Jedes Jahr gibt es dieselbe Hoffnung: ein neues Spiel, das plötzlich alles auf den Kopf stellt, neue Communities anzieht und den etablierten Größen Marktanteile klaut. Und jedes Jahr zeigt Twitch ziemlich gnadenlos, wie schwer das tatsächlich ist. Die Viewership-Zahlen für 2025 erzählen keine Geschichte von Disruption, sondern von Stabilität. Von Spielen, die seit Jahren verstanden haben, wie kompetitiver Esport, Creator-Kultur und lange Turnierkalender zusammenspielen.
Esports Charts hat die Daten ausgewertet – und das Ergebnis ist weniger überraschend, als es auf den ersten Blick wirkt.
Rainbow Six Siege bleibt klein, aber stabil
Auf Platz fünf landet Tom Clancy’s Rainbow Six Siege mit knapp 35 Millionen Hours Watched. Das ist deutlich weniger als bei den Top-Titeln, aber genau hier liegt auch die Stärke des Spiels. Siege lebt nicht von Massen, sondern von einer extrem loyalen Kern-Community.
Internationale Majors und vor allem das Six Invitational sorgten erneut für die größten Peaks des Jahres. Lange Broadcast-Tage, klare Stakes, wenig Leerlauf. Ubisoft hält die Szene mit regionalen Ligen und LAN-Events bewusst am Leben, auch wenn Siege längst kein Wachstumstitel mehr ist. Für Twitch bedeutet das: konstante Zahlen, klare Zielgruppe, wenig Überraschungen.
VALORANT profitiert vom Creator-Ökosystem
Mit rund 185 Millionen Hours Watched spielt VALORANT in einer ganz anderen Liga. Das Spiel ist von Anfang an auf Streaming ausgelegt worden – und das merkt man bis heute. Die VCT liefert zuverlässig Viewership, vor allem rund um Champions, doch der eigentliche Hebel liegt woanders.
Co-Streams sind längst kein Zusatz mehr, sondern fester Bestandteil des Systems. Pros, Streamer, Team-Creator – sie alle verlängern die Reichweite der offiziellen Broadcasts und sorgen dafür, dass VALORANT auch zwischen den großen Events sichtbar bleibt. Diese Verzahnung macht das Spiel extrem widerstandsfähig gegen Viewership-Dips.
Dota 2 lebt von seinen Höhepunkten
Dota 2 kommt 2025 auf gut 213 Millionen Hours Watched, wobei ein erheblicher Teil davon auf einen einzigen Zeitraum entfällt. The International bleibt das unangefochtene Zentrum des Jahres und zieht fast ein Drittel der gesamten Watchtime auf sich.
Dazwischen sorgen DreamLeague, Esports World Cup oder PGL-Events für Wellenbewegungen. Dota 2 ist kein Dauerrauschen mehr, sondern ein Spiel der Peaks. Wenn es passiert, dann richtig. Und genau das reicht weiterhin, um relevant zu bleiben – auch ohne die Dominanz früherer Jahre.
League of Legends setzt auf Verlässlichkeit
Mit über 307 Millionen Hours Watched bleibt League of Legends einer der konstantesten Faktoren auf Twitch. Das Franchising-System sorgt dafür, dass es kaum echte Leerlaufphasen gibt. Regionale Ligen tragen das ganze Jahr, internationale Events liefern die erwartbaren Ausschläge nach oben.
Worlds war auch 2025 wieder der klare Höhepunkt, doch entscheidend ist etwas anderes: Narrative. Rivalitäten, Splits, Rückkehrer, Abstiege. League of Legends versteht es nach wie vor, Zuschauer emotional durch eine Saison zu führen – und genau das zahlt sich in stabiler Viewership aus.
Counter-Strike bleibt der Maßstab
An der Spitze steht erneut Counter-Strike mit fast 373 Millionen Hours Watched. Kein anderes Spiel verbindet Turnierdichte, Zuschauergewohnheit und globale Fanbases so effektiv. Majors, große LANs, ein offenes Ökosystem mit vielen Veranstaltern – all das sorgt dafür, dass Counter-Strike praktisch nie aus dem Twitch-Alltag verschwindet.
Dazu kommen Co-Streams von Analysten, Ex-Pros und aktiven Spielern, die Events auf ihre eigene Art begleiten. Counter-Strike ist kein Event-Esport, sondern Dauerprogramm. Und genau deshalb bleibt es an der Spitze.
Twitch setzt weiter auf Vertrautes
Die Zahlen für 2025 zeigen vor allem eines: Twitch belohnt Kontinuität. Spiele mit klaren Strukturen, langen Kalendern und gewachsenen Communities setzen sich durch. Neue Titel haben es extrem schwer, sich zwischen diesen Schwergewichten zu behaupten.
Für 2026 deutet wenig auf einen Umbruch hin. Stattdessen bleibt Twitch das Zuhause der etablierten Esports-Titel – und genau dort fühlen sich die Zuschauer offensichtlich am wohlsten.