Während viele internationale Ligen langsam Richtung Off-Season rutschen, schiebt Südostasien noch einmal ordentlich nach. Die SEA Games feiern ihren nächsten Auftritt – und Esports ist längst kein Experiment mehr, sondern ein vollwertiges Medal Event. In Bangkok trifft eine ganze Region auf ihre Lieblingsspiele, flankiert von einer Atmosphäre, die seit 2019 immer wieder gezeigt hat, wie tief Gaming hier im Alltag verankert ist.
Eine Region, die Esports als Sport versteht
Dass Esports bei den SEA Games inzwischen Tradition hat, merkt man sofort. Der erste Auftritt 2019 brachte Tekken 7, Hearthstone und Dota 2 ins nationale Scheinwerferlicht. Er legte den Grundstein für alles, was danach kam. Über die Jahre wuchs das Line-up mal breiter, mal kompakter, immer angepasst an das, was die Region gerade antreibt. League of Legends, PUBG Mobile, Wild Rift – viele Titel hatten ihre Momente, und manche sogar eigene Frauen-Events. Für die neue Ausgabe in Bangkok setzt man bewusst auf Fokus: weniger Breite, dafür Spiele, die tief in der lokalen Szene verankert sind.
Die Turniere laufen vom 13. bis 19. Dezember im Huamark Sports Training Center. Es gibt außerdem einen kleinen Abstecher auf den Campus von Chulalongkorn University für Mobile Legends: Bang Bang. Genau dort wird sich zeigen, wie groß die Fangemeinde in Thailand inzwischen geworden ist.
Vier Titel, sechs Medaillen – und ein klarer Favorit
Angeführt wird das Line-up von Mobile Legends: Bang Bang, das gleich zwei Turniere bekommt und schon zum vierten Mal Teil der SEA Games ist. Die Rolle als Publikumsliebling spürt man seit Jahren, und das Zusammenspiel zwischen MOONTON Games und der Thailand E-Sports Federation zeigt, wie viel wirtschaftliches Potenzial man mittlerweile in diese Szene legt.
Arena of Valor bleibt ebenfalls fester Bestandteil und bringt erneut seinen MOBA-Stil in die Wettkampfhalle. Free Fire sorgt für ein wenig Chaos aus der Shooter-Richtung – und das erneut, denn die Community in Südostasien trägt diesen Titel schon seit Jahren durch jedes Ranking. Abgerundet wird alles von FC Online, dem einzigen nicht-mobilen Spiel im Line-up, das trotzdem ein wichtiger Fixpunkt für viele Nationen bleibt.
Ein Blick zurück: Wer hat die Region bisher dominiert?
Wenn man sich die vergangenen Jahre anschaut, erkennt man schnell, wie dynamisch sich die Kräfteverhältnisse verschieben. Thailand holte 2019 Gold in Arena of Valor, aber die eigentliche Show gehörte den Philippinen, die MLBB, StarCraft II und Dota 2 im Griff hatten. Zwei Jahre später übernahm Vietnam das Zepter, räumte vier Goldmedaillen ab und setzte gerade in League of Legends und Wild Rift neue Maßstäbe. 2023 wiederum war Indonesien die Nation der Stunde, mit Erfolgen in VALORANT, PUBG Mobile und MLBB.
Trotzdem bleibt eines konstant: MLBB ist der Publikumsmagnet. Die Philippinen verteidigten den Titel im Männerturnier, während Indonesien das Frauenevent für sich entschied – ein starkes Zeichen, wie tief dieser Titel in der Region verwurzelt ist.
Ein Vorgeschmack auf die Zukunft: Magic Chess als Demo
Abseits der Medaillen bekommt auch ein weiterer Titel seine Bühne: Magic Chess: Go Go feiert als Demonstrationsturnier seinen Auftritt. Am 12. Dezember treten Indonesien, Malaysia, Thailand und die Philippinen an, und auch wenn es hier nicht um Medaillen geht, spürt man den gleichen Ehrgeiz wie in den großen Hallen. Für die Veranstalter ist es ein idealer Testlauf, um zu sehen, welche Genres sich vielleicht bald dauerhaft im Programm wiederfinden könnten.