richard Parker, Bürgermeister der West Midlands, hatte sich die Zeit genommen, vorbeizuschauen. Und mittendrin Shahin Zarrabi, VP of Festivals bei der ESL FACEIT Group, eine der treibenden Kräfte hinter DreamHack.

Bereits bei der Ansprache merkte man: Das ist kein distanzierter Manager, kein steifer Sprecher. Zarrabi wirkte, als hätte er alle Zeit der Welt. Er hörte zu, er überlegte, er beantwortete jede Frage mit echtem Interesse. Man merkte sofort, dass es nicht nur ein Job ist, sondern etwas, das er mit Herzblut lebt.

Shahin Zarrabi: VP of Festivals

Es gibt Gesprächspartner, bei denen man nach wenigen Sekunden merkt: Das hier wird kein oberflächlicher PR-Termin. Shahin Zarrabi gehört genau in diese Kategorie. Er trägt den ungewöhnlichen Titel „VP of Festivals“, und noch bevor man ihn darauf anspricht, nimmt er einem das Schmunzeln fast ab: „It’s made up“ sagt er lachend, und sofort ist die Atmosphäre gelöst.

Zarrabi ist kein Manager, der die Zeit herunterzählt, bis das nächste Meeting ruft. Stattdessen nimmt er sich für jede Frage einen Moment, denkt nach, sortiert seine Gedanken, bevor er antwortet. Und doch bleibt es nie steif – immer wieder bricht er in Lachen aus, teilt kleine Anekdoten, zeigt, dass er nahbar ist. Seine Rolle wirkt weniger wie die eines Funktionärs, sondern eher wie die eines Gastgebers, der darauf bedacht ist, dass sich alle wohlfühlen.

Bei der Präsentation, die er selbst mitgestaltet hat, wurde das noch deutlicher. Da stand kein unnahbarer Profi auf der Bühne, sondern ein Mensch, der spürbar stolz ist auf das, was er und sein Team aufgebaut haben. Gleichzeitig strahlte er eine natürliche Autorität aus – man folgte seinen Worten, weil man merkte, dass sie getragen sind von echter Erfahrung und Überzeugung. Er wirkte nicht überhöht, sondern geerdet. Genau das macht ihn so interessant: Man begegnet ihm als jemandem, der einerseits mit voller Professionalität ein weltweites Festival verantwortet, und andererseits genau diese menschliche Note beibehält, die Veranstaltungen wie DreamHack erst lebendig macht.

DreamHack im Wandel – von Demos zu Content Creators

Wenn Zarrabi über DreamHack spricht, klingt es fast wie eine Familiengeschichte, die immer weitergeschrieben wird. Er erinnert daran, dass alles 1994 in einer schwedischen Schulkantine begann. Damals saßen junge Programmierer beisammen, zeigten ihre ersten sogenannten „Demos“ – kleine audiovisuelle Projekte, die nicht selten die Grundlage für spätere Videospielentwicklungen waren.

Von dort an begann eine Entwicklung, die eng mit den großen Strömungen der Gamingkultur verknüpft war. Mit der Jahrtausendwende rückte Gaming selbst stärker in den Vordergrund. LAN-Partys, erste kleine Turniere, Spieler:innen, die einfach gegeneinander antreten wollten – ganz ohne professionelle Ambitionen. Aus dieser Basis wuchs schließlich der Esports-Boom, der DreamHack global bekannt machte. Große Wettkämpfe, volle Arenen, Teams und Fans, die den Namen prägten.

Heute, erklärt Zarrabi, habe DreamHack ein neues Gesicht. Esports ist weiterhin ein zentrales Standbein, aber die nächste Generation definiert ihre Gamingwelt anders. Content Creators, Streamer, YouTuber – sie sind zu Aushängeschildern geworden, die ganze Communities anziehen. DreamHack hat darauf reagiert, indem es diese Welt aufgreift und integriert. „DreamHack war nie nur eine Sache“, sagt Zarrabi. „Der rote Faden war immer: Menschen kommen zusammen, um gemeinsam etwas zu erleben. Gaming ist das Vehikel dafür – und gerade sind es die Creators, die den Ton angeben.“

So zeigt sich, dass DreamHack immer schon dort war, wo die Community ihre Energie hinlenkte. Es war nie nur Turnier, nie nur Festival, nie nur LAN. Es war ein Spiegel dessen, was Gamer:innen bewegte. Und genau diese Fähigkeit zur Anpassung ist es, die das Event lebendig hält.

