Letzte Woche kündigte der Turnierveranstalter BLAST Änderungen an seiner Dota-2-Serie, dem BLAST Slam, an und gab bekannt, dass der Preispool von 1 Mio. $ auf 750.000 $ gekürzt wird, was keine große Überraschung sein dürfte. In der Dota-Szene findet fast jeden Monat ein Turnier mit einem Preispool von 1 Mio. $ statt, vom bereits erwähnten BLAST Slam über die PGL Wallachia bis hin zur DreamLeague.
Obwohl jede Menge kostenlose Unterhaltung geboten wird, kommt allmählich das Gefühl auf, dass die Dota-2-Esport-Szene stagniert. Es sinbd die immer wieder selben Teams zu sehen, die bei einem weiteren Millionen-Dollar-Turnier antreten.
Das Problem ist, dass BLAST, PGL und ESL zwar versuchen, ihre Events auf ihre eigene Weise zu differenzieren, sich jedes einzelne Tier-1-Dota-Turnier allerdings dennoch repetitiv anfühlt. Keines davon hat mehr etwas „Besonderes“ an sich.
Dennoch sind Fans davon überzeugt, dass die Dota-Szene gerettet werden kann – und das könnte damit beginnen, dass Turniere ganz anders aussehen als die, die Fans gewohnt sind.
Das Turniermuster der Tier-1-Turniere in Dota 2
Wer die Tier-1-Turniere in dieser Saison verfolgt hat, wird den Eindruck nicht los, dass sich dieselbe Geschichte fortwährend wiederholt.
Das erste Problem ist, dass Fans bei jedem einzelnen Turnier dieselben acht Teams in den Playoffs sehen. Die acht besten Teams der Welt stehen fest – und versperren bei diesen Events allen anderen Teams den Weg in die Playoffs.
Die Gruppenphase ist gerade zu Ende gegangen – und man fragt sich nicht ernsthaft, wer sich für die Playoffs qualifiziert hat. Tundra, Yandex, PARIVISION, Falcons, Spirit, Aurora, BetBoom und Liquid. Welche Überraschung.
Es dreht sich inzwischen alles nur darum, wer das Turnier dieses Mal gewinnt. Manchmal scheidet eines von ihnen frühzeitig aus – aber man kann sich darauf verlassen, dass es beim nächsten Turnier, das nur wenige Wochen später stattfindet, erneut in die Playoffs kommt.

Die Turnierveranstalter geben ihr Bestes, um die Formate zu variieren – unterschiedliche Gruppenphasenstrukturen, unterschiedliche Setzlisten –, doch die meisten enden immer noch mit denselben Ergebnissen. 16 Teams starten in die Gruppenphase, und nur acht von ihnen schaffen es in die Playoffs.
Sobald man dort ist, ändert sich auch das Zuschauererlebnis nicht wesentlich. Dieselben Kommentatoren, dieselben Spieler, dieselben Bo3-Matches bis hin zum Bo5-Finale. Vielleicht hat das Turnier ein anderes Overlay und findet in einer anderen Stadt statt, wenn man all das jedoch beiseite lässt, sieht man wieder dasselbe Turnier.
Ein Preisgeld von 1 Mio. $ hatte früher eine Bedeutung, mittlerweile steht die Gewinnhöhe jedoch an der Tagesordnung.
Das geht nicht nur mir so, ich schwöre es
Die Fan-Stimmen sind einhellig. Einige Anhänger auf Reddit sprechen über dasselbe Problem. Ein Nutzer brachte es auf den Punkt: „Bei jedem Turnier dieselben acht Teams. Kein Geld für Tier-2-Teams. Zehnmal im Jahr dieselben DreamLeague-, PGL- und BLAST-Turniere. Dieselben Paarungen – ehrlich gesagt ist das langweilig.“
Sogar der zweifache TI-Sieger Yaroslav „Miposhka“ Naidenov stimmt dem zu und sagt: „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man Dota nicht leid werden kann. Es gibt jeden Tag so viele Turniere. Man sieht ständig dieselben Picks und dieselben Teams. Es ist einfach eintönig.“
Allerdings muss festgestellt werden, dass er das vor drei Monaten gesagt hat, als er noch eine Pause vom Profispiel einlegte.
Sogar Ilya „CHIRA_JUNIOR“ Chirtsov von Team Yandex äußerte seine Meinung und sagte, alle Turniere kämen einem gleich vor und es sei etwas Abwechslung nötig. Hier spricht jemand, der in dieser Saison drei dieser Events gewonnen hat und regelmäßig weit kommt. Er wird buchstäblich gut dafür bezahlt, an diesen Turnieren teilzunehmen, und trotzdem hat er Grund, sich zu beschweren.
Die sich inzwischen eingestellte Monotonie wird derart weit verbreitet empfunden, dass offenbar sogar die Veranstalter, die die Preisgelder kürzen, dies stillschweigend zugeben.
Gebt uns „Fearless Draft“
Es ist allgemein bekannt, dass Dota-Spieler „League of Legends“ dafür hassen, dass es einige Spielkonzepte geklaut hat – also können sie vielleicht auch mal etwas zurückklauen. Wer bereits einmal ein wenig „League of Legends“-Esport gesehen hat, wird den Begriff „Fearless Draft“ vermutlich bereits gehört haben.
So funktioniert „Fearless Draft“: Sobald ein Team in einer Serie einen Helden auswählt, ist dieser Held für den Rest der Serie nicht mehr verfügbar – für beide Teams. Wenn also ein Team in Spiel 1 Largo auswählt, kann keine der beiden Seiten ihn bis zum Ende der Serie erneut auswählen.

Es setzt sich die Überzeugung durch, dass es gerade genau das ist, was Dota jetzt braucht. