Die Ära der Millionen-Dollar-Exklusivverträge im Gaming-Streaming ist vorbei. Twitch und YouTube haben seit 2023 massiv zurückgefahren, Kick bleibt als einziger großer Anbieter übrig – aber auch dort zeigen sich Risse. Twitch-CEO Dan Clancy nannte Exklusiv-Deals bereits 2023 „nicht nachhaltig“, YouTube zieht nach.
Einige Streamer sind nach Jahren bei YouTube zurück zu Twitch gewechselt – allerdings nicht exklusiv. Multistreaming ist die neue Realität. Für Plattformen bedeutet das: weniger Kontrolle, mehr Konkurrenz. Für Streamer: mehr Freiheit, aber auch mehr Arbeit. Der Krieg ist vorbei.
Was bleibt, ist ein fragmentierter Markt ohne klare Hierarchien. Twitch hat die größte Live-Audience, YouTube die bessere Infrastruktur für VODs und Shorts, Kick lockt mit 95/5 Revenue-Splits und lockeren Gambling-Regeln. Keiner kann sich mehr Exklusivität erkaufen.
Twitch und YouTube steigen aus
Twitch strich Exklusivität für Partner-Streamer bereits 2022. Auf der TwitchCon 2023 wurde dann der letzte Schritt gemacht: Multistreaming ist jetzt auf allen Plattformen erlaubt – auch YouTube und Facebook.
Die einzige Bedingung: Der Stream muss simultan laufen, keine zeitversetzten Re-Uploads. Dan Clancy sagte damals, Twitch wolle sich auf „Standard-Terms“ konzentrieren, statt individuelle Mega-Deals zu verhandeln.
YouTube zog nach. Google verkürzt aktiv Verträge und bietet keine neuen Exklusiv-Deals mehr anbietet. Stattdessen liegt der Fokus auf Short-Form-Content – Clips, Highlights, TikTok-Style-Videos.
Die Plattform hat erkannt, dass Live-Streaming allein kein Wachstumsmotor ist. Wer auf YouTube lebt, macht das über VODs, Tutorials und algorithmisch gepushte Shorts, nicht über 8-Stunden-Streams.
Streamer wie TimTheTatman und Dr Lupo, die 2020/21 für mehrere Millionen zu YouTube wechselten, sind jetzt zurück auf Twitch – aber nicht gebunden. Sie streamen, wo es sich rechnet. Twitch für die Live-Audience, YouTube für die Archiv-Monetarisierung. Kick ist die Anomalie.
Kick bleibt der Ausreißer – vorerst
Die Plattform, betrieben von den Machern hinter Stake (Crypto-Gambling), zahlt weiterhin absurde Summen. xQc bekam laut New York Times einen 100-Millionen-Deal – allerdings non-exclusive. Amouranth, Hikaru Nakamura und andere folgten. Kick bietet 95/5 Revenue-Splits, deutlich mehr als Twitch (50/50) oder YouTube (70/30 für die ersten 100k).
Aber auch Kick skaliert nicht endlos. Die Plattform hat eine kleine, aber loyale Userbase. Die großen Zuschauerzahlen bleiben auf Twitch. Kick funktioniert als Zusatzeinnahme, nicht als Hauptplattform. Und die Abhängigkeit von Gambling-Geld macht das Modell anfällig. Sollten Regulierungen verschärft werden, könnte Kick schnell Geschichte sein.
Außerdem: Die Plattform zahlt zwar gut, aber die Reichweite ist begrenzt. Wer nur auf Kick streamt, verliert Sichtbarkeit. Multistreaming löst das Problem – aber dann ist der Exklusiv-Deal wertlos.
Was Plattformen jetzt machen
Twitch setzt auf Volumen. 7 Millionen monatliche Creator, konstante Zuschauerzahlen, etablierte Community-Features. Die Plattform braucht keine Mega-Deals mehr, weil sie ohnehin die meisten Zuschauer hat. Stattdessen wird in Features investiert: bessere Moderation, Ads Incentive Program, mehr Tools für Partner.
YouTube fokussiert sich auf Cross-Platform-Synergien. Ein Stream wird zum VOD, wird zu Clips, wird zu Shorts, wird zu Playlisten. Die Plattform verdient an jedem Schritt mit. Live-Streaming ist nur ein Teil des Ökosystems. Exklusivität wäre da eher hinderlich.
Kick… macht Kick-Dinge. Große Deals, wenig Regulierung, viel Drama. Die Plattform hat eine Nische gefunden, aber ob sie langfristig überlebt, steht in den Sternen.
Für Streamer: Mehr Freiheit, weniger Sicherheit
Multistreaming bedeutet: Du bist dein eigenes Medienunternehmen. Du entscheidest, wann du wo streamst. Twitch für die Primetime, YouTube für die VOD-Monetarisierung, Kick für die Extra-Kohle. Klingt gut – ist aber auch Arbeit. Drei Plattformen bedeuten drei Communities, drei Chat-Moderationen, drei Algorithmen, die bedient werden wollen.
Außerdem: Keine Exklusivität bedeutet kein garantiertes Grundgehalt. Wer früher einen 5-Millionen-Deal hatte, konnte planen. Jetzt muss jeder Monat aufs Neue performen. Subs, Ads, Donations, Sponsorings – alles auf eigene Faust.
Die großen Namen kommen damit klar. Ludwig, xQc, Pokimane – die haben Agenturen, Manager, ganze Teams. Aber die Mid-Tier-Streamer? Die spüren den Unterschied. Weniger Sicherheit, mehr Volatilität.
Krieg vorbei – und niemand hat gewonnen
Microsoft gab auf, Facebook Gaming existiert noch, wird aber ignoriert, Twitch und YouTube haben sich geeinigt, nicht mehr gegeneinander zu bieten. Kick ist der letzte Spieler, der noch Geld verbrennt – aber auch dort wird irgendwann die Rechnung kommen.
Was bleibt, ist ein Markt ohne klare Hierarchien. Twitch ist Platz 1 für Live, YouTube ist Platz 1 für VODs, Kick ist Platz 1 für… Crypto-Bros? Die Streaming-Landschaft 2026 ist fragmentiert, dezentralisiert, und niemand hat mehr die Kontrolle.
Für Plattformen heißt das: Weniger Macht über Talent. Streamer haben mehr Optionen, aber auch mehr Risiko. Zuschauer: Mehr Chaos, mehr Fragmentierung.
Die goldenen Jahre der Streaming-Wars sind vorbei. Willkommen in der Post-Exklusivitäts-Ära. Es wird ungemütlich.