Die DNA von DreamHack – was niemals verloren gehen darf

Wenn man Shahin Zarrabi fragt, was DreamHack trotz aller Expansion und Internationalisierung nie verlieren darf, zögert er kurz. Man merkt, dass er nicht mit einer vorbereiteten Floskel antworten will, sondern sich wirklich Gedanken macht. Dann entscheidet er sich für zwei Perspektiven.

„Eine einfache Antwort wäre: Wir bleiben immer bei Gaming. Wir werden kein Autotreffen, keine reine Musikmesse, kein generisches Festival. Die Wurzel ist Gaming, und darin verankern wir uns.“ Es ist die pragmatische Sicht, die deutlich macht, wie sehr DreamHack in seiner Kernidentität verwurzelt bleibt.

Doch Zarrabi geht noch weiter. Für ihn reicht es nicht, dass ein Festival „über Gaming“ ist – es muss auch von der Art der Erfahrung her Gaming widerspiegeln. „Wir würden niemals etwas schaffen wollen, das nur eine Einbahnstraße ist. Etwas, wo du einfach nur zusiehst und danach nach Hause gehst. Das ist ein Konzert, oder ein Fußballspiel. DreamHack dagegen muss interaktiv bleiben.“

Er erzählt davon, dass Besucher:innen neue Spiele ausprobieren, spontan in eine Community stolpern oder jemanden kennenlernen, den sie vorher nicht kannten. All das sei Teil der Grundidee – und für ihn ein nicht verhandelbarer Bestandteil. Egal wie groß DreamHack noch wird, es soll kein reines Schaulaufen werden. „Am Ende geht es darum, dass Leute mit Erinnerungen nach Hause gehen. Dass sie nicht nur etwas gesehen haben, sondern etwas erlebt.“

Es ist eine Definition von DNA, die weniger in Statistiken oder Besucherzahlen denkt, sondern in Momenten, die bleiben. Für Shahin Zarrabi bedeutet DreamHack nicht, dass Menschen auf Rängen sitzen und einer Show zuschauen. Es bedeutet, dass sie Teil davon sind.

Kein DLC im echten Leben – das faire Festivalmodell

Ein Satz, der mir im Vorfeld in Erinnerung geblieben war: DreamHack wolle niemals ein Festival werden, bei dem man für ein Ticket bezahlt und dann doch an jeder Ecke noch einmal extra zur Kasse gebeten wird. Ein reales „DLC-Modell“ also, das im Gaming selbst schon oft kritisiert wird, sollte auf keinen Fall Einzug in das Festival finden.

Als ich Shahin Zarrabi darauf anspreche, wird er sofort konkret. „Das kommt sehr klar aus den USA. Wenn du dort ein Convention-Ticket kaufst, dann bezahlst du danach nochmal 200 Dollar für ein Autogramm oder ein Foto beim Meet & Greet.“ Er schüttelt den Kopf, fast ungläubig, wie selbstverständlich solche Modelle anderswo funktionieren.

Natürlich, räumt er ein, auch DreamHack hatte in der Vergangenheit Add-ons. Reservierte Sitzplätze, ein spezielles Upgrade hier und da – das gibt es. Doch der Unterschied ist für ihn entscheidend: „Jedes Stück Content, das wir bringen, soll immer auch in einer kostenlosen Form erlebbar sein. Wer will, kann ein Upgrade kaufen, aber die Basis muss immer für alle da sein.“

Ein Beispiel, das er nennt, ist die kommende ESL One in Birmingham. Mit einem DreamHack-Ticket darf man dabei sein, die Matches sehen, Teil der Stimmung sein. Wer mehr Komfort möchte, kauft sich eine garantierte Sitzplatz-Option. Aber niemand bleibt außen vor.

Diese Haltung zieht sich auch durch kleinere Formate. Zarrabi erzählt von DreamHack Atlanta, wo Voice Actor aus bekannten Spielen eingeladen waren. Jeder konnte ein Autogramm bekommen, ohne extra zahlen zu müssen. Wer ein besonderes Sammlerstück wollte, das individuell signiert war, konnte das erwerben – aber auch hier: der Zugang blieb allen offen.

