Ein Jahr nach ihrem Einstieg in Marvel Rivals zieht Sentinels die Reißleine. Die nordamerikanische Organisation hat offiziell bekanntgegeben, ihre Aktivitäten in der Szene zu pausieren – vorerst ohne Rückkehrtermin.
Zwischen Höhenflügen und Unsicherheit
Das Statement fiel nüchtern, fast bedauernd aus: „Wir sind unglaublich stolz auf das, was wir im letzten Jahr erreicht haben“, heißt es darin. „Gemeinsam haben wir etwas Besonderes aufgebaut und unsere Spuren in der frühen Geschichte des Spiels hinterlassen.“
Doch in derselben Mitteilung folgte die bittere Konsequenz – die Auflösung des Marvel Rivals-Rosters. Mehrere Spielerinnen und Spieler, darunter Strategistin Chassidy „aramori“ Kaye, bestätigten bereits, dass sie auf der Suche nach neuen Teams sind.
In einem emotionalen Post schrieb sie: „Mein Herz bricht über die Entscheidung, aber ich kann sie verstehen. Die Szene ist aktuell ein finanzielles Loch, solange es keine klaren Anreize oder Preisgelder für Teams gibt.“
Kein nachhaltiges System
Das größte Problem bleibt die fehlende Struktur rund um Marvel Rivals. Während NetEase das Spiel mit viel Ambition gestartet hat, fehlt bislang ein langfristiges Programm, das Organisationen finanziell absichert. Auch Sentinels deutete an, dass eine Rückkehr nur dann infrage käme, „wenn NetEase ein System mit Team-Incentives etabliert“.
Damit steht die Organisation nicht allein. Immer mehr Teams halten sich mit Investitionen in neue Titel zurück, solange der Wettbewerb keine klare Perspektive bietet.
Ein Jahr voller Gegensätze
Dabei war der Einstieg durchaus vielversprechend. Schon kurz nach dem Debüt holte Sentinels im Frühjahr den Titel bei den Season 1 Championships – ein dominanter 4:0-Sieg im Finale gegen 100 Thieves. Der Erfolg setzte sich bei Ignite Stage 1 fort, wo das Team den Titel in der Americas-Region holte.
Doch danach folgte der Absturz. Beim Mid-Season Finale kam das frühe Aus gegen Citadel Gaming, und in Ignite Stage 2 reichte es nur für Platz sechs. Das Team verpasste die Qualifikation für die Grand Finals in Atlanta – der Wendepunkt, wie sich jetzt zeigt.
Stillstand statt Abgesang
Ob es für Sentinels eine Rückkehr geben wird, hängt wohl ganz vom nächsten Schritt von NetEase ab. Bis dahin bleibt ein leises Ende einer kurzen, aber intensiven Phase – und ein weiteres Beispiel dafür, wie schwer es neue Esportstitel haben, ohne ein tragfähiges Ökosystem Fuß zu fassen.