Dev Update: League of Legends startet neu und größer

Linda Güster
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Inhaltsverzeichnis
  1. Rollen bekommen Verantwortung – nicht nur Gold
  2. Demacia als Haltung, nicht nur als Theme
  3. Shyvana kommt – und sie kommt richtig
  4. Demacia Rising denkt Metagame neu
  5. ARAM: Mayhem bleibt – und wird größer gedacht
  6. Schluss mit Lobby-Geiselnahmen
  7. Skins zwischen Stil und Eskalation
  8. Esport: Mehr Spiele, mehr Entscheidungen
  9. Kein League 2 – aber etwas Größeres
Dev Update
Image credit: Riot Games

Wenn League of Legends in eine neue Season geht, bedeutet das selten nur Balance-Änderungen oder ein paar frische Skins. Season One fühlt sich anders an. Nicht lauter, nicht radikaler – sondern strukturierter. Wie ein bewusster Neustart, bei dem Riot weniger über einzelne Features spricht und mehr darüber, wo das Spiel langfristig hinwill.

Paul “Pabro” Bellezza und Andrei “Meddler” van Roon machen im ersten Dev Update schnell klar, was Spieler erwartet, sobald sie einloggen. Alles geht schneller. Champion Select, erste Minions, Jungle-Spawns. Weniger Leerlauf, mehr Spiel. Dazu kommen neue Systeme wie Faelights für temporäre Vision-Zonen, neue und zurückkehrende Items sowie Crystalline Overgrowth, eine neue Tower-Mechanik, die sich bewusst an Demolish anlehnt, ohne es zu kopieren.

Gleichzeitig räumt Riot auf. Atakhan, Blood Roses, Feats of Strength – raus. Die verbleibenden Epic Objectives wie Baron und Drachen werden dafür spürbar stärker. Weniger Systeme, mehr Gewicht pro Entscheidung. Es ist ein wiederkehrendes Motiv dieses Updates: Vereinfachen, ohne zu verflachen.

Rollen bekommen Verantwortung – nicht nur Gold

Eine der auffälligsten Änderungen betrifft die Lanes selbst. Top, Mid und Bot bekommen eigene Rollen-Quests, ähnlich denen von Jungle und Support. Fortschritt entsteht nicht nur durch Kills, sondern durch Minions, Tower, Objectives und Teamplay. Wer seine Quest abschließt, bekommt keine kosmetische Belohnung, sondern echte Macht.

Toplaner erhalten ein höheres Level-Cap und einen kostenlosen Teleport. Midlaner bekommen Tier-3-Boots und einen verstärkten Recall. Botlaner profitieren von mehr Gold und sogar einem siebten Item-Slot. Es sind Belohnungen, die klar sagen: Deine Rolle soll sich anders anfühlen, nicht nur stärker.

Damit verschiebt sich auch der Blick auf Verantwortung. Lane-Spiel ist nicht mehr nur Frühphase oder Scaling – es ist ein Pfad mit klaren Zielen. Riot zwingt niemanden, aber lenkt spürbar.

Demacia als Haltung, nicht nur als Theme

Thematisch setzt Season One auf Einheit, Gerechtigkeit und Ordnung. Kurz gesagt: Demacia. Summoner’s Rift bekommt ein Demacia-Reskin mit Petricite-Türmen, goldenen Akzenten und kleinen Easter Eggs, die Fans entdecken dürfen, statt sie erklärt zu bekommen. Dazu kommen Motion Comics über die Season hinweg, die die Geschichte aus dem Start-Cinematic weitertragen.

Der Fokus liegt dabei nicht auf Bombast, sondern auf Kontinuität. Riot will, dass sich die Season wie ein zusammenhängendes Kapitel anfühlt – nicht wie lose Events.

Shyvana kommt – und sie kommt richtig

Der emotionale Kern dieses Updates gehört Shyvana. Nach Jahren des Wartens bekommt sie nicht nur ein visuelles Update, sondern ein Gameplay-Rework auf dem Niveau von Dr. Mundo oder Volibear. Ihre Identität bleibt erkennbar, aber ihr Kit wird neu verbunden.

Fury ist wieder zentral. Fähigkeiten, Champion-Takedowns, Kanonen und Monster füllen die Leiste. Ist sie voll, wird Shyvana nicht einfach stärker – sie wird tatsächlich zum Drachen. Ihre Ult transformiert sie vollständig und lässt sie Feuer über das Schlachtfeld speien. Ihre Passive verstärkt defensive Werte und maximales Fury, je aktiver sie im Spiel ist.

Wichtig dabei: Riot positioniert sie klar als Bruiser. Mage-Builds bleiben möglich, aber nicht mehr im Fokus. Shyvana soll sich im Kern kraftvoll, präsent und nah am Kampf anfühlen – nicht als Poke-Tool am Rand. Der Rest ihres Kits wird bewusst zurückgehalten. Act II soll der Moment sein, in dem Spieler selbst urteilen.

Demacia Rising denkt Metagame neu

Mit Demacia Rising startet ein Metagame, das nicht nebenbei existiert, sondern sich über die Season hinweg entwickelt. Spieler erleben den Aufstieg Demacias aus der Perspektive einer jungen Lux, die von Tianna Crownguard in Politik, Geschichte und Strategie unterrichtet wird.