Für ihn ist das mehr als nur eine Preisfrage. Es ist ein Statement über die Haltung, die DreamHack gegenüber der eigenen Community hat. „Wenn du einmal drin bist, dann gehört dir alles. Du sollst nicht das Gefühl haben, dass du nur einen Bruchteil des Festivals erleben darfst.“

In einer Zeit, in der immer mehr Events versuchen, durch Zusatzkosten Umsatz zu machen, wirkt diese Haltung fast ungewöhnlich. Doch genau dadurch entsteht Vertrauen. DreamHack soll nicht das Gefühl eines Premiumprodukts sein, das man sich erkauft – sondern einer Community, die man betritt.

Lokalisierung und die Suche nach Identität

Wer ein globales Festival ausrichtet, steht vor einer heiklen Aufgabe: Wie bleibt man sich selbst treu und passt sich gleichzeitig an die Eigenheiten jedes Austragungsortes an? Shahin Zarrabi lacht, als ich ihn darauf angesprochen habe, und gibt offen zu: „Es ist schwer. Aber es wird einfacher.“

Das Beispiel, das er bringt, zeigt die Spannweite. Atlanta, die nächste große Station in den USA, ist für seine Fighting-Game-Community bekannt. „Da kannst du praktisch ein beliebiges Turnier aufstellen und hast sofort zweitausend Leute in der Halle.“ In Stockholm dagegen sei die Szene kleiner, dort kämen vielleicht hundert Spieler zusammen. Zwei Städte, zwei Communitys – und die Aufgabe, beidem gerecht zu werden.

Die Antwort liegt für ihn in einer Mischung aus Nähe und Flexibilität. DreamHack müsse nah genug an den lokalen Szenen sein, um sie ernst zu nehmen, gleichzeitig aber die globalen Trends nicht ignorieren. „Durch Social Media haben wir heute einen viel größeren gemeinsamen Rahmen. Ein Zwölfjähriger in Stockholm, in London oder in Atlanta kann denselben Content Creator verfolgen. Das hilft uns sehr, weil wir wissen, was international funktioniert.“

Und doch sieht er auch die Gefahr der Vereinheitlichung. Wenn alles global gleich tickt, droht die lokale Farbe verloren zu gehen. „Genau deshalb investieren wir bewusst in die Communitys vor Ort. Wir laden sie ein, wir geben ihnen Raum, und wir hoffen, dass dadurch Innovation entsteht, die DreamHack in jedem Land ein bisschen anders wirken lässt.“

Das Konzept sei wie ein Baukasten, erklärt er. Bühne, Flächen, Technik – vieles sei gleich. Aber was darauf passiert, welche Spiele, welche Stars, welche Communitys sich zeigen, könne komplett unterschiedlich sein. „So können wir drei oder vier Mal im Jahr denselben Event bauen, aber jedes Mal entsteht eine andere Erfahrung.“

Es ist dieser Spagat zwischen globalem Rahmen und lokaler Identität, den Zarrabi immer wieder betont. DreamHack sei stark genug, um überall wiedererkannt zu werden – aber offen genug, um nie überall gleich zu sein.

DreamHack, ESL One und die Nähe der Arenen

Ein Detail, das in der Pressemitteilung fast unscheinbar wirkte, sorgte beim Gespräch für besonders viel Klarheit. Auf den ersten Blick wirkte es so, als ob DreamHack und ESL One in Birmingham an zwei unterschiedlichen Orten stattfinden würden. Zwei Locations, zwei Namen, zwei Adressen – verwirrend für jeden, der seinen Trip in die West Midlands plant.

Shahin Zarrabi lächelt, als die Frage gestellt wird, und erklärt die Sache geduldig. „Die Hallen liegen direkt nebeneinander. Man geht aus dem einen Bereich heraus und ist innerhalb einer Minute in der Arena.“ Ein Handgriff, ein Richtungswechsel, kein zusätzlicher Shuttle, keine verlorene Zeit.

Das Herzstück trägt den Namen BP Pulse Live Arena, eine Halle mit Namensrechten. Direkt daneben liegt der große Festivalbereich der DreamHack. So verschwimmt die Grenze zwischen klassischem Esports-Turnier und Festival, das viel breiter aufgestellt ist. „Es ist ein Modell, das wir schon aus Dallas kennen“, sagt Zarrabi. Dort teilen sich die Veranstaltungen ebenfalls ein Areal, nur getrennt durch wenige Schritte.

