Zweiter Tag, nächste Eskalationsstufe. Die IEM Cologne 2025 hat am Samstag an Tag 2 gezeigt, warum sie als das „Wimbledon des Esports“ gilt – und das lag nicht nur an den Spielen. Die Lanxess-Arena war am Halbfinaltag bis auf den letzten Platz gefüllt, die Fans standen schon mittags Schlange, um ihre Lieblingsspieler zu sehen, Autogramme zu ergattern oder einfach nur ein Foto mit Bob zu machen, der live durch die Halle streifte und FACEIT-Premium-Codes verteilte.
Rundherum war die Messefläche in vollem Betrieb: Wer sich zwischen den Matches treiben ließ, konnte bei Knorr die neuen Snackpot-Sorten probieren, im 2v2 gegen Team BIG antreten, bei ZOWIE das Equipment testen oder bei DHL den EffiBot bewundern. Wer wollte, konnte sich sein persönliches Kolex-Kartenset sichern oder sich im ESL-Shop endlich das Trikot holen, das im Warenkorb seit Wochen wartet.
Und über allem lag eine Stimmung, wie man sie sonst nur aus Stadien kennt. Euphorie, Nervosität, Erwartung – und am Ende zwei Halbfinals, die es in sich hatten. Zwei Teams, zwei Geschichten, ein Ziel: das Finale am Sonntag.
Spirit ringt NAVI nieder – donk dominiert erneut
Das erste Halbfinale zwischen NAVI und Team Spirit wurde zur Revanche mit Ansage – und zur nächsten Glanzvorstellung von Danil „donk“ Kryshkovets, dem wahrscheinlich aufregendsten Spieler der aktuellen CS2-Saison.
Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus. Auf Mirage legte NAVI einen Traumstart hin: makazze wirkte wach, Aleksib koordinierte stark, und schon nach wenigen Runden stand es 7:1. In der Halle brodelte es. Doch dann kam der Bruch – und der Name donk fiel plötzlich auf jeder Tribüne. Mit einem Ace auf dem A-Spot kippte das Spiel komplett. NAVI verlor Momentum, Spirit gewann Selbstvertrauen. Am Ende ging die Map mit 13:11 an Spirit – ein Nackenschlag, denn es war NAVIs Pick.
Nuke wurde dann zum Gegenschlag. NAVI dominierte, makazze spielte erneut stark, und selbst donk konnte sein Team diesmal nicht tragen. 13:9 – alles wieder offen. Doch Ancient wurde zur One-Sided-Affäre: Spirit ging früh mit 10:0 in Führung, NAVI fand kaum noch Zugriff, und obwohl b1t noch mit einem späten Clutch kämpfte, war das Spiel längst entschieden. Spirit holte die Map mit 13:7 – und damit das Finalticket. Zum ersten Mal überhaupt steht das Team im Grand Final von Köln.
MOUZ beendet die Vitality-Ära – und schreibt Geschichte
Im zweiten Halbfinale standen sich MOUZ und Titelverteidiger Vitality gegenüber – und die Ausgangslage war klar: sieben Siege in Folge für Vitality gegen die Hamburger Organisation, keine einzige verlorene Bo3-Serie in 2025. Doch der Samstagabend schrieb eine andere Geschichte.
Schon auf Mirage wurde deutlich: MOUZ war bereit. flameZ und ropz setzten zwar frühe Akzente, aber MOUZ konterte mit einer dominanten zweiten Hälfte. Besonders auffällig: der Bruch bei Vitality. ZywOo, sonst das Rückgrat, blieb mit nur 8 Kills bei 19 Toden weit unter seinen Möglichkeiten. Es war seine statistisch schlechteste Map seit fast drei Jahren. MOUZ nutzte das eiskalt – 13:9.
Train sollte Vitalitys Rettung werden. Doch MOUZ ließ nicht locker. Angeführt von Brollan und Spinx zeigte das Team mentale Stärke, nutzte jede Lücke und holte sich mit einem 13:8 den zweiten Map-Sieg – und damit den Einzug ins Finale. Die Serie von sieben Titeln in Folge ist vorbei. Vitality ist raus. Und MOUZ ist im Endspiel.
Das letzte Mal, dass eine deutsche Organisation im Finale der IEM Cologne stand, war 2018 mit dem BIG Clan. Jetzt ist MOUZ da – und könnte sich heute, am Sonntag in der Cathedral of Counter-Strike unsterblich machen.