Statt Zeitdruck setzt Riot auf Flexibilität. Städte bauen, Forschung freischalten, Champions rekrutieren – alles in eigenem Tempo. Kämpfe können automatisch abgehandelt werden, wer mehr Zeit investiert, bekommt zusätzliche Battle-Pass-EP. Es ist ein Metagame, das nicht bestraft, wenn man wenig spielt, sondern belohnt, wenn man mehr will.

Man spürt hier deutlich, dass Riot aus früheren Metagames gelernt hat. Kein Zwang, kein schlechtes Gewissen, kein „du musst jetzt 30 Minuten investieren“.

ARAM: Mayhem bleibt – und wird größer gedacht

ARAM: Mayhem hat sich schneller etabliert, als viele erwartet haben. Die chaotischen Augments, das absurde Tempo, das Gefühl, dass nichts davon ernst gemeint sein muss – all das hat einen Nerv getroffen. Riot reagiert darauf nicht mit einem Abbau, sondern mit Verlängerung.

Der Modus bleibt bestehen, ein größeres Update ist bereits angekündigt. Details gibt es später. Aber allein die Entscheidung, Mayhem nicht als Event zu behandeln, sondern als festen Bestandteil, sagt viel darüber aus, wie Riot alternative Spielweisen inzwischen bewertet.

Schluss mit Lobby-Geiselnahmen

Abseits von Gameplay nimmt sich Riot ein Thema vor, das Spieler seit Jahren frustriert: Lobby-Trolling. Intentionale Drohungen, bewusstes Sabotieren im Champion Select, das Gefühl, entweder dodgen zu müssen oder Zeit zu verlieren.

In ausgewählten Regionen startet ein System, das genau hier eingreift. Wenn Lobbys durch eindeutige Signale – etwa angekündigtes Inting oder offensichtlich destruktive Picks – als „gehalten“ erkannt werden, können sie beendet werden. Spieler kehren in die Queue zurück, ähnlich wie bei einem Dodge, ohne Zeitverlust.

Riot bleibt bewusst vage bei den Details, um Missbrauch zu verhindern. Off-Meta-Picks sollen weiterhin möglich sein, man setzt auf Monitoring und manuelle Reviews. Der Fokus liegt klar auf Verhalten, nicht auf Kreativität.

Skins zwischen Stil und Eskalation

Auch kosmetisch wird es abwechslungsreich. Battle Academia kehrt zurück, dazu kommt eine neue Mecha-Interpretation mit Aegis Frame Galio als Highlight. Lunar Revel bringt Firecracker zurück und ergänzt es mit Petals of Spring, einer eleganten, ruhigeren Linie in Zusammenarbeit mit Wild Rift.

April Fools wird erneut themenlos-chaotisch, inspiriert von allem zwischen Ballontieren und Stonks. Später folgt eine dunklere Demacia-Phase sowie ein neues First-Stand-Thema, das Road Warrior neu interpretiert – mit mehr Fantasy, mehr Kante und ein bisschen Werwolf-Energie.

Prestige-Skins für Morgana, später Sona und Mordekaiser, Mythic Variants für Aurelion Sol und Master Yi sowie Exalted Revenant Reign Viego runden das Line-up ab. Die Victorious-Skin geht an Braum – unabhängig vom Rang, solange genug Spiele absolviert werden.

Esport: Mehr Spiele, mehr Entscheidungen

Auch der kompetitive Bereich bekommt Feinschliff. Das erste globale Event, First Stand, findet in São Paulo statt und bringt acht Teams aus allen großen Regionen zusammen. Best-of-Five-Serien, mehr Spiele, mehr Anpassung unter Druck.

Mit Blick auf Drafts führt Riot ein neues Konzept ein: First Selection. Side Selection und First Pick werden entkoppelt. Teams wählen entweder Seite oder Pick-Reihenfolge, der Gegner bekommt den Rest. Ziel ist mehr strategische Freiheit und weniger festgeschriebene Vorteile.

Fearless Draft bleibt bestehen, wird aber durch diese Entscheidungsebene ergänzt, nicht ersetzt.

Kein League 2 – aber etwas Größeres

Am Ende des Updates spricht Riot über das, was nach dieser Season kommt. Ein League of Legends 2 wird es nicht geben. Stattdessen arbeitet ein Großteil des Teams an umfassenden Veränderungen: ein komplett neuer, integrierter Client, eine visuell überarbeitete Kluft, Anpassungen an Runen und Pre-Game-Entscheidungen sowie ein grundlegend verbessertes New-Player-Erlebnis.

Noch ist nichts davon bereit für eine Präsentation. Aber die Richtung ist klar. League soll nicht neu erfunden werden – sondern neu gedacht.

Season One ist damit weniger ein lauter Neustart als ein Statement. Weniger Systeme, mehr Bedeutung. Weniger Zwang, mehr Entscheidung. Und vor allem das Gefühl, dass League of Legends nicht stehen bleibt, sondern sich bewusst weiterentwickelt.

Linda Güster

Journalistin
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Linda Güster ist leidenschaftliche Gamerin und als Teil des Freelance-Teams bei ESI immer am Puls der eSports-Szene. Ob knallharte Dota 2-Matches, nervenaufreibende Survival-Abenteuer in Subnautica oder entspannte Stunden mit Cozy Games wie Stardew Valley — sie liebt die ganze Bandbreite des Gaming-Universums. Abseits davon bringt sie als Software-Entwicklerin und Freelancerin ihr Können in die Welten von Technologie, Mode, Finanzen und iGaming ein, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und spannenden Projekten.
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