Genau dieser Aufbau macht den März 2026 in Birmingham so reizvoll. Für die Besucherinnen und Besucher bedeutet es: keine Zerrissenheit, kein Gefühl, zwischen zwei Events pendeln zu müssen. Stattdessen entsteht ein gemeinsames Erlebnis. Morgens beim Content Creator vorbeischauen, mittags durch die Ausstellerhallen ziehen, abends in die Arena für DotA 2 – und alles, ohne je den Stadtteil verlassen zu müssen.

In dieser Nähe steckt auch eine symbolische Botschaft. DreamHack und ESL One treten nicht als Konkurrenten auf, sondern als zwei Seiten derselben Medaille. Festival und Turnier, Community und Spitzensport, das eine ergänzt das andere. „So wollen wir es haben“, sagt Zarrabi. „Es ist nicht DreamHack oder ESL One. Es ist DreamHack und ESL One.“

Zwischen Gamescom und eigenem Weg

Die Frage, ob DreamHack langfristig in die Dimensionen einer Gamescom hineinwachsen könnte, liegt fast schon in der Luft. Immerhin: Beide sprechen im Kern dieselbe Zielgruppe an, beide stehen für Gaming in seiner ganzen Breite, beide konkurrieren um das gleiche Zeit- und Budgetfenster im Kalender.

Zarrabi reagiert ruhig und differenziert. „Nein, nicht im klassischen Sinne“, beginnt er. Für ihn sei die Gamescom vor allem ein Schaufenster der Industrie, ein Ort, an dem Publisher, Entwickler und Marken ihre neuesten Projekte vorstellen. Die Messehallen in Köln sind voll mit riesigen Ständen, PR-Terminen und Presseevents. Der Fokus liegt auf dem, was die Firmen mitbringen – weniger auf dem, was die Besucher aktiv mitgestalten können.

DreamHack sei ein anderes Konzept. „Wir kuratieren unser eigenes Programm. Wir bringen unsere eigenen Flächen, unsere eigenen Inhalte mit, wir investieren selbst und gehen damit ins Risiko.“ Das bedeutet: mehr Eigenständigkeit, aber auch mehr Verantwortung. DreamHack versteht sich nicht als Bühne, die anderen überlassen wird, sondern als Gastgeber, der selbst die Fäden in der Hand hält.

Und doch: Ganz ohne Überschneidungen geht es nicht. „Natürlich sprechen wir in Teilen dieselben Menschen an“, räumt Zarrabi ein. Denn am Ende hat jede Spielerin und jeder Spieler nur ein begrenztes Budget – und eine begrenzte Zahl an Wochenenden, die sie für Events einplanen können. Dass DreamHack damit in Konkurrenz zu Gamescom tritt, ist aus seiner Sicht ein Nebeneffekt, aber kein erklärtes Ziel.

„Wir wollen nicht die nächste Gamescom sein“, betont er. „Wir wollen, dass Gamescom weiterhin ihr Ding macht. Und wir wollen unseres machen.“ Es ist ein Abgrenzungsversuch, der nicht defensiv wirkt, sondern selbstbewusst. DreamHack soll nicht die Messe der Branche werden, sondern das Festival der Community bleiben.

Damit zeichnet sich ein klarer Weg ab: Während die Gamescom in Köln den großen Auftakt für neue Releases feiert, will DreamHack die Türen für all jene öffnen, die Gaming als gelebtes Erlebnis verstehen – interaktiv, gemeinsam, vor Ort. Birmingham ist der nächste große Schritt in diese Richtung.

