Es gibt Momente, da fühlt sich der Esport plötzlich wieder wie ein kollektiver Schulterblick an. Wie ein “Schaut her, wir sind nicht nur im Raum, wir gehören hier hin.” Die Game Awards haben genau das getan. Counter-Strike 2 gewinnt den Preis für das beste Esport-Spiel, Team Vitality holt den Award für das beste Esport-Team, und plötzlich wird sichtbar, wie stark dieses Jahr für Valves FPS wirklich war.
Ein perfekter Zeitpunkt für CS2
Während draußen noch der Budapest Major läuft, hat CS2 eine Art Zwischenfazit serviert bekommen – und das fällt eindrucksvoll aus. Das Ökosystem war dieses Jahr überall: Katowice, Melbourne, Köln, Austin. Und fast jedes Event hat mit Zahlen gespielt, die man eher aus der goldenen CS:GO-Ära kannte. Sieben Turniere über der Millionenmarke. Drei verschiedene Teams, die Tier-1-Titel abgeräumt haben. Und eine Meta, das sich alle paar Wochen wie ein neues Buch anfühlte.
Dass Team Vitality parallel dazu als bestes Esport-Team ausgezeichnet wurde, passt fast schon zu gut ins Bild. Die Line-up hat 2025 so konsequent abgeliefert, dass man irgendwann aufgehört hat zu zählen – sieben Tier-1-Trophäen stehen schon, die achte ist noch möglich. Und es waren nicht diese holprigen “superteam”-Resultate, die schnell wieder zerfallen. Vitality spielte das ganze Jahr mit einer Selbstverständlichkeit, die nur entsteht, wenn ein Roster wirklich zusammengewachsen ist.
Konkurrenz hatte CS2 trotzdem genug
Die Nominierten haben gezeigt, wie breit Esports inzwischen aufgestellt ist. NRG als VALORANT-Champion, Team Liquid PH als MLBB-Titelträger, Falcons als TI-Winner – alles Schwergewichte, die jeweils in ihren Szenen Maßstäbe gesetzt haben. Dass Gen.G in League of Legends trotz verpasstem Worlds-Titel nominiert war, sagt viel über diese Saison aus. Und Chovy, der zum besten Esport-Athleten gekrönt wurde, hat diese Liga ohnehin in ein eigenes Licht gestellt.
Der Rest des Abends – und warum er so viel über das Medium sagt
Abseits der Esport-Kategorien war der Abend ein Kaleidoskop aus Genres, Stimmungen und Momenten, die Gaming in seiner ganzen Vielfalt zeigen. “Clair Obscure: Expedition 33” fegt mit neun Auszeichnungen durch die Show und nimmt den Game-of-the-Year-Award gleich mit. “Arc Raiders” schnappt sich Best Multiplayer, während “No Man’s Sky” erneut beweist, wie langlebig ein Spiel werden kann, wenn ein Studio ihm Zeit gibt.
Im Fighting-Game-Bereich gewinnt “Fatal Fury: City of the Wolves” – ein schöner Moment, weil er zeigt, dass eine Szene auch dann pulsieren kann, wenn sich manche Titel noch in der Beta befinden, wie 2XKO. Mario Kart World fährt unterdessen an EA Sports FC und F1 25 vorbei, was vermutlich niemanden überrascht hat, der jemals erlebt hat, wie Mario Kart auf einem Event eskalieren kann.
Und während die Szene diskutiert, wer dieses Jahr die prägendsten Inhalte geliefert hat, holt MoistCr1TiKaL den Award für Best Content Creator – ein Creator, der genauso sehr Meme-Kultur wie Business-Partner ist, und der damit perfekt in diese Mischung aus Entertainment und Esport passt.
Ein Abend also, der weit über einzelne Kategorien hinaus gezeigt hat, wie groß, laut und vielfältig Gaming eigentlich ist. Und mittendrin ein CS2, das sich so anfühlt, als hätte es gerade erst begonnen, sein eigenes Kapitel zu schreiben.