Als der Esports World Cup sein finales Spiele-Line-up für 2026 veröffentlicht hat, war schnell klar, was fehlt. StarCraft II ist nicht dabei. Nach zwei Jahren Präsenz beim Multi-Title-Event fällt der RTS-Klassiker komplett aus dem Programm – und mit ihm gleich das gesamte Genre. Stattdessen schließt Trackmania die Liste ab. Für viele in der Szene fühlt sich das weniger nach einer Programmänderung an, sondern nach einem echten Einschnitt.
Ein Loch im Kalender – und im Genre
Mit dem Wegfall von StarCraft II bleibt beim Esports World Cup 2026 kein einziges Echtzeitstrategiespiel übrig. Für eine Szene, die ohnehin seit Jahren mit schrumpfenden Strukturen kämpft, ist das mehr als nur ein symbolischer Verlust. Gerade die EWC-Auftritte in den vergangenen beiden Jahren hatten eine Lücke gefüllt, die andere Veranstalter zuvor hinterlassen hatten.
Als ESL im Frühjahr den Stecker beim Pro Tour zog, war das für viele Profis und Fans ein Warnsignal. Große, international sichtbare Turniere sind im StarCraft-Kosmos rar geworden. Der Esports World Cup war eines der wenigen Events, das Reichweite, Preisgeld und Aufmerksamkeit vereint hat.
Frust aus der Community
Entsprechend deutlich fallen die Reaktionen aus. Kommentatoren, Spieler und Fans äußerten sich offen frustriert. In den sozialen Netzwerken war von einem „schweren Schlag“ für die Szene die Rede. Einige Fans gingen noch weiter und erklärten offen, dass sie den Esports World Cup ohne StarCraft II nicht mehr verfolgen wollen – selbst bei einem Line-up von über 20 Titeln.
Diese Reaktionen zeigen weniger Ablehnung gegenüber dem Event selbst, sondern vielmehr die Angst, dass StarCraft II weiter aus dem internationalen Rampenlicht gedrängt wird. Für viele war die Präsenz beim EWC ein Zeichen, dass das Spiel noch dazugehört.
Eine andere Perspektive auf den Rückzug
Nicht alle Stimmen sehen das Aus jedoch ausschließlich negativ. Aus der Content-Creator-Ecke kommt auch eine nüchternere Einordnung. Der Fokus auf ein einziges Mega-Event habe in den letzten Jahren andere Turniere verdrängt und Strukturen geschwächt. Ohne StarCraft II beim Esports World Cup könnte sich der Blick wieder stärker auf kleinere Events, Community-Turniere und regionale Formate richten.
Das ist kein Trostpreis, aber eine mögliche Chance. Gerade StarCraft II lebt seit jeher von engagierten Veranstaltern, Graswurzelprojekten und einer Community, die auch ohne große Publisher-Strukturen funktioniert.
Wie es für StarCraft II weitergeht
Ganz still wird es im Jahr trotzdem nicht. Der Turnierkalender füllt sich langsam mit neuen und bestehenden Formaten. Das nächste größere Event steht bereits an: der Rongyi Cup S3 in Shanghai, bei dem 16 internationale Top-Spieler in Online- und Offline-Matches um ein stattliches Preisgeld antreten.
Solche Events werden 2026 entscheidend sein. Ohne den Esports World Cup fehlt ein globaler Fixpunkt, aber die Szene ist nicht tot. Sie ist kleiner, fragmentierter – und vielleicht wieder näher an ihren Wurzeln.
Der Ausschluss vom Esports World Cup tut weh, keine Frage. Gleichzeitig zwingt er StarCraft II dazu, sich neu zu organisieren. Ob das langfristig schadet oder sogar stärkt, wird sich nicht auf einer großen Bühne entscheiden, sondern in der Community selbst.