Der Wert von Gaming und Festivals

Wenn Shahin Zarrabi über den Wert von Gaming spricht, hört man sofort, dass er nicht nur in Zahlen denkt. Es geht ihm um ein Gefühl, um eine Logik, die jede Spielerin und jeder Spieler sofort nachvollziehen kann. „Videospiele sind im Vergleich zu anderen Hobbys unglaublich günstig“, sagt er. „Schau dir mal den Preis pro Stunde an: ein Kinoticket, ein Konzertabend, alles kostet viel mehr und dauert viel kürzer. Ein Spiel, das du zu Hause spielst, begleitet dich manchmal hunderte Stunden.“

Für ihn ist das mehr als ein nettes Argument, es ist eine Grundlage. DreamHack soll sich in derselben Logik bewegen – ein Event, das dir im Verhältnis zum Ticketpreis so viel Erlebniszeit bietet, dass es fast absurd erscheint, etwas anderes zu wählen. „Du kaufst dein Ticket, und im Grunde hast du drei Tage lang ein Festival, das von morgens bis in den Abend läuft“, erklärt er. „36 Stunden Programm für den Preis von zwei Kinokarten. Das ist ein ziemlich gutes Geschäft.“

Und er bleibt nicht bei der reinen Mathematik. Für Zarrabi steckt darin auch eine Botschaft über Zugänglichkeit. Gaming ist ein Hobby, das viele junge Menschen prägt, unabhängig von Einkommen oder Herkunft. Ein Festival, das dieses Hobby feiert, müsse denselben Gedanken verkörpern. „DreamHack soll kein Luxus sein. Es soll etwas sein, das du mit deinen Freunden planst, für das ihr Geld zusammenlegt, weil ihr wisst, es lohnt sich.“

Der Vergleich mit einem Musikfestival kommt da fast automatisch. Coachella, Tomorrowland, Glastonbury – alles große Namen, die längst Kultstatus erreicht haben. Warum nicht auch DreamHack? „Der Unterschied ist, dass wir nicht nur Zuschauer haben, sondern Mitspieler“, betont er. Wer kommt, schaut nicht nur, er macht mit, probiert Neues aus, tritt gegeneinander an. Diese Interaktivität sei ein Teil des Werts, der schwer in Zahlen zu fassen ist, aber den DreamHack so besonders macht.

So klingt es, als sei der Preis am Ende nur ein Detail. Der eigentliche Wert liegt in den Erinnerungen, die man mitnimmt – und in der Tatsache, dass ein Wochenende DreamHack noch Wochen später Thema im Discord-Channel mit Freunden ist.

Erfolgsmomente und Vision

Erfolg, das macht Shahin Zarrabi deutlich, misst sich nicht allein an Zahlen. Tickets, Reichweite, Sponsoren – das gehört dazu, aber es ist nicht der Kern. „Der wahre Erfolg ist, wenn DreamHack für Leute dasselbe bedeutet wie ein großes Musikfestival“, sagt er. „Wenn du mit deinen Freunden schon Monate vorher den Trip planst, wenn es einen eigenen Gruppenchat gibt, wenn ihr Hotels checkt, Urlaubstage beantragt – und wenn ihr beim Verlassen der Halle schon sagt: nächstes Jahr wieder.“

Es geht also um eine Tradition, fast schon um ein Ritual. DreamHack soll nicht ein Event unter vielen sein, sondern ein Fixpunkt im Kalender, auf den man spart, auf den man hinlebt. Zarrabi selbst kennt dieses Gefühl: Er erzählt von Coachella, von der Vorfreude, die ein ganzes Jahr trägt, vom Gemeinschaftsgefühl, das bleibt. „So will ich, dass die Leute über DreamHack denken“, erklärt er.

Darin steckt auch seine Vision: DreamHack als Synonym für Gaming-Festivals. Ein Ort, an dem nicht nur Spiele gezeigt werden, sondern an dem Erinnerungen entstehen – interaktiv, laut, manchmal chaotisch, aber immer mit Herz. Und vielleicht, wenn alles klappt, verlässt man Birmingham, Stockholm oder Atlanta mit genau diesem Gedanken: Ich war Teil von etwas Besonderem.

Transparenzhinweis: Die im Artikel verwendeten Zitate stammen aus einem englischsprachigen Gespräch und wurden sinngemäß ins Deutsche übertragen.

Linda Güster

Journalistin
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Linda Güster ist leidenschaftliche Gamerin und als Teil des Freelance-Teams bei ESI immer am Puls der eSports-Szene. Ob knallharte Dota 2-Matches, nervenaufreibende Survival-Abenteuer in Subnautica oder entspannte Stunden mit Cozy Games wie Stardew Valley — sie liebt die ganze Bandbreite des Gaming-Universums. Abseits davon bringt sie als Software-Entwicklerin und Freelancerin ihr Können in die Welten von Technologie, Mode, Finanzen und iGaming ein, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und spannenden Projekten.
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