Als ich Rakattack – Kyle – auf der DreamHack 2025 in Stockholm treffe, möchte ich eigentlich nur ein professionelles Interview führen. Fünf Minuten später sitze ich mitten in einem Familien-Dialog, der so warm, chaotisch und charmant ist, dass ich kurz vergesse, dass ich eigentlich mit einem Overwatch-Profi spreche.
Denn egal, wie groß die Bühne ist: Rakattack reist nie ohne sein wichtigstes Team – seine Familie.
Momma Rak: Die Moderatorin, die den Chat besser im Griff hat als jeder Bot
Noch bevor Kyle richtig loslegt, übernimmt Momma Rak das Gespräch: mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie im Stream ihres Sohnes moderiert.
„Manchmal time ich jemanden für drei Sekunden aus… und manchmal für drei Jahre. Aus Versehen“, gibt sie lachend zu.
Und dann gibt es da noch Loki, den Kater, der mit einem einzigen Spaziergang über die Tastatur einen Zuschauer für immer aus dem Chat befördert hat. Wirklich unabsichtlich. Vermutlich.
Niki, Kyles Schwester, moderiert auch – aber mit einem eigenen, etwas strengeren Stil: „Mom, darf ich den bannen?“ Eine Sicherheitsabfrage, die Momma Rak offensichtlich gut findet.
Dass sie alle mit halbem Ohr mithören, wenn Kyle live ist, verwundert niemanden. Momma Rak ruft während Streams aus der Küche rein, wie es allen geht – und laut Kyle funktioniert das besser als jede Chat-Police: „Wenn sie etwas sagt, benehmen sich plötzlich alle.“
Vom Wohnzimmer zum Wettkampf
Kyle erzählt, dass Gaming schon immer ein Teil seines Alltags war. Er wuchs in einem Haushalt auf, in dem Konsolen, Controller und Sportlichkeit selbstverständlich nebeneinander existierten.
Später kamen Call of Duty, Halo und Rainbow Six Siege dazu. Als er irgendwann auf Overbuff sah, dass er zu den obersten 5 % gehörte, begann er ernsthaft an eine Profi-Karriere zu glauben. „Ich mag einfach, wenn Zahlen nach oben gehen“, sagt er. Das Gefühl, sich kontinuierlich zu verbessern, begleitet ihn bis heute.
Momma Rak beschreibt ihn als diszipliniert und „regelkonform – im positiven Sinne“. Kyle wuchs in einer Sportfamilie auf – Football, Hockey, Lacrosse – und lernte früh, wie Teams funktionieren.
„Viele gute Spieler können nicht kommunizieren“, erklärt er. „Sie sind mechanisch stark, aber im Team funktioniert es nicht.“ Ihm hingegen fällt es leicht, Verantwortung zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass sein Team zusammenhält.
Niki fasst es treffend zusammen: „Du hattest das Gerüst schon. Andere müssen das erst lernen.“
Zwischen Studium und Esport
Kyle spielt an der Winthrop University – mit Stipendium und einem Umfeld, das seine Karriere unterstützt. Momma Rak sieht das pragmatisch: „College läuft nicht weg. Aber Profi-Spieler wirst du nur eine begrenzte Zeit im Leben.“
Kyle nimmt sich selbst nicht zu wichtig, ist aber sehr strukturiert. Er erzählt lachend, wie er jüngere Teamkollegen daran erinnern musste, Uni-Abgaben nicht zu vergessen. „Mach es einfach gleich, nicht zwei Wochen später“, sagt er und schüttelt grinsend den Kopf.
Beeindruckend ist, wie normal sein Alltag trotz Profi-Level wirkt. „Ich schlafe sieben-einhalb Stunden. Google sagt, das ist optimal“, meint er mit einer Selbstverständlichkeit, die man im E-Sport selten hört.
Momma Rak ergänzt: „Er ist sehr diszipliniert. Er isst, schläft – und ist fröhlich. Das ist sein Rhythmus.“
Ein Fazit voller Wärme
Was mir vom Gespräch bleibt, ist nicht das Bild eines distanzierten Profis, sondern das einer bodenständigen, liebevollen Familie, die Gaming nicht nur versteht, sondern lebt.
Rakattack mag derjenige sein, der auf der Bühne steht – aber hinter ihm stehen eine Mutter, die den Chat erzieht, eine Schwester, die im Zweifel den Weg zur Toilette freiblockt.
Und vielleicht ist genau das das Geheimnis seines Erfolgs: Ein Umfeld, das ihm erlaubt, er selbst zu sein – diszipliniert, ehrgeizig, und mit einem Herz für seine Community.