Sonys Regionssperre von „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ eint FGC

Nicole Mark
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Inhaltsverzeichnis
  1. Sony scheint Lektion aus „Helldivers 2“ vergessen zu haben
  2. FGC wehrt sich, aber genügt das?
  3. Regionssperre von „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ könnte in Wettkampfszene für Chaos sorgen
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Sony erlebt in den letzten Tagen eine regelrechte Flut an negativer Presse, nachdem das Unternehmen angekündigt hat, die Produktion von Spiel-Discs für seine Konsolen vollständig einzustellen. Das derzeit größte Problem für Sony dürfte jedoch die Regionssperre von „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ in über 130 Ländern sein, wie SteamDB berichtet.

Das Problem ist derart gravierend, dass es die Fighting-Game-Community (FGC) vereint hat – eine Community, die sonst für interne Streitigkeiten und Debatten darüber bekannt ist, welches Spiel nun wirklich das beste Kampfspiel ist. Was genau ist hier also los?

Sony scheint Lektion aus „Helldivers 2“ vergessen zu haben

Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Entwickler Arc System Works nichts mit der Regionssperre von „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ zu tun hat. Die Entwickler sind seit Ende der 90er Jahre in der FGC aktiv und haben großartige Kampfspiele wie „Guilty Gear“, „BlazBlue“ und „Dragon Ball FighterZ“ produziert. Letzteres ist besonders wichtig, da es in dieselbe Kategorie fällt wie „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ – ein Entwickler, der eine bestehende IP nutzt, um daraus ein Kampfspiel zu entwickeln.

Was genau ist also die „Lektion aus Helldivers 2“? Sony war nach heftigen Reaktionen der Spieler seinerzeit gezwungen, alle Regionssperren für seine PC-Spiele aufzuheben. Es begann damit, dass Sony 2024 ankündigte, Spieler würden für das Spiel ein PlayStation-Konto benötigen, um sich anzumelden.

Als die „Helldivers 2“-Spieler davon erfuhren, begannen sie, das Spiel mit negativen Bewertungen zu überhäufen, was das Unternehmen schließlich dazu zwang, die Beschränkungen nicht nur für „Helldivers 2“, sondern auch für andere auf dem PC verfügbare Spiele von Sony-Studios etwas mehr als ein Jahr später aufzuheben. Erwähnenswert ist auch, dass sich Arrowhead Studios, die Entwickler von „Helldivers 2“, während der Kontroverse entschuldigten, obwohl die Entscheidung, das Spiel regional zu sperren, ausschließlich bei Sony lag.

Nun versucht Sony mit „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ erneut, eine Situation wie bei „Helldivers 2“ zu schaffen. Als ehemalige Eigentümer von Evo ist es nicht nachvollziehbar, was in den Köpfen vorgeht, wenn das Spiel in der Weise gestaltet wird. Das Unternehmen sollte wissen, dass Kampfspiele eine universelle Sprache eint. Und selbst wenn die Spieler nicht dieselbe Sprache sprechen, versteht jeder die Frustration, ins Spiel einzusteigen und fünf Mal hintereinander von Guiles Flash-Kick getroffen zu werden.

Vor diesem Hintergrund wehrt sich die FGC zwar, Bedenken bleiben jedoch bestehen.

FGC wehrt sich, aber genügt das?

Die Situation bei „Helldivers 2“ hat sich dank der schieren Anzahl an Nutzern geklärt, die sich gegen das Unternehmen gewehrt haben. Ironischerweise dreht sich bei „Helldivers 2“ alles um die Verbreitung der Demokratie, wenn ein Unternehmen ein Spiel jedoch regional sperrt, ist das weit entfernt jeglicher demokratischen Entscheidung. Das Problem, um das es hier geht, sind Zahlen.

Es ist richtig, dass die Spielerzahlen bei Kampfspielen nicht mit denen von Ego- oder Third-Person-Shootern mithalten können. „Helldivers 2“ hatte in seiner Blütezeit allein auf Steam fast eine halbe Million Spieler. „Street Fighter 6“, das derzeit beliebteste Kampfspiel, hatte laut SteamDB in seiner populärsten Phase nur etwa 76.000 Spieler. Das ist nur ein Bruchteil der Spieler, die „Helldivers 2“ hatte.

Hat die FGC genug Einfluss oder Macht, um einen riesigen Konzern wie Sony zu überzeugen? Top-Spieler wie Justin Wong und Michael „Yipes“ Mendoza sprechen das Problem offen an. Reicht das jedoch aus? Die größte Stärke der FGC besteht darin, dass das Spiel speziell für die Community entwickelt wurde. Diese Community verfügt allerdings nicht über denselben Spielerpool wie andere Genres.

