Es gibt Einladungen, die kommen zur richtigen Zeit. Für Team Liquid ist die kurzfristige Teilnahme an der BLAST Open London genau das – eine unverhoffte Gelegenheit, sich nach Monaten der Krise doch noch auf der großen Bühne zurückzumelden. Eigentlich war das Team bereits raus, gescheitert an schwachen Qualis und enttäuschenden Ergebnissen. Doch dann fiel The MongolZ wegen Visa-Problemen aus – und plötzlich ist Liquid wieder im Rennen.
Eine Saison zum Vergessen – und doch noch nicht vorbei
2025 war für Liquid bislang ein Absturz in Zeitlupe. Nach dem enttäuschenden BLAST.tv Austin Major blieb der Kader unangetastet – doch der Zusammenhalt zahlte sich nicht aus. Bei IEM Cologne war nach zwei Niederlagen direkt Schluss. Auch in der BLAST Bounty Season 2 wirkt das Team ideenlos. Siege? Mangelware. Statt Teamplay gab’s zuletzt vor allem Einzelaktionen ohne Linie – ein Bild, das sich durch mehrere Turniere zog.
In der Szene wurde der Ton rauer. Das Quali-Aus gegen VP.Prodigy – das Academy-Team von Virtus.pro – war mehr als ein Warnsignal. Es war ein Tiefpunkt, der Diskussionen über Umstrukturierung neu befeuerte. Doch es blieb alles beim Alten. Kein Wechsel, kein Reset – nur ein Team, das immer weiter durch die Tabelle rutschte.
London ruft – weil ein anderer nicht kann
Der Anruf kam unerwartet: The MongolZ, eines der stabilsten Teams aus Asien, konnte nicht einreisen. Visa-Probleme kurz vor Turnierstart. Da Liquid im Quali-Ranking direkt dahinter lag, rutschten sie nach – als Wildcard. Ein Turnierstart aus dem Nichts, aber mit echtem Gewicht. Denn die BLAST Open London ist kein Showmatch, sondern eines der wichtigsten CS2-Events der zweiten Jahreshälfte.
Start ist am 5. September in der OVO Arena Wembley. Und auch wenn der Spot nicht erspielt wurde – die Bühne ist da, die Kameras laufen, die Gegner sind keine Sparringspartner. Für Liquid zählt jetzt jeder Punkt, jedes Match. Nicht nur fürs Ego, sondern auch fürs Major-Ranking.
Was auf dem Spiel steht – und wer noch dabei ist
Das Teilnehmerfeld? Hochkarätig. FaZe, G2, NAVI, Vitality – Namen, gegen die man nicht mal angeschlagen ins Match gehen will. Aurora ist ebenfalls raus, PaiN Gaming springt ein. Insgesamt 16 Teams kämpfen um Preisgeld, Punkte und Prestige. Liquid ist nominell dabei – aber sportlich muss sich das Team erst noch beweisen.
Denn Stand jetzt liegt Liquid nur auf Platz 24 im Valve Regional Standing. Zu wenig, um bei kommenden Majors sicher dabei zu sein. In London könnten sie sich zurückmelden. Oder die Saison endgültig verlieren. Die BLAST Open ist keine Nebensache – sie ist ein Test: für den Kader, für das Vertrauen der Organisation und für die Zukunft einzelner Spieler.
Der Moment für Veränderung?
Für The MongolZ ist die Absage bitter. Für Liquid ist sie ein Rettungsring. Die Frage ist nur, ob sie schwimmen oder erneut untergehen. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie dünn die Linie zwischen Krise und Comeback ist. London könnte genau das Turnier sein, das Liquid gebraucht hat – wenn sie es schaffen, gemeinsam zu spielen und nicht wie fünf Fremde auf dem Server stehen.
Die Augen der Szene sind auf sie gerichtet. Ob das reicht, um endlich wieder abzuliefern? In ein paar Tagen wissen wir mehr. Und vielleicht beginnt dann doch noch ein neues Kapitel – ausgerechnet in London.