Am 2. Januar 2026 erschütterte NORD Esports die League‑of‑Legends‑Szene: Nach drei Jahren im Northern League of Legends Championship (NLC) zieht sich die Organisation zurück. Stattdessen fusioniert sie mit G2 Esports und bildet das neue Team G2 NORD für die deutsche Prime League.
Dieser Schritt ist kein Einzelfall – im Off‑Season‑Chaos verabschieden sich auch GameWard, Gentle Mates, IziDream und sogar der chinesische Riese FunPlus Phoenix aus ihren jeweiligen Ligen. Europas Tier‑2‑Szene steht vor einem Kahlschlag.
Franchise‑Plätze werden zur Verhandlungsmasse
Viele europäische Regional‑Ligen (ERLs) arbeiten mit Franchise‑Modellen, die langfristige Slots versprechen. Doch diese Plätze werden zunehmend zur Belastung. NORD Esports, das 2023 in die NLC einstieg, erreichte zwar mehrfach das Finale, gewann die Liga aber nie.
Drei Jahre ohne Titel, steigende Ausgaben und geringe Perspektiven auf einen Aufstieg ins LEC‑Franchise machten einen Ausstieg attraktiv.
Die Organisation wählt nun einen Ausweg über eine Fusion: Mit G2 Esports – selbst ein LEC‑Gründungsmitglied – gründet sie G2 NORD. Das neue Team soll in der Prime League nicht nur Titel holen, sondern auch als Talentpipeline für G2 dienen.
Das Projekt ist ein hochleistungsorientiertes Umfeld mit professionellem Coaching und langjähriger Sponsorenunterstützung. G2 nutzt damit das vakante Prime‑League‑Slot von NORD und kehrt nach einigen Jahren Pause in die deutsche ERL zurück.
NORDs Abschied und G2s Rückkehr
Die offizielle Ankündigung von NORD‑CEO Michel Klepper markiert das Ende einer kurzen, aber ereignisreichen Ära. Der Kader 2025 bestand aus erfahrenen Spielern wie Santorin, xMatty, NoWay und Jankos und erreichte zweimal das NLC‑Finale.
Der Sprung ins EMEA Masters blieb jedoch aus. Durch den Zusammenschluss mit G2 bekommt das Team eine neue Plattform, während die Marke NORD Esports verschwindet.
G2 NORD wird als langfristiges Projekt positioniert. Das Team iat mit einer Mischung aus Veteranen wie Shelfmade und Nachwuchstalenten besetzt und soll die deutsche Community enger an G2 binden. G2 plant darüber hinaus, regionale Turniere und Content‑Formate zu nutzen, um eine Fanbasis aufzubauen.
Der Dominoeffekt in Europas zweiter Liga
NORD ist nicht allein. Die französische LFL sieht sich mit einem Massenexodus konfrontiert: GameWard und Gentle Mates beendeten ihre LFL‑Teilnahme im Oktober 2025, IziDream zog kurz darauf nach.
Für die Saison 2026 müssen daher mindestens zwei neue Organisationen in der LFL starten, weshalb die Liga ein Bewerbungsverfahren eröffnete. Selbst Zweitligist Esprit Shōnen überlegt, seinen Aufstieg aus finanziellen Gründen abzulehnen.
Der Exodus reicht über Europa hinaus: Im LPL verabschiedete sich FunPlus Phoenix, während in der LCP TALON aussteigt. Diese Entwicklungen zeigen, dass auch Franchise‑Ligen in Asien unter Druck stehen. Die Gründe reichen von steigenden Spielergehältern über rückläufige Sponsoringeinnahmen bis zu wechselnden Turnierformaten.
Was hinter den Kulissen brodelt
Die Abgänge werfen Fragen nach der Zukunft der ERLs auf. Viele Organisationen kritisieren, dass es kaum Aufstiegschancen in die LEC gibt und dass Einnahmen aus dem Revenue‑Sharing nicht ausreichen, um die Kosten zu decken. Zudem sorgen Formatumstellungen (etwa die Einführung von LEC Versus und des „First Selection“ Drafts in der LEC) für Unsicherheit.
Für Fans bedeutet die Konsolidierung weniger Vielfalt und potenziell weniger lokale Rivalitäten. Andererseits könnte die Professionalisierung profitieren: Weniger, dafür finanzstärkere Teams könnten die Qualität steigern. G2 NORD könnte zum Vorbild werden, wie große Marken kleinere Partner absorbieren, statt neue Slot‑Gebühren zu zahlen.
Fazit
Europas zweite LoL‑Ebene erlebt gerade ihren „großen Knall“. Der Abschied von NORD Esports aus der NLC und die Fusion mit G2 markieren eine Zeitenwende, in der Slots zur Verhandlungsmasse werden. Wenn die Regional‑Ligen nicht schnell attraktive Modelle für Investoren finden, drohen weitere Abgänge.
Für die Fans bleibt zu hoffen, dass aus dem Aderlass ein neues Kapitel entsteht – vielleicht sogar eines mit spannenderen Rivalitäten und einem faireren Aufstiegssystem. Bis dahin gilt: Augen auf, wer demnächst noch auf der Bühne steht.