Als Óscarinin im Jahr 2022 über Fnatic TQ erstmals das schwarz-orange Trikot überstreifte, wirkte der Weg fast vorgezeichnet. In der spanischen Liga war er klar eine Klasse für sich, ruhig, kontrolliert, konstant. Der Sprung ins LEC-Team von Fnatic folgte etwas mehr als ein Jahr später, im Frühjahr, als er Martin “Wunder” Nordahl Hansen ersetzte – ein großer Schritt, sportlich wie symbolisch.
Der Start auf der großen Bühne war holprig, um es freundlich zu sagen. Doch Oscarinin brauchte nicht lange, um sich zu fangen. Innerhalb weniger Wochen war klar, dass hier kein Lückenfüller spielt, sondern ein Rookie mit Substanz. Seine erste Saison endete direkt mit der Qualifikation für die Worlds – der Beginn einer Serie, die am Ende drei von drei möglichen Teilnahmen umfassen sollte.
Zwischen Erwartung und Realität
Mit wachsendem Vertrauen kamen auch höhere Erwartungen. Das folgende Jahr fühlte sich nach Aufbruch an, zumindest auf dem Papier. In der Praxis blieb Oscarinin aber wechselhaft. Starke Spiele wechselten sich mit unauffälligen Phasen ab, sein Durchbruch blieb aus. Auch die darauffolgende Saison erzählte im Kern dieselbe Geschichte, obwohl der Kader eigentlich alles mitbrachte, um ganz oben anzugreifen.
Ein Moment stach dennoch heraus. In der Worlds-Qualifikation gegen Karmine Corp lieferte Oscarinin eine Serie ab, die zeigte, was möglich gewesen wäre. Mehrere Solokills gegen Kim “Canna” Chang-dong, echtes Carry-Play, klare Präsenz. Rückblickend wirkt diese Best-of-Five wie sein letztes echtes Ausrufezeichen im Fnatic-Trikot.
Ein langer Winter ohne Platz
Nach einem enttäuschenden Worlds-Run begann ein intensiver Umbruch. Fnatic prüfte Optionen auf allen Positionen, Interesse aus dem Ausland stand im Raum, doch am Ende öffnete sich kein Platz in der LEC. Der Club entschied sich, auf anderen Positionen Kontinuität zu wahren und auf der Toplane erneut auf ein neues Talent zu setzen.
So kam es zum offiziellen Abschied, obwohl Oscarinins Vertrag eigentlich noch länger gelaufen wäre. Die Trennung wirkt einvernehmlich, pragmatisch, aber auch ernüchternd. Kurz darauf meldete sich Oscarinin selbst zu Wort, bestätigte seine Teamlosigkeit und machte klar, dass sein Ziel unverändert bleibt: die Rückkehr in die LEC. Bis dahin will er streamen, Solo Queue grinden und sichtbar bleiben.
Vier Jahre Fnatic enden damit leiser, als viele erwartet hätten. Drei Worlds-Teilnahmen sind kein kleines Vermächtnis. Ob und wann Oscarinin wieder auf Europas größter Bühne steht, ist offen – sicher ist nur, dass der Kampf um diese Plätze härter ist als je zuvor.