Dass Katsuhiro Harada irgendwann einmal gehen würde, war allen klar. Nur eben nicht jetzt, nicht mitten im 30-jährigen Jubiläum einer Serie, die er von Grund auf mitgeprägt hat. Doch genau diesen Moment bezeichnet Harada als den passendsten, um ein Kapitel zu schließen – und die Fighting-Game-Community spürt sofort, wie viel Gewicht in dieser Entscheidung steckt.
Ein Abschied mit perfektem Timing
In seinem Statement beschreibt Harada, wie er in den vergangenen vier bis fünf Jahren Stück für Stück Verantwortung abgegeben hat – Story, Worldbuilding, all die großen und kleinen Dinge, die Tekken zu der Welt gemacht haben, in der Millionen von Spielerinnen und Spielern zu Hause sind. Für ihn sei der Schritt kein Bruch, eher ein bewusst gesetzter Übergang, bei dem das Team schon längst die kreative Führung übernommen hat.
Trotz seines Abschieds zum Jahresende wird Harada weiterhin dort auftreten, wo Tekken am lebendigsten ist: vor der Community. Beim Tekken World Tour Global Finals Wochenende in Malmö möchte er sich persönlich zeigen, sei es beim Last Chance Qualifier oder in den Top 20. Gleichzeitig schenkt er der Szene noch etwas zum Feiern: ein von ihm selbst editiertes 60-Minuten-DJ-Mix auf Soundcloud, ein kleines Zeichen von Nähe, während ein großes Kapitel endet.
Wie Bandai Namco den Staffelstab aufgreift
Parallel veröffentlichte Bandai Namco eine eigene Erklärung, die nicht wie ein nüchterner Übergabetext klingt, sondern wie ein bewusstes Versprechen. Man wolle das weitertragen, was Harada aufgebaut hat – die Handschrift, die Vision, die Energie eines Fighting Games, das in der FGC seit Jahrzehnten zu den Säulen zählt.
Der Tonfall ist eindeutig: Tekken soll sich anfühlen wie Tekken, auch wenn der Mann, der das Fundament gelegt hat, in Zukunft nicht mehr täglich im Studio sitzt.
Tekken auf der Bühne des Esports
Der Abschied fällt in eine Phase, in der Tekken präsenter ist denn je. Tekken 8 bespielt die größten Turnierbühnen, von EVO France bis zum Esports World Cup. Die Tekken World Tour ist längst kein regionales Projekt mehr, sondern ein globaler Durchlaufposten für die besten Spieler:innen des Genres.
Dass Harada genau jetzt seinen Schritt bekannt gibt, fühlt sich fast wie ein kurzes Innehalten inmitten eines Wachstumsschubs an. Die FGC reagiert überrascht, aber nicht verunsichert – eher bewegt, weil jemand geht, der drei Jahrzehnte lang nicht nur ein Franchise geprägt hat, sondern das Selbstverständnis eines ganzen Genres.
Harada selbst kündigt an, später über seine nächsten Pläne zu sprechen. Und wenn die vergangenen 31 Jahre etwas gezeigt haben, dann dass der Mann selten lange stillsteht.