Einige Fans haben, nachdem sie erfahren haben, dass das Spiel regional gesperrt sein würde, gezögert, es zu kaufen. Da die Spielerzahlen in der FGC ohnehin schon ein Problem darstellen, sind die Spieler vorsichtig, in ein weiteres Kampfspiel zu investieren, das im schlimmsten Fall nach ein paar Monaten oder im besten Fall nach einem Jahr wieder in Vergessenheit geraten könnte. Auch wenn das zunächst nicht vorteilhaft klingt, ist diese Tatsache dennoch die größte Waffe der FGC gegen Sony.

Die FGC mag über einen begrenzten Spielerpool verfügen – und Unternehmen wollen ihre Gewinne maximieren. Wenn dies jedoch Sonys Absicht ist, gibt es für das Unternehmen keinen Grund, das Spiel regional zu sperren.

Nun wird darüber gesprochen, den Start zu boykottieren und mit geschlossenen Geldbeuteln zu protestieren, es wurde jedoch gleichzeitig auch eine Petition gestartet, um Sony klar zu machen, dass das Spiel für alle Spieler verfügbar sein sollte, die es spielen möchten.

Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels steht die Petition kurz davor, 2.000 Unterschriften gesammelt zu haben.

Regionssperre von „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ könnte in Wettkampfszene für Chaos sorgen

Marvel Tokon
Foto: Ray Codera / Esports Insider

Sollte „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ mit weiterhin bestehender Regionssperre erscheinen, wäre dies möglicherweise das erste moderne Kampfspiel, das auf diese Weise veröffentlicht wird.

Damals, als Arcade-Automaten die erste Wahl für Kampfspiele waren, hatte Japan bei Turnieren meist einen Vorteil, da die Automaten dort zuerst auf den Markt kamen. In den Vereinigten Staaten waren sie erst einige Monate später erhältlich, im schlimmsten Fall dauerte es sogar Jahre. Diese Praxis war auch bei Veröffentlichungen für Heimkonsolen üblich, wobei Spiele wie „Tekken 4“ zunächst in Japan für die PlayStation 2 erschienen. Die Versionen für Nordamerika und Europa folgten sechs Monate später.

In den letzten Jahren haben die Entwickler von Kampfspielen auf weltweite gleichzeitige Veröffentlichungen umgestellt, um sicherzustellen, dass alle Teilnehmer und Spieler unter gleichen Bedingungen starten. Allerdings könnte Sony diesmal andere Pläne haben. Es ist nicht nachvollziehbar, warum das Unternehmen derart darauf besteht, für alle seine Spiele ein PlayStation-Konto zu verlangen, obwohl der Dienst nicht in allen Ländern verfügbar ist.

Sollte „Marvel Tōkon: Fighting Souls“ in seiner jetzigen Form erscheinen, würden die Fighting-Game-Communities derjenigen, die vom Spielstart ausgeschlossen sind, im Wettbewerb hinter denen zurückbleiben, die das Spiel bereits seit dem Start spielen. Bei Turnieren herrschte bereits Empörung, als die Wettbewerbsintegrität von 2XKO in Frage gestellt wurde, weil bei einem bestimmten Turnier Beta-Tester Champions spielen durften, die der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich waren.

Und dabei handelte es sich nur um ein paar Spieltest-Stunden, maximal Spieltest-Tage.

Es ist kaum absehbar, wie sich diese Situation entwickeln wird. Die Petition findet große Beachtung, die Top-Spieler äußern ihre Enttäuschung über Sonys Entscheidung lautstark.

Marvel lag der FGC schon immer am Herzen. „Marvel vs. Capcom 2“ ist ein in der Community sehr beliebtes Spiel und gilt weithin als eines der besten Kampfspiele, die je entwickelt wurden. Der neuen Generation ein neues Marvel-Spiel vorzuenthalten, wäre daher unentschuldbar.

Die Chancen für eine Sony-Ankündigung stehen gut, das Spiel in allen Regionen zugänglich zu machen. Das Unternehmen wird seine Gewinne zweifelsohne maximieren wollen und eine Veröffentlichung in allen Regionen ist der beste Weg, dieses Ziel zu erreichen. Das steigert nicht nur den Umsatz, die Unterstützung durch große Namen in der FGC macht es zudem unmöglich, das Thema zu ignorieren. Ein weiterer Grund zur Hoffnung: Selbst wenn das Spiel in einer bestimmten Region nicht erhältlich ist, ist seine Stream-Seite dennoch zugänglich.

Vor diesem Hintergrund können alle Nutzer zuversichtlich sein, das Spiel bereits vom ersten Tag an spielen zu können.

Nicole Mark

Autor
Nicole arbeitet nach ihrem Studium der Germanistik, Kunst- und Filmgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg bereits seit 2013 als freiberufliche Content Managerin, Übersetzerin und Texterin . Zudem ist sie als Designerin und WP,- Audio- und Video-Editorin tätig und betreut Personen des öffentlichen Lebens als PR- und Marketing-Managerin. Für Esportsinsider sorgt Nicole dafür, dass unsere Guides und Artikel auch für deutsche Leser präzise, verständlich und leserfreundlich sind.
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