Es gibt Städte, die tragen ihre Energie schon in der Luft. Madrid gehört dazu. Dieses Jahr hatte ich das Glück, für die LEC Summer Finals hierher zu reisen – drei Tage voller Riot Games, Matches, Interviews, Sonne und einer Atmosphäre, die so lebendig war, dass man sich kaum entscheiden konnte, ob man zuerst die Stadt entdecken oder den nächsten Pentakill bejubeln will.
Ich bin aus Manchester rübergeflogen, mein erster Spanien-Trip seit Langem. Als Rheinländerin mit Hang zu Großstädten war ich gespannt, ob Madrid mich kriegt. Schon beim Aussteigen aus dem Taxi war klar: tut sie. Die Sonne stand tief, es roch nach warmer Luft, nach Essen, nach Asphalt – und überall Menschen, die lachten, sangen, redeten, Fotos machten. Diese Stadt funktioniert wie ein permanenter Esport-Stream: laut, schnell, emotional, aber mit Stil.
LEC Summer Finals: Hype zwischen Hallen und Herzen
Die LEC XPO 2025 zog sich über einen riesigen Platz, draußen vor den Toren standen schon Stunden vor Öffnung Fans in Caps, Hoodies und Cosplays. League of Legends in der Luft, überall. Gespräche über Drafts, Predictions, „wer diesmal trollt“ – es war herrlich vertraut. Ich hatte das Gefühl, dass die Sonne selbst ein Teil des Events wurde, weil sie alles in dieses warme, goldene Licht tauchte, das den Staub in den Straßen glitzern ließ.
Die LEC Summer Finals selbst waren wie ein Festival. Drinnen vibrierte die Halle. Jeder Schrei aus dem Publikum war wie eine kleine Explosion. Ich habe einige Interviews geführt – die Art, bei der du merkst, dass Leute nach einem Game eigentlich nur atmen wollen, aber trotzdem lächeln und reden. Und zwischendurch gab’s Momente, die du nicht planst: Fans, die sich gegenseitig umarmen, ein spanischer Caster, der plötzlich „¡Vamos!“ ins Mikro brüllt, ein Kind, das ein Fnatic-Shirt hochhält, das doppelt so groß ist wie es selbst.
Aber der beste Teil kam danach. Wenn die Lichter ausgehen, du draußen stehst, und Madrid dich wieder zurücknimmt. Diese Mischung aus Nach-Event-Euphorie und Großstadtvibe – das ist genau der Grund, warum ich diese Reihe angefangen habe.
OXO Museo Videojuego: Wo Nostalgie und Zukunft aufeinandertreffen
Ein Pflichtbesuch für alle, die irgendwas mit Games anfangen können: das OXO Museo Videojuego. Auf über 1.600 Quadratmetern reiht sich hier Geschichte an Gegenwart – von Atari bis PS5, von Pong bis VR-Rig. Ich liebe solche Orte, die Gaming nicht als Freizeit, sondern als Kultur behandeln.
Zwischen Arcade-Maschinen, alten Konsolen und Retro-Displays läuft Musik aus den 2000ern, während Kinder an Joysticks rütteln und Erwachsene über Röhrenbildschirme lächeln. Mein persönliches Highlight? Guitar Hero. Spielbar. Laut. Und genau so unvergesslich, wie es damals im Kinderzimmer war.
Das Museum zeigt 70 Jahre Videospielhistorie, aber ohne Staub. Es fühlt sich lebendig an. Du kannst spielen, experimentieren, ausprobieren. Und am Ende – natürlich – das 4D-VR-Sofa. Ich habe mich reingesetzt, den Gurt festgezogen und für ein paar Minuten vergessen, wo ich bin. Wenn du nach einem Eventtag noch Adrenalin im Blut hast, ist das der perfekte Ort, es auszuleben.
Die Mission des Museums klingt fast wie aus einem Manifest: „Wir wollen das Erbe der Videospielgeschichte bewahren, die Arbeit all der Kreativen sichtbar machen – für heutige und kommende Generationen.“ Genau das spürst du dort. Gaming als Erzählung, als Kunst, als Erinnerung.
Und das Beste: das OXO liegt keine zehn Minuten von der Gran Via entfernt, dieser legendären Einkaufsstraße, die so aussieht, als hätte jemand New York und Rom fusioniert. Du gehst raus, blendest für einen Moment das Neonlicht der Displays aus und tauchst direkt in die Stadt.
Von Gran Via bis Arcade-Bar
Die Gran Via ist wie ein permanentes Reallife-Event. Menschenmengen, Straßenkünstler:innen, Schaufenster, Lichter, Kinos, Musik. Man läuft dort nicht einfach – man wird mitgerissen. Handy checken, die neuesten News auf X verfolgen? Keine Chance. Pack das Handy weg und lass dich einfach von dem Flow mitreißen.
