GG & Away: Paris – Wo Gaming auf Glanz trifft

Linda Güster
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Inhaltsverzeichnis
  1. Die Stadt als Spielwelt
  2. Ein Tag, der zur Erinnerung wurde
  3. Nächte, die bleiben
  4. Wo Paris für Gamer lebt
  5. Zwischen Croissants und Cosmos
  6. Ein Abschied in Gold
GG & Away Paris: Macarons und Summoners War? Besser gehts nicht.
Image credit: Linda Güster / Esports Insider Illustration

Paris hat in diesen Tagen geleuchtet. Die Seine glitzerte, die Straßen funkelten, und irgendwo zwischen all dem lag La Seine Musicale, die futuristische Glasinsel, auf der die Summoners War World Championship 2025 stattfand. Ich war einige Tage in Paris, und selten hat sich ein Event so sehr nach einem Erlebnis angefühlt. Nicht nur, weil die Matches spektakulär waren, sondern weil Paris selbst zur Bühne wurde.

Die Stadt als Spielwelt

Ich kam vormittags an, als die Sonne gerade durch die Herbstwolken brach. Der Wind roch nach Bäckerei, nach Kaffee, nach Asphalt. Paris im Spätherbst hat dieses goldene Licht, das selbst eine U-Bahnstation irgendwie fotogen macht. Auf dem Weg zum Hotel dachte ich an Hamburg – an Wasser, Hafen, Franzbrötchen – und merkte, dass Paris ganz anders funktioniert. Wo Hamburg dich umarmt, zieht Paris dich hinein. Lauter, dichter, älter, aber voller Rhythmus.

In der Mitte des Trips ging’s endlich Richtung La Seine Musicale. Das Gebäude liegt auf einer kleinen Insel in der Seine, rundherum Wasser, Brücken, Lichter. Als ich ankam, warteten schon Fans mit Bannern, Gildenshirts und bemalten Pappschildern in der Hand. Manche hatten kleine Geschenke für ihre Lieblingsspieler gebastelt, andere filmten schon beim Einlass. Es war diese Art von Aufregung, die man eher von Konzerten kennt, aber hier war sie leiser, wärmer, persönlicher.

Ein Tag, der zur Erinnerung wurde

Im Inneren der Venue war alles perfekt durchdacht. Keine Distanz, kein VIP-Getue – nur Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen. Schon am Vormittag verwandelte sich das Event in ein Fest. Fans spielten an kleinen Stationen Memory- und Reaktionsspiele, bastelten Banner, lachten miteinander. Auf den Fluren klang Musik, und wenn man hinaussah, spiegelte sich das Sonnenlicht auf der Seine.

Ich hatte das Gefühl, nicht über ein Event zu berichten, sondern Teil einer Geschichte zu werden. Jeder, der da war, brachte eigene Erinnerungen mit – und schuf neue. Eine Frau erzählte mir, dass sie über Summoners War ihren Mann kennengelernt hat; ein anderer, dass seine Eltern inzwischen besser ziehen als er selbst. Das klang nach Witz, war aber voller Stolz.

Und dann, als die Lichter später gedimmt wurden, begann dieses Finale, das sich anfühlte wie ein musikalischer Höhepunkt. Zwölf Spieler, vier Kontinente, ein Saal, der brodelte. Ich hatte Gänsehaut, als der vietnamesische Spieler Pu schließlich gewann – vier Siege, absolute Ruhe, keine Spur von Nervosität. Es war nicht nur der Moment des Siegers, sondern der, der Community. Diese Mischung aus Jubel, Lächeln und Tränen macht Esport und Gaming so menschlich.

Nächte, die bleiben

Als ich später draußen stand, die Seine unter mir glitzerte und das Publikum noch immer sang und klatschte, hatte ich diesen seltenen Moment, in dem alles passt. Paris war laut, lebendig, stolz – und trotzdem fühlte sich der Abend friedlich an. Später, im Uber zurück zum Hotel, leuchtete der Eiffelturm auf. Erst golden, dann glitzernd. Ich saß hinten, halb müde, halb glücklich, und dachte: Genau dafür mache ich das.

Wo Paris für Gamer lebt

Zwischen Event und Sightseeing wollte ich natürlich wissen, wie sich Paris für uns Gamer eigentlich anfühlt. Und ich kann sagen: Die Stadt hat mehr Esport im Blut, als man denkt.

Da ist zum Beispiel ESpot, gleich gegenüber vom Louvre – ein riesiger Gaming-Komplex mit 2.000 Quadratmetern, über 120 PCs, Dutzenden Konsolen, vier F1-Simulatoren und einer Arena für 150 Leute. Ich hab’s mir angeschaut, und es war ein bisschen, als würde man in eine Mischung aus Studio, Bar und High-Tech-Lab eintreten. Überall Bildschirme, Stimmen, Neon. Man kann dort einfach auftauchen, einen Drink bestellen, an einer Switch-Station Platz nehmen oder sich in die Rennsimulation setzen, die Alpine F1 mitgestaltet hat. Die Immersion ist irre – du spürst die Vibration, hörst die Motoren, und alles fühlt sich so real an, dass du vergisst, dass du mitten in Paris bist.

