Nach fast einem Jahrzehnt verabschiedet sich Beşiktaş Esports aus dem kompetitiven League of Legends-Ökosystem. In einem Statement spricht die Organisation offen über Nachhaltigkeitsprobleme und einen umfassenden internen Bewertungsprozess, der letztlich zu dieser Entscheidung geführt habe.
Der Ton der Ankündigung ist dabei weniger endgültig als nachdenklich. Beşiktaş betont, dass der Schritt nötig sei, um langfristig wieder stärker auftreten zu können. Eine Rückkehr in die League-of-Legends-Szene wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen – allerdings nur dann, wenn Rahmenbedingungen entstehen, die zu den eigenen Zielen und Vorstellungen passen.
Ganz aus dem Esport verabschiedet sich der Traditionsname damit nicht. Laut eigener Website bleibt Beşiktaş Esports in mehreren Disziplinen aktiv, darunter Mobile Legends: Bang Bang, PUBG Mobile – inklusive eines Frauenteams – sowie Sportsimulationen wie EA FC und NBA 2K. League of Legends ist also ein Kapitel, das vorerst geschlossen wird, nicht das gesamte Buch.
Ein prägender Name der türkischen Szene
Beşiktaş Esports war über Jahre hinweg ein fester Bestandteil der türkischen League-of-Legends-Landschaft. Seit 2015 gehörte die Organisation zur Spitze der damaligen Turkish Championship League und prägte die Szene über mehrere Generationen hinweg. Der größte internationale Erfolg bleibt bis heute die Teilnahme am Mid-Season Invitational im Jahr 2015 – möglich gemacht durch die damalige Wildcard-Struktur, die der Türkei direkte Wege auf die große Bühne eröffnete.
Mit der Umstrukturierung im Jahr 2023 wurde die türkische Liga Teil der EMEA Regional Leagues. Von da an führte der Weg nicht mehr direkt zu internationalen Riot-Events, sondern über EMEA Masters. Beşiktaş schaffte es dort zweimal im Jahr 2024 ins Teilnehmerfeld und erreichte im Spring sogar das Finale. Die letzte Teilnahme folgte im Sommer darauf, sportlich blieb sie allerdings ohne nachhaltige Wirkung.
Offenes Ende statt harter Schnitt
Dass die Organisation den Schritt nicht laut, sondern reflektiert kommuniziert, passt zum Gesamtbild. Bereits Monate zuvor hatte Beşiktaş die Verträge seiner League-of-Legends-Spieler beendet, viele von ihnen gelten für die kommende Saison als Free Agents. Der Rückzug kommt also nicht überraschend, sondern wirkt wie der formelle Abschluss einer Entwicklung, die sich über längere Zeit abgezeichnet hat.
Für die türkische Szene bedeutet der Abschied eines ihrer bekanntesten Namen vor allem eines: ein weiteres Zeichen dafür, wie schwierig nachhaltige Planung im aktuellen ERL-System geworden ist. Ob und wann Beşiktaş zurückkehrt, bleibt offen.