Bei Activision Blizzard formiert sich eine neue Welle gewerkschaftlicher Organisation. Rund 400 Mitarbeiter:innen aus der Abteilung Platform & Technology haben sich für den Beitritt zur Communications Workers of America (CWA) entschieden. Damit stärken sie den Rücken einer Bewegung, die in der Games-Branche immer sichtbarer wird.
Gewerkschaft für die Plattform hinter dem Esport
Zu den neu organisierten Teams zählen Ingenieur:innen, Designer:innen und Support-Mitarbeiter:innen, die für Battle.net arbeiten. Das ist das Herzstück von Blizzards Online- und Esport-Infrastruktur, über das Titel wie Overwatch 2, Hearthstone und StarCraft II laufen. Die Abstimmung fand sowohl über digitale Portale als auch per Unterschriftenkarten statt, mit Repräsentanz in den CWA-Ortsverbänden in Irvine (Kalifornien) und Austin (Texas).
Microsoft hat die Bildung der Gewerkschaft bereits offiziell anerkannt. Der Schritt kam kurz vor dem Auslaufen des Neutralitätsabkommens zwischen Microsoft und der CWA. 2022 wurde dies im Zuge der Übernahme von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden US-Dollar unterzeichnet worden. Es erleichtert Angestellten den Weg zur gewerkschaftlichen Organisation – ein Präzedenzfall für die Tech- und Spielebranche.
„Ich bin seit fast 20 Jahren bei Blizzard und habe so viele großartige Kolleg:innen kommen und gehen sehen – meist aus Gründen, die vermeidbar gewesen wären“, sagte Daniel Weltz, Principal Software Engineer und Mitglied des Organisationskomitees. „Unsere Kultur sind die Menschen, und die dürfen wir nicht verlieren.“
Reaktion auf Entlassungen und Umbrüche
Der Schritt fällt in eine Zeit, in der Microsofts Gaming-Sparte erhebliche Umstrukturierungen erlebt. Erst im Januar wurden fast 1.900 Stellen gestrichen. „Nach all den Entlassungen wollten wir mehr Kontrolle über unsere Arbeitsbedingungen, um das Leid bei künftigen Kürzungen zu verringern“, erklärte Alex Kohn, Senior Data Scientist und Mitglied des Komitees.
Jason Justice, Präsident der CWA-Ortsgruppe in Irvine, ordnete die Entwicklung ein: „Mit jeder neuen Blizzard-Einheit, die sich organisiert, wird Kalifornien immer stärker zum Testfeld für Machtstrukturen in der Tech- und Videospielindustrie. Hier verschiebt sich das Selbstverständnis – von Leidenschaft allein hin zu Stärke durch Solidarität.“
Ein Signal für die gesamte Branche
Themen wie Arbeitsplatzsicherheit und faire Bezahlung standen im Zentrum der Bewegung. Mehrere Angestellte berichteten von Kolleg:innen, die aufgrund von Entlassungen, stagnierenden Löhnen oder fehlenden Rücksichtnahmen auf individuelle Bedürfnisse das Unternehmen verlassen hätten.
Parallel zur erfolgreichen Abstimmung wurde außerdem die Gründung der United Videogame Workers-CWA (UVW-CWA) bekannt gegeben. Das ist eine neue Dachorganisation, die Beschäftigte aus der gesamten Gaming-Industrie vertreten soll, unabhängig von Arbeitgeber oder Vertragsstatus.
Die Unionisierung bei Activision Blizzard zeigt, dass sich auch im Gaming-Ökosystem die Kräfteverhältnisse verschieben. Wo einst Leidenschaft das Hauptargument war, fordern Beschäftigte nun Mitbestimmung – und setzen damit ein deutliches Zeichen für die Zukunft der Branche.