OverActive Media hat seine Finanzzahlen für das dritte Quartal vorgelegt, und wie so oft im Esport besteht das Bild aus zwei Ebenen. Wachstum auf dem Papier und ein Umfeld, das ständig nachjustiert werden muss. Das Unternehmen hinter KOI und Toronto KOI meldet steigende Umsätze. Gleichzeitig melden sie aber auch einen spürbaren Verlust, der eng mit den Entwicklungen rund um VALORANT in EMEA verknüpft ist.
Umsatz wächst, aber das VCT-Aus hinterlässt Spuren
Mit CAD$7.8 Millionen Umsatz liegt OverActive 14 Prozent über dem Vorjahresquartal – eigentlich ein starkes Signal in einem Markt, der seit Monaten darüber diskutiert, wie stabil große Strukturen überhaupt noch sind. Gleichzeitig steht aber ein Verlust von CAD$3 Millionen in den Büchern. Der Grund dafür ist unter anderem das abgeschriebene VCT-Abkommen, das spätestens seit dem Ausscheiden von KOI aus der VCT EMEA deutlich im Raum stand.
Riot hatte im September klare Worte gefunden: unbeständige Leistungen, verpasste Verpflichtungen und damit eine Entscheidung, die vielen Fans weh tat. Gentle Mates rückt nach, KOI muss sich neu sortieren, und bei OverActive schlägt sich das direkt im Ergebnis nieder. Dazu kommt ein eventlastiger Umsatzmix, der die Margen drückt, und geringere Währungsgewinne als im Vorjahr – Faktoren, die sich summieren.
Marken unter einem Dach
Trotz der roten Zahlen zeigt der Bericht ein Unternehmen, das seine Kosten strukturierter angeht. Die operativen Ausgaben sind um drei Prozent gesunken, weil OverActive seine Marken stärker auf einer gemeinsamen Plattform bündelt. Dazu gehört auch die Umbenennung von Toronto Ultra zur Toronto KOI – ein Schritt, der die Marke global schärft und die Klammer um Call of Duty, VALORANT und KOI als Lifestyle-Projekt enger zieht.
CEO Adam Adamou spricht von einem widerstandsfähigen Modell, das in diesem Jahr bereits 24 Prozent Umsatzwachstum und sinkende Kosten vorweist. Das klingt nach konsolidiertem Kurs – aber es zeigt auch, wie viel Arbeit nötig war, um die Brand-Pipeline zusammenzuführen und gleichzeitig neue Projekte zu stemmen.
Zwischen Expansionsdrang und Personalwechsel
Parallel zu den Finanzen baut OverActive weiter aus. Das jüngste Investment: ein Darlehen über CAD$1 Million für ActiveVoices, eine KI-Plattform für Lokalisierung und Content-Distribution. Der Fokus liegt klar darauf, Creator-Content effizienter global zu verbreiten – ein Bereich, der immer stärker mit dem Esport verschmilzt.
Auch auf Partnerschaftsebene bleiben die Kanäle offen: Die Zusammenarbeit mit Bell wurde im Oktober verlängert, inklusive exklusiver Telekommunikationsrechte in Kanada.
Mit dem Ausscheiden von CFO Rikesh Shah endet gleichzeitig ein wichtiges Kapitel im Management. Louis Zhang übernimmt interimistisch – ein Zeichen dafür, dass hinter den Kulissen weiter geschraubt wird, während sich das operative Geschäft stabilisieren soll.
Zwischen Wachstum, Verlust und strategischer Neuordnung zeigt OverActive Media ein Bild, das man im Esport immer häufiger sieht: ambitioniert, unter Druck, aber entschlossen, in diesem schnell wechselnden Markt nicht nur zu bestehen, sondern sich neu zu erfinden.