Der asiatische Teil des Majors hat schon immer diese besondere Spannung. Man weiß nie genau, welche Version der Region man bekommt – die, die still und leise ein paar Favoriten aus dem Bracket schubst, oder die, die an einem harten Eröffnungstag scheitert. Dieses Jahr wirkt alles nochmal einen Tick unberechenbarer. Es ist, als würde die Region seit Monaten Anlauf nehmen.
FlyQuest und die letzte Hoffnung aus Ozeanien
Ozeanien hat nur einen Schuss, und der heißt FlyQuest. Die Rückkehr von jks hat dem Team spürbar gutgetan. Der Sieg bei BLAST Asia Rising in Ulaanbaatar war zwar ihr einziges Goldstück des Jahres, aber er hat gereicht, um viele der alten Diskussionen zu beenden: Diese Jungs können’s noch.
In Bukarest verpasste FlyQuest die Playoffs zwar knapp, aber die Siege gegen Fnatic und 3DMAX hingen ein bisschen länger nach als erwartet. Sechs Jahre ist es her, dass ein australischer Kern die Major-Playoffs erreichte, und der Gedanke, dass es ausgerechnet jetzt wieder passieren könnte, lässt in der Szene mehr als nur ein paar neugierige Blicke nach Budapest wandern.
China und der plötzliche Standardwechsel
China ist schon lange keine „Wildcard-Region“ mehr. Rare Atom, Lynn Vision, TYLOO – das sind Teams, die nicht mehr überrascht auftreten, sondern eher Teams, bei denen man irritiert ist, wenn sie mal einen Off-Tag haben.
Vor allem Lynn Vision hat dieses Jahr eine Duftmarke gesetzt. Beim Austin Major räumten sie NRG im Entscheidungsduell weg, sprangen durch Stage 2 und Stage 3 und wurden zum am höchsten platzierten chinesischen Team der Major-Geschichte. Und dann ist da noch TYLOO, das nach dem Sieg bei FISSURE Playground 1 plötzlich tief in den Top Ten der Regional Standings stand. Ja, es gab Formschwankungen, aber niemand, der die Region länger verfolgt, würde TYLOO einfach aus dem Major-Gespräch streichen.
Die MongolZ und die Frage nach der Form
Es sind die MongolZ, die im Moment den asiatischen Esport-Takt vorgeben. Zweiter beim Austin Major, Finals bei Bounty Season 2, ein Weltcup-Sieg, nochmal ein zweiter Platz bei FISSURE – das Team hat die halbe Saison damit verbracht, jeden Rekord zu jagen, der nicht bei drei auf dem Server war.
Dass sie Senzu kurz vor Budapest auf die Bank gesetzt haben, war einer dieser überraschenden Offseason-Moves, die erstmal die kompletten Twitter-Replys fluten. controlez hat schon bei IEM Chengdu und den BLAST Rivals Hoffnung angedeutet, aber er ist noch nicht in diesem Modus angekommen, den Senzu in großen Serien fast selbstverständlich lief.
Trotzdem bleibt das Team brandgefährlich. Mongolische Lineups haben dieses unangenehme Talent, sich wie ein Sturm durch internationale Brackets zu spielen, selbst wenn die Voraussetzungen alles andere als ideal sind. Ob sie gegen die europäische und amerikanische Formkurve mithalten können, wird wahrscheinlich das große Thema der Gruppenphase – und eines der Highlights dieses Majors.