Was eigentlich ein freundliches Meet & Greet hätte sein sollen, endete für Streamerin Emily-Beth „Emiru“ Schunk mit einem Schockmoment. Auf der TwitchCon am 17. Oktober wurde sie von einem Mann auf der Messe angegriffen – ein Moment, der auf Video festgehalten wurde und nun erneut die Sicherheitslage bei Twitch-Events infrage stellt.
Ein Vorfall, der nicht hätte passieren dürfen
Das Video, geteilt von Streamer shenAndygans auf X, zeigt, wie ein großer Mann auf Emiru zugeht, sie in eine heftige Umarmung zwingt und versucht, sie zu küssen. Sekunden später greift ihr eigener Sicherheitsmann ein, reißt den Täter von ihr los und schiebt ihn aus dem Bereich. Der Mann entfernt sich unbehelligt in die Menge.
Twitch reagierte am Folgetag mit einer Stellungnahme: Der Vorfall sei „vollkommen inakzeptabel und zutiefst verstörend“. Der Angreifer sei lebenslang von Twitch, der Veranstaltung und künftigen Events ausgeschlossen worden. Außerdem habe man die Sicherheitsmaßnahmen bei Meet & Greets verstärkt.
„Ich bin noch wütender über Twitchs Verhalten danach“
Einige Stunden später meldete sich Emiru selbst zu Wort – und machte deutlich, dass sie der Plattform nicht glaubt. „Ich bin natürlich erschüttert über das, was passiert ist, und es ist nicht das erste Mal, dass ich so etwas erlebe“, schrieb sie. „Aber ehrlich gesagt bin ich viel verletzter und wütender darüber, wie Twitch damit umgegangen ist – währenddessen und danach.“
Besonders hart kritisiert sie Twitchs Darstellung, der Täter sei „sofort“ festgesetzt worden. „Das ist eine glatte Lüge“, so Emiru. Im Video sei klar zu sehen, dass der Mann einfach weggehen konnte. „Er durfte von meinem Meet & Greet wegspazieren, und ich habe erst Stunden später gehört, dass er gefasst wurde“, erklärte sie. „Und ehrlich – es fühlte sich so an, als wäre das nur passiert, weil mein Manager Druck gemacht hat, nicht, weil das TwitchCon-Personal es ernst genommen hätte.“
Laut Emiru habe sich nach dem Angriff kein:e Verantwortliche:r von TwitchCon bei ihr gemeldet. Aufnahmen, die der Account @Awk20000 teilte, zeigen zudem, dass sie trotz Sicherheitsbedenken am Meet & Greet festhielt. In dem Clip sagt sie: „Ich habe mein Meet & Greet beibehalten, weil ich meine Show weitermachen wollte.“ Hintergrund sei ihr Vertrag mit TwitchCon gewesen – eine Absage des Meet & Greets hätte auch die Streichung ihres Bühnenauftritts bedeutet.
Alte Warnungen, neue Enttäuschungen
Der Vorfall ist kein Einzelfall. Bereits im März wurden Emiru, Valkyrae und Cinna während eines Livestreams gestalkt und bedroht – inklusive Todesdrohungen. Und schon vor dieser TwitchCon hatten bekannte Streamerinnen wie Valkyrae, Pokimane oder QTCinderella offen über ihre Sorgen gesprochen, auf dem Event aufdringlichen oder gefährlichen Zuschauern zu begegnen.
Dass Twitch trotz dieser Warnungen nicht ausreichend vorgesorgt hat, ist schwer nachvollziehbar. Emirus deutliche Kritik und das öffentliche Echo zeigen, dass die Plattform ihr Sicherheitsversprechen für Creator:innen künftig mit konkreten Taten untermauern muss – sonst droht der Vertrauensbruch dauerhaft zu bleiben.