Twitch Rivals schickt Frauen am Weltfrauentag in die Küche

Ben Touati
Jasmin Bosley
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Inhaltsverzeichnis
  1. „Y’all picked a cooking game?“
  2. Die Women’s Guild hat selbst abgestimmt
  3. Zwischen Reclaiming und Tone-Deafness

Twitch Rivals hat ein Overcooked 2 Turnier zum Internationalen Frauentag am 8. März angekündigt. Die Reaktion war heftig: Tausende Kommentare, Millionen Views auf den Ankündigungspost, und eine Debatte, die weit über Spielauswahl hinausgeht.

Die Frage dahinter ist nicht neu, aber sie trifft offensichtlich immer noch einen Nerv.

„Y’all picked a cooking game?“

Am 3. März veröffentlichte Twitch Rivals die Ankündigung auf X: Ein Trailer mit Overcooked-2-Gameplay und dem Satz „Let’s celebrate International Women’s Day together.“ Der meistgeteilte Kommentar darunter brachte es auf den Punkt: „Y’all picked a cooking game?“

Die Reaktionen reichten von berechtigter Kritik über sarkastische Memes bis hin zu offen sexistischen Witzen, die das Klischee gleich doppelt bedienten.

Heather „sapphiRe“ Garozzo, Mitglied der Esports Hall of Fame und ehemalige CS:GO-Weltmeisterin, reagierte direkt: Frauen spielen kompetitiv Fortnite, VALORANT, Overwatch und Rainbow Six Siege.

Es gäbe andere Möglichkeiten, weibliche Exzellenz im Gaming sichtbar zu machen. Die Streamerin LucyPancakes, selbst Mitglied der Women’s Guild, ging noch weiter: Man hätte ein Statement setzen können, mit rein weiblichen Teams in Marvel Rivals oder Warzone, um zu zeigen, dass Frauen mehr als Casual-Gamerinnen sind.

Die Women’s Guild hat selbst abgestimmt

Einen Tag nach dem Shitstorm lieferte Twitch Rivals Kontext nach. Overcooked 2 sei durch eine Abstimmung innerhalb der Women’s Guild ausgewählt worden. Vier Spiele standen zur Wahl, dazu eine offene Option.

Die Mehrheit entschied sich für den Koop-Kochtitel. Twitch habe sich bewusst dagegen entschieden, Stereotypen bestimmen zu lassen, welche Spiele Frauen spielen dürfen und welche nicht.

Das Problem: Diese Erklärung kam erst, als der Post bereits über 17 Millionen Views hatte. Ohne den Kontext las sich die Ankündigung genau so, wie Kritikerinnen befürchtet hatten. Dass die Abstimmungsoptionen nicht veröffentlicht wurden, half der Glaubwürdigkeit nicht.

Laut LucyPancakes hatten mehrere Frauen vorab gewarnt, dass die Optik problematisch sei. Twitch habe das Event trotzdem in dieser Form durchgezogen.

Zwischen Reclaiming und Tone-Deafness

Die Debatte berührt einen Grundkonflikt: Wer bestimmt, was empowernd ist? Wenn Frauen selbst wählen, ein Kochspiel kompetitiv zu spielen, ist das Selbstbestimmung. Wenn eine Plattform genau dieses Spiel zum Aushängeschild eines Frauentags-Events macht, ohne Kontext, liest es sich wie ein Klischee.

MimiLenattv, ebenfalls Women’s-Guild-Mitglied, verteidigte die Wahl: Es gehe darum, dass Frauen ein Kochspiel kompetitiv spielen können, ohne Rückschläge befürchten zu müssen.

Gleichzeitig bleibt der Fakt: In Gaming-Voice-Chats ist „Zurück in die Küche!“ seit Jahren eine der häufigsten sexistischen Beleidigungen. Die Symbolik eines Kochspiels am Frauentag lässt sich nicht davon trennen, unabhängig davon, wer es ausgewählt hat.

Das Event findet wie geplant am 8. März statt. Die Diskussion wird wahrscheinlich länger dauern als das Turnier selbst. Und das ist vielleicht das Beste, was dabei herauskommen kann, solange Twitch beim nächsten Mal das Erklärungsvideo nicht einen Tag zu spät postet.

Ben Touati

Autor
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Ben Touati schreibt über Esports, Games und digitale Welten – mit einem Blick, der zwischen analytischem Tiefgang und nerdiger Begeisterung pendelt. Sein Background in Linguistik verleiht ihm ein feines Gespür für Sprache, Struktur und die kleinen Nuancen, die große Geschichten tragen. Ob aktuelle Entwicklungen im kompetitiven Gaming, neue Trends oder Arnold Schwarzeneggers Englisch: Ben liefert Einordnungen mit Substanz – immer durchzogen von Popkultur-Referenzen, filmreifen Metaphern und dem leisen Verdacht, dass das alles irgendwie mit Buffy the Vampire Slayer und Watchmen zu tun hat.
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