Vico über Fortnite in Deutschland: „Wie eine Familie“

Linda Güster
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Inhaltsverzeichnis
  1. „Fortnite in Deutschland ist schon sehr weit vorne“
  2. Steiermark, Leipzig und der pragmatische Teil vom Profi-Sein
  3. Der Moment, in dem er wusste: „Ich kann einer der Besten werden“
  4. „Ich hatte sehr viel Glück“ – und 360 Streamtage
  5. Support ist da – aber nicht bedingungslos
  6. Gemeinnützigkeit und die eine Sache, die gefehlt hat
  7. Warum Deutschland nicht stuck ist
  8. Fernsehen, Verständnis und Eltern am Küchentisch
  9. Sein nächster Schritt: nicht für immer nur Fortnite
Vico
Image credit: via Big Clan

Taylor-Petrik “vicotryona” Gatschelhofer ist 18, Fortnite-Pro für BIG Clan, und er spricht über die deutsche Szene so, als würde er dich kurz in einen Discord-Call ziehen und sagen: Komm, ich erklär dir mal, wie es sich hier wirklich anfühlt.

Das Timing dafür ist fast schon symbolisch. Denn seit dem 01. Januar 2026 ist Esport in Deutschland offiziell als gemeinnützig anerkannt. Für Vereine bedeutet das mehr als ein politisches Häkchen. Ehrenamtspauschalen werden möglich, Spendenquittungen dürfen ausgestellt werden, reine Esport-Vereine können überhaupt erst sauber die Gemeinnützigkeit beantragen. Gleichzeitig verliert kein klassischer Sportverein seinen Status, nur weil er Esport anbietet. Klarheit in beide Richtungen. Weniger Rechtfertigung, mehr Struktur.

Also habe ich Vico gefragt, wie sich das anfühlt, Profi geworden zu sein, während die Gesellschaft noch darüber diskutiert hat, ob das hier überhaupt ein „richtiger“ Bereich ist.

„Fortnite in Deutschland ist schon sehr weit vorne“

Wer von außen auf Esport schaut, erwartet oft Chaos, Drama, Gatekeeping. Vico beschreibt etwas anderes. „Fortnite in Deutschland ist eigentlich echt schon so, im Vergleich zu anderen E-Sports in Deutschland, schon echt sehr weit vorne“, sagt er. Und dann schiebt er hinterher, fast beiläufig: „Es ist schon sehr international.“

Gemeint sind nicht nur Turniere. Sondern das Miteinander. „Die Spieler als auch so die Content Creator interessieren sich schon sehr viel dafür, sehr viel Deutsches, aber auch Internationales zu machen.“ Während er andere Esports kurz streift, klingt Fortnite für ihn wie eine Ausnahme. „In anderen Ländern sieht es sehr chaotisch aus. Aber in Fortnite ist es eigentlich schon sehr ruhig.“

Ruhig heißt bei ihm nicht langweilig. Sondern strukturiert. „Es ist schon alles sehr auf einer geraden Linie. Jeder weiß so, was sie machen wollen.“ Kaum jemand steht komplett außen vor. Und dann fällt dieser Satz, der hängen bleibt: „Es ist wirklich wie eine Familie.“

Ich werfe das Wort Bubble in den Raum. „Genau, ja, genau“, sagt er sofort. Für ihn ist es eine Szene, in der man sich kennt, in der man schnell miteinander reden kann, in der es Rückhalt gibt. „Es ist schon gut, wenn man nicht alleine ist, weil sich alles sehr schnell bewegt.“

Steiermark, Leipzig und der pragmatische Teil vom Profi-Sein

Vico ist in der Steiermark geboren, hat dort bis etwa zum sechsten oder siebten Lebensjahr gelebt und ist dann nach Deutschland gezogen. Heute lebt er „näher Leipzig“. Und er klingt dabei nicht so, als wäre das Zufall.

„Gerade auf Europa, also so die zwei wichtigsten Locations für guten Ping und gutes Internet, sind halt Deutschland und Frankreich“, sagt er. Deutschland sei „eigentlich immer bequem, man kommt halt überall hin“.

Das ist dieser Moment, in dem klar wird: Profi-Sein besteht nicht nur aus Highlights und Preisgeldern. Manchmal ist Profi-Sein auch die Frage, wo der Server steht und wie stabil das Internet ist.

Der Moment, in dem er wusste: „Ich kann einer der Besten werden“

Als ich frage, wann ihm klar wurde, dass er auf Top-Niveau spielt, geht er gedanklich zurück. „Das allererste Mal, dass es mir klar wurde, war glaube ich schon 2022.“

Er erzählt von One-on-Ones mit Noahreyli, den er damals als den mit Abstand Besten gesehen hat. „Der hat mit mir ein paar One-on-Ones gemacht. Und ich hab mich eigentlich echt gut gegen ihn gehalten.“

Dazu kommen Turniere, frühe Earnings, dieses Gefühl, dass man nicht mehr nur mitläuft. „Ich hab auch schon meine allerersten 10.000 Euro verdient“, sagt er, für seine Verhältnisse „extremst cool“.