ESpot ist aber mehr als nur ein Ort zum Zocken. Es ist ein Treffpunkt. Ich hab dort Menschen getroffen, die einfach nach der Arbeit vorbeikommen, andere, die sich zum Scrim verabredet haben. Man merkt, dass hier Gaming Teil des Alltags ist – nicht versteckt, sondern selbstverständlich.

Gleich in der Nähe, im Viertel Les Halles, liegt die Reset Bar. Hier bekommst du mit jedem Drink den Zugang zu einer der alten Konsolen – NES, Dreamcast, PlayStation – alles da, alles spielbar. Es ist laut, bunt, herzlich. Neben mir diskutierten zwei Leute auf Französisch, über Mario Kart, während hinter der Theke „Street Fighter“ lief. So fühlt sich Feierabend an, wenn man Gaming wirklich liebt.

Und dann gibt’s noch Le Dernier Bar avant la fin du monde – „Die letzte Bar vor dem Ende der Welt“. Allein der Name. Ein bisschen nerdig, ein bisschen theatralisch, aber drinnen ist es ein Paradies. Vierhundert Quadratmeter voller Bücher, Figuren, Spiele, Poster, Getränke. Menschen lesen, spielen Brettspiele, diskutieren über Sci-Fi-Filme oder Star Wars. Es ist wie ein Wohnzimmer für die Popkultur – und einer der sympathischsten Orte, an denen ich je war.

Wer noch tiefer in die Szene eintauchen will, sollte sich rund um den Boulevard Voltaire umsehen. Zwischen Figurenläden, Mangaläden und Retro-Gameshops findet man dort die DNA der französischen Gamingkultur. Und nicht weit entfernt: V.Hive, das Zuhause von Team Vitality.

Ein gläserner Bau, modern und offen. Von außen leuchtet das Logo wie ein Signalfeuer, drinnen gibt’s Café, Shop, Gaming-Stations und Bootcamp-Area. Ich hatte leider keine Zeit vorbeizuschauen, denn montags haben sie geschlossen, aber solche Gaming-Mekkas kann man nur befürworten. Gaming als Teil des Alltags, nicht als Ausnahme.

Zwischen Croissants und Cosmos

Natürlich war ich auch essen. Und Paris enttäuscht da nicht.
Mein absolutes Highlight war das Stellar by Ephemera. Ein Restaurant, das sich anfühlt wie eine Reise durchs All. Überall Planeten, Lichtprojektionen, sphärische Musik – und dazwischen unfassbar gutes Essen. Die Gerichte changieren zwischen einer kulturell vielfältigen Küche und futuristischer Inszenierung. Ich hatte das Gefühl, in einem Science-Fiction-Level zu sitzen, aber mit echtem Geschmack. Es ist nicht super günstig, allerdings gibt es auch – gerade in Paris – deutlich teurere Restaurants, und ja, es ist jeden Cent wert.

Morgens lohnt sich ein Stopp bei La Maison d’Isabelle, wo die Croissants so butterweich und blättrig sind, dass du sie fast nicht festhalten magst, aus Angst, sie zu zerdrücken. Der Duft allein ist schon Grund genug, sich in die Schlange zu stellen. Du bist selten allein dort, aber das Warten gehört dazu – und wenn du den ersten Biss nimmst, verstehst du, warum.

Zum Lunch habe ich Ssang Bong Lo ausprobiert, ein kleines koreanisches Restaurant unweit des Eiffelturms. Ich hab selten so authentisch gegessen – frische Zutaten, faire Preise, und alles so liebevoll angerichtet, dass du dich kurz fragst, ob du wirklich noch in Frankreich bist.

Und weil man in Paris nicht einfach essen, sondern genießen muss, hab ich mir zum Abschluss ein paar Klassiker aufgehoben: abends den beleuchteten Eiffelturm, tagsüber den Louvre mit seinem Glasdach, und auf dem Weg dorthin einen Abstecher zur Notre-Dame und dem Panthéon. Natürlich. Ist ja schließlich Paris.

Ein Abschied in Gold

Das Event war großartig, die Taschen sind voll mit Erinnerungen und mein Handy jetzt voll mit viel zu vielen Fotos. Die Luft war kühl, der Himmel klar, und als ich im Uber Richtung Hotel saß, begann der Eiffelturm zu glitzern. Ich hab einfach nur zugesehen. Keine Musik, kein Scrollen, nur dieser Moment.

Paris hat mir wieder gezeigt, warum ich diese Reihe mache. Jede Stadt erzählt ihre eigene Geschichte – über Gaming, über Menschen, über das, was bleibt. In Hamburg war’s das Wasser, in Madrid die Sonne, und hier in Paris war’s dieses Funkeln.

Ein bisschen Esport, ein bisschen Magie. Und alles zusammen: einfach perfekt.

Linda Güster

Journalistin
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Linda Güster ist leidenschaftliche Gamerin und als Teil des Freelance-Teams bei ESI immer am Puls der eSports-Szene. Ob knallharte Dota 2-Matches, nervenaufreibende Survival-Abenteuer in Subnautica oder entspannte Stunden mit Cozy Games wie Stardew Valley — sie liebt die ganze Bandbreite des Gaming-Universums. Abseits davon bringt sie als Software-Entwicklerin und Freelancerin ihr Können in die Welten von Technologie, Mode, Finanzen und iGaming ein, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und spannenden Projekten.
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