China hat sein jährliches Stimmungsbild zur Esports-Landschaft vorgestellt – und das Bild zeigt ein Ökosystem, das weiter wächst, enger verzahnt ist und immer stärker in globale Märkte hineinragt. Die neuen Zahlen wurden am 4. Dezember auf der China Esports Industry Annual Conference in Peking vorgestellt und zeigen, wie viel Dynamik der Markt derzeit trägt.
Ein Markt, der sich breit aufstellt
Die Branche kommt auf rund 29,3 Milliarden Yuan Umsatz, was einem soliden Wachstum entspricht und vor allem zeigt, dass China seine drei großen Entwicklungsstränge weiter durchzieht: Mainstream-Verankerung, branchenübergreifende Vernetzung und internationale Expansion. Tang Jiajun, der das Update präsentierte, sprach davon, dass der Fokus künftig noch stärker auf gemeinsamem Ökosystembau und verantwortungsvollem Wachstum liegen soll – ein Signal dafür, wie eng Regulierung, Talentförderung und wirtschaftliche Entwicklung in China zusammengedacht werden.
Livestreaming bleibt das wirtschaftliche Schwergewicht
Auffällig bleibt, wie dominant Livestreaming in China weiterhin ist. Über 80 Prozent des gesamten Branchenumsatzes stammen aus Streaming-Angeboten, womit dieser Bereich den Rest des Marktes – von Turnierbetrieb über Vereine bis hin zu ergänzenden Geschäftsmodellen – klar überragt. Parallel dazu wächst die Zuschauerschaft langsam, aber unaufhörlich. Über 495 Millionen Menschen in China verfolgen Esports-Inhalte, ein leichtes Plus, aber auf einem Niveau, das die schiere Größe dieses Marktes deutlich macht.
Gameplay-seitig bleiben Shooter der stärkste Umsatztreiber, gefolgt von MOBA- und Sporttiteln. Mobile dominiert wie gewohnt das Plattformsegment, und das mit weitem Abstand: Gut die Hälfte aller Esports-Einnahmen entstehen auf dem Smartphone, während klassische PC-Titel an zweiter Stelle folgen.
Offline-Events gewinnen wieder an Gewicht
Spannend ist auch die Entwicklung im Eventbereich. 142 Wettbewerbe auf Provinzebene fanden statt, über die Hälfte davon komplett offline – ein klares Zeichen dafür, dass Live-Publikum in China weiter eine zentrale Rolle spielt. Shanghai führt die Eventlandschaft an, gefolgt von Chengdu und Chongqing. Gleichzeitig nimmt die Zahl aktiver Clubs zu, die sich allerdings häufig nur auf ein einziges Spiel spezialisieren. In Metropolen wie Shanghai oder Shenzhen ist die Organisationsdichte besonders hoch.
China schaut weit über die eigenen Grenzen hinaus
Einer der stärksten Trends liegt jedoch außerhalb der Landesgrenzen: Chinas Esports-Titel und Turnierformate gewinnen international weiter an Sichtbarkeit. Vor allem in Südostasien, im Nahen Osten und in Lateinamerika wachsen die Zielgruppen, einzelne Top-Events erreichen Millionen an Peak-Concurrency. Für China ist das ein strategisches Spielfeld – ein Weg, das eigene Esports-Ökosystem global zu verankern und gleichzeitig neue Märkte zu erschließen.
Die Konferenz dient als jährliches Barometer für Chinas strategische Ausrichtung. Und das Signal dieses Jahres ist eindeutig: Die Branche wächst nicht mehr im Eiltempo, aber sie wächst stabil, strukturiert und mit einem klaren Blick auf Internationalisierung und nachhaltigen Ausbau der eigenen Infrastruktur.