Wenige Straßen weiter liegt die NEXT LEVEL BAR – ein Ort, an dem du gleichzeitig chillen, zocken und trinken kannst. Arcade-Klassiker an den Wänden, Bartender, die mehr über Street Fighter wissen als über Cocktails, und Gäste, die mitten in der Stadt ihre kleine eigene LAN feiern. Ich saß mit einem Mojito da, während jemand am Automaten Tekken 3 spielte, und dachte: Wenn ich hier wohnen würde, wäre das mein Stammplatz.
Einmal Madrid durchessen, bitte
Wenn man Madrid erleben will, muss man essen. Richtig essen. Nicht mit extrem viel Plan, sondern mit Neugier. Ich hab mir vorgenommen, mich etwas mehr treiben zu lassen – und das hat ziemlich gut funktioniert. Ich bin ein riesiger Foodie, und Madrid hat mich definitiv nicht enttäuscht.
Der Mercado de San Miguel war mein erster Stopp, gleich am späten Nachmittag. Ein Glasbau, durch den das Sonnenlicht fällt, als wolle es die Tapas selbst in Szene setzen. Es riecht nach Oliven, nach gebratenem Fisch, nach Wein. Das Stimmengewirr ist konstant, aber nie unangenehm. Menschen lachen, stoßen mit kleinen Gläsern an, probieren, fotografieren, reden laut durcheinander. Ein bisschen wie ein Food-Festival unter Glas – nur eben mitten in der Stadt. Ich stand irgendwann mit einer Tapa in der einen Hand und meinem Handy in der anderen und dachte: Wenn Riot hier spontan ein LEC-Viewing aufbauen würde, würde das niemanden überraschen. Es passt einfach.
Ich habe mich von Stand zu Stand gefuttert, kleine Portionen, große Aromen. Manche Verkäufer reden mit einer Geschwindigkeit, bei der ich kaum mitkomme, aber immer mit einem Lächeln. Man merkt, sie wissen, was sie da tun – und dass sie stolz darauf sind. Wer abends kommt, braucht Geduld, das stimmt, aber mittags ist es perfekt. Du hast Platz, Zeit und kannst einfach beobachten.
An einem Mittag bin ich dann bei DIVORARE gelandet – unscheinbar von außen, fast übersehbar zwischen all den Bars, aber drinnen herrscht dieser Duft, der dich sofort anzieht. Sandwiches, frisch getoastet, saftig, mit Zutaten, die genau aufeinander abgestimmt sind. Ich schwöre, ich habe selten so gutes Brot gegessen. Mein Highlight war das Tiramisu zum Dessert. Ich hab’s bestellt, ohne viel zu erwarten, und stand dann da mit einem Löffel voll purer Glückseligkeit. Leicht, cremig, fast schon zu perfekt, um wahr zu sein.
Wer’s klassischer mag, findet sein Glück in den Tabernas. Ich war in der Taberna La Patosa, später noch in Origen Taberna Madrid – und beide waren wie ein Stück Alltag, das man einfach mitessen darf. Holz, Fliesen, Stimmen, Musik. Auf dem Tisch: Patatas Bravas, Jamón Ibérico, Tortilla Española. Dazu ein Glas Rioja, leicht gekühlt, genau richtig für den Abend. Es ist die Art von Essen, bei der du unweigerlich langsamer wirst. Bei der du redest, lachst, und am Ende einfach nur da sitzt, satt und zufrieden, während draußen die Stadt weiterlebt.
Snacks, Süßes, Schmaus
Und dann das Kawaii Café. Ich habe es zufällig gefunden, als ich eigentlich auf dem Weg zum Plaza Mayor war – dieser Zufall, der eine Stadt noch spannender macht. Von außen wirkt es fast unscheinbar, aber innen ist es, als würde man in ein pastellfarbenes Traumlevel stolpern. Pinke Wände, bunte Deko, Maids mit glitzernden Schürzen, und zwischen all dem ein Geruch nach Zucker, Kaffee und Vanille. Auf dem Tisch: Regenbogenwaffeln, Bären-Pfannkuchen, und Getränke, die aussehen, als hätten sie eigene Emotes verdient. Es ist quietschbunt, süß, völlig over the top – aber du kannst gar nicht anders, als zu lächeln. Neben dem Tresen steht eine Gachapon-Maschine, und ja, ich hab natürlich gespielt. Kleines Plastikfigürchen, große Freude.