Es geht weiter über Teammates, Coaches, knappe Qualifier. Er spricht offen darüber, dass er einmal gescheitert ist, „weil ich ein bisschen unerfahren war und auch sehr nervös“. Und dann wieder dieses Motiv: Erfahrungen machen, dann Erfahrungen nutzen. „2021 war tatsächlich mein Durchbruchsjahr.“

In den Grand Finals wird ihm endgültig klar, dass er hier nicht zufällig steht. „Da wurde mir so klar, okay, ich kann einer der Besten werden.“ Nicht, weil alles perfekt lief, sondern weil sie trotz Unerfahrenheit konstant Ergebnisse geliefert haben. „Wir waren eigentlich immer irgendwo in den Top 10.“

Stats spielen dabei eine große Rolle. Eliminierungen, Schaden, Ratio. „Ich war eigentlich überall so in den Top 5 dabei.“

„Ich hatte sehr viel Glück“ – und 360 Streamtage

Wie kommt man da rein? Wie wird aus einem Namen ein Teil der Szene?

„Ich hatte halt sehr viel Glück“, sagt Vico. Und beschreibt dann etwas, das nach allem klingt, nur nicht nach Zufall. „Ich habe 2021 mindestens von 365 Tagen 360 gestreamt, mit sechs, sieben Stunden am Tag.“

Er war konstant weit vorne in Turnieren, tauchte in Videos großer Creator auf, spielte mit ehemaligen Pros. Noahreyli war in seinen Chats, andere Pros wie Vadeal ebenfalls. „Durch die kam ich dann halt so in die ganze Szene rein.“

Was auffällt: Er hat dafür nicht sein altes Leben gelöscht. „Meine Freundesgruppe hat sich zu 2021 nicht viel verändert“, sagt er. Er erwähnt Owl, „der ist auch schon seit 2021 dabei“. Alte Freunde, neue Pros, beides existiert nebeneinander.

Support ist da – aber nicht bedingungslos

Als wir über Support sprechen, wird Vico sehr klar. „Es ist immer personensbedingt.“ Support komme nicht nur, weil man gut ist. Sondern auch, weil man damit umgehen kann.

„Viele Leute kriegen dann ein Ego drauf und werden unsympathisch“, sagt er. „Dann war es das auch wieder.“ Es klingt wie eine ungeschriebene Regel der Szene.

Gemeinnützigkeit und die eine Sache, die gefehlt hat

Als es um die neue Gemeinnützigkeit geht, frage ich ihn, was er sich als Nachwuchs gewünscht hätte. Seine Antwort kommt sofort. „Schulische Befreiung.“

Er erzählt von DreamHack, von Wochen, in denen er weg musste. „Es war halt sehr schwer“, weil Esport nicht anerkannt war. Ausreden gehörten dazu. Später wurde es einfacher, als Lehrer verstanden haben, dass er Profi ist. „Dann war es einfacher zu erklären, warum ich nicht da sein kann.“

Dieser frühe Punkt aber, an dem du noch niemand bist – genau da hätte Struktur geholfen.

Warum Deutschland nicht stuck ist

Vico sieht Deutschland international gut aufgestellt. „Man sieht viele große Leute aus Deutschland, England oder Amerika.“ Andere Länder seien stärker auf sich selbst beschränkt. Über Frankreich und Spanien sagt er: „Fast keiner kann richtig gutes Englisch. Die sind halt stuck in ihrer eigenen Bubble.“

Deutschland habe den Vorteil, beides zu können. Deutsch und Englisch. Lokal und international.

Fernsehen, Verständnis und Eltern am Küchentisch

Wenn er etwas ändern dürfte, würde er am Verständnis ansetzen. „Ich würde versuchen, dass wirklich jeder es verstehen kann.“ Große Matches im TV, Sichtbarkeit außerhalb von Twitch.

Er beschreibt, wie „50-jährige, 60-jährige Opas“ so einen ersten Einblick bekommen könnten. Und erzählt, dass seine Mutter selbst Esport gemacht hat, in WoW. „Meine Mom war halt selber in E-Sports drin.“ Andere hätten dieses Glück nicht. „Die sagen dann, das ist bestimmt ein Scam.“

Sein nächster Schritt: nicht für immer nur Fortnite

Zum Schluss spricht Vico über das Danach. Sein Ziel ist nicht nur mehr Wins. „Ich will mir einen Namen machen“, über Streaming und Content, damit er später nicht nur auf Fortnite basiert ist. Andere Games, andere Shooter, breiter aufgestellt sein. Bereits jetzt hat er dank seiner Content-Affinität und seines Know-Hows als Profi Logitech bei der Erstellung ihrer neuen PRO X2 SUPERSTRIKE über die Schulter gucken dürfen und auch eigenes Feedback eingebracht.

„Mich einfach mal stabilisieren“, sagt er. Gaming soll kein Kapitel sein, sondern ein Umfeld, in dem er bleiben kann. Vielleicht als Coach. Vielleicht als jemand, der jüngeren Spielern hilft.

Und wenn man an den Anfang zurückdenkt, an dieses „wie eine Familie“, schließt sich der Kreis. Es geht nicht nur darum, wie groß Esport in Deutschland wird. Sondern darum, dass die Menschen darin irgendwann nicht mehr erklären müssen, warum ihr Leben real ist.

Linda Güster

Journalistin
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Linda Güster ist leidenschaftliche Gamerin und als Teil des Freelance-Teams bei ESI immer am Puls der eSports-Szene. Ob knallharte Dota 2-Matches, nervenaufreibende Survival-Abenteuer in Subnautica oder entspannte Stunden mit Cozy Games wie Stardew Valley — sie liebt die ganze Bandbreite des Gaming-Universums. Abseits davon bringt sie als Software-Entwicklerin und Freelancerin ihr Können in die Welten von Technologie, Mode, Finanzen und iGaming ein, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen und spannenden Projekten.
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