Die Northern League of Legends Championship und ihr Betreiber LeaguesGG stehen unter Beschuss. Zahlreiche Caster, Producer und Hosts werfen dem dänischen Unternehmen vor, Honorare aus der Saison 2025 teils acht Monate zu spät bezahlt zu haben.
In einer öffentlichen Stellungnahme vom 18. Februar räumt die Organisation Fehler ein, verweigert aber die gesetzlich vorgeschriebenen Verzugszinsen.
Rekord-Viewership, leere Konten
2025 war das beste Jahr in der Geschichte der NLC. Das Spring-Split erreichte über drei Millionen Zuschauerstunden und machte die Liga zur meistgesehenen europäischen Regionalliga unter der LEC-Ebene. Los Ratones mit Streamer Caedrel spielte dabei eine entscheidende Rolle.
Der Aufwand hatte einen Preis: Arenaproduktionen, ein erweiterter Broadcast-Aufbau und ein Wechsel zu einem Influencer-getriebenen Ligaformat kosteten mehr, als die Liga einnahm.
Ab Oktober 2025 liefen die vertraglich vereinbarten 30-Tage-Zahlungsfristen ab, ohne dass Rechnungen beglichen wurden. Mehrere Betroffene wandten sich über Wochen mehrfach an LeaguesGG, ohne Antwort zu erhalten.
Zu den Geschädigten gehören Caster Eragon, Stagemanager Sam Sugarman und Produktionsdirektor Frazer, der nach eigener Aussage einem Zahlungsplan zustimmen musste, der 30 Prozent seiner Forderung abschrieb.
Was das Gesetz sagt, und was die NLC sagt
LeaguesGG ist in Dänemark ansässig und beschäftigt viele UK-Mitarbeiter. Sowohl nach dänischem als auch nach britischem Recht können Auftragnehmer gesetzliche Zinsen und Zusatzgebühren geltend machen, wenn Zahlungsfristen überschritten werden.
In ihrer Stellungnahme schreibt die NLC, man habe bestimmte Verzugszinsen abgelehnt und stattdessen angeboten, nur dokumentierte direkte Kosten zu erstatten.
Diese Formulierung löste unmittelbar Widerspruch aus. Stagemanager Sam Sugarman erklärte öffentlich, nie ein entsprechendes Angebot erhalten zu haben. Mehrere Ex-Mitarbeiter sprachen von einer Muster-Antwort auf eine strukturelle Misswirtschaft.
Die NLC verlor zur gleichen Zeit ihr komplettes Caster-Team und startete mit nur zwei Kommentatoren in die Winter-Saison 2026.
Die Zuschauer fliehen
Mit dem Abgang von Los Ratones und dem Formatwechsel verlor die NLC in der Winter-Saison 2026 laut intern kursierenden Zahlen rund 66 Prozent der Erstrundenviewership gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig soll die Liga Influencer-Zugänge für Teams bezahlt haben, während Freelancer auf ihre Honorare warteten.
LeaguesGG hat inzwischen erklärt, eine externe Finanzierung gesichert zu haben und alle Originalrechnungen beglichen zu haben. Ob das stimmt, bestreiten mehrere Betroffene.
Offen bleibt die Frage, wie ein Ligabetreiber, der für Beteiligung zahlt, zur selben Zeit Produktionsmitarbeiter mit gesetzlichem Anspruch auf Nachzahlungen abwimmelt.
Fazit
Die NLC hat 2025 Esports-Geschichte geschrieben. 2026 schreibt sie gerade eine andere Art Geschichte: Aus Rekordliga wird Schuldner, wenn die Kasse für Influencer reicht, aber nicht für Freelancer.
Kommentieren kann das jedenfalls keiner mehr, falls das Broadcast-Team auch wegfällt.