Und ja, Churros. Kein Madrid ohne Churros. Die Chocolatería San Ginés ist der Klassiker, aber ich bin ehrlich – stundenlanges Anstehen ist nicht mein Ding. Stattdessen bin ich zu Doña Castiza gegangen, später noch zu Maestro Churrero an der Carrera de San Jerónimo. Beide haben diesen unverwechselbaren Duft, wenn der Teig im Fett aufploppt und der Kakao dampft. Die Churros sind knusprig, leicht salzig, und wenn du sie in den heißen Kakao tunkst, verschwindet die Außenwelt kurz komplett. Keine Hektik, keine Menschenmassen – einfach Glück in frittiert.
Zum Abschluss meines kleinen Food-Marathons wollte ich eigentlich nur noch einen Kaffee – und habe in Geisha Coffee an der Calle de las Navas de Tolosa den perfekten Ort dafür gefunden. Ein winziger Laden, modern, hell, mit Holztheke und Pflanzen. Die Playlist war wie ein guter Mix aus Lo-Fi und Indie-Vibes, leise genug, um nachzudenken, laut genug, um dich im Moment zu halten. Der Käsekuchen war cremig, der Kaffee stark, und ich habe dort länger gesessen, als geplant. Es war dieser Moment am Ende eines Reisetages, wo du nichts mehr musst. Nur noch sitzen, atmen, beobachten, schreiben.
Madrid hat mich kulinarisch komplett bekommen. Es ist nicht nur das, was du isst, sondern wie du isst. Jede Mahlzeit ist ein Stück Stadt, ein Stück Kultur, ein Gespräch mit jemandem, den du vielleicht nie wieder triffst – aber genau in dem Moment teilt ihr dasselbe Glück.
Royal Palace, Kunst & Ruhe – die anderen Seiten von Madrid
Man kann über Madrid nicht schreiben, ohne den Palacio Real zu erwähnen. Der Königspalast ist überwältigend – riesig, glänzend, fast einschüchternd. Als ich über den Vorplatz lief, dachte ich: Das hier ist im Prinzip ein Boss Level in Stein. Über 3.000 Räume, Marmortreppen, vergoldete Decken, und trotzdem kein bisschen kitschig. Wenn du früh morgens kommst, ist der Platz noch leer und die Sonne taucht alles in dieses goldene Licht, das man sonst nur in Cutscenes sieht.
Das Thyssen-Bornemisza Museum hat mich überrascht. Ich bin eigentlich kein klassischer Museumsmensch, aber die Räume sind ruhig, kühl und auf eine Art meditativ. Werke von Caravaggio bis Lichtenstein hängen da, und plötzlich denkst du an Game-Design, an Licht, an Atmosphäre. Ich stand vor einem Gemälde aus der Renaissance und hatte sofort Parallelen zu Baldur’s Gate im Kopf. Vielleicht ist das der Trick: Kultur nicht trennen, sondern vergleichen.
Und dann der Bosque del Recuerdo – der Wald des Erinnerns. Ein kleiner, stiller Ort im Retiro-Park, 192 Bäume für 192 Menschen, die 2004 ihr Leben verloren. Ich war dort am letzten Tag, kurz vor Sonnenuntergang. Nach Tagen voller Lärm, Matches, Straßen, Fans – plötzlich nur Wind, Rascheln, Vogelstimmen. Man geht ein paar Schritte, atmet anders. Das war einer dieser Momente, die einen erden.
Rückblick – und was bleibt
Madrid war für mich mehr als ein Eventziel. Es war eine Stadt, die mich mit offenen Armen empfangen hat – laut, herzlich, voller Leben. Ich kam her, um League of Legends zu sehen, und bin mit Erinnerungen an Guitar Hero, Tapas, Arcade-Games und Sonnenuntergänge gegangen.
Was mir hängen bleibt, ist die Mischung: eine Metropole, die Gaming nicht als Ausnahme behandelt, sondern als Teil ihrer Kultur. Orte wie das OXO Museum oder die NEXT LEVEL BAR sind nicht bloß Treffpunkte für Nerds – sie sind moderne Kulturstätten, in denen sich dieselbe Leidenschaft zeigt wie im Prado oder auf der Bühne der LEC.
Ich habe Madrid in diesen Tagen nicht als Tourist erlebt, sondern als Teil einer Szene, die immer größer, vielfältiger, internationaler wird. Es war warm, laut, lecker, und ich will wieder hin.
Aber erstmal heißt’s wieder Koffer packen. Die nächste GG & Away-Etappe ist nie weit weg, und Ende Oktober ging es für mich nach Paris. Auch dort habe ich euch einiges zu erzählen. So oder so freue ich mich bereits jetzt auf die nächste Stadt, das nächste Event, neue Eindrücke.
Hamburg hat mich überrascht. Madrid hat mich überwältigt. Und das Beste ist: Es geht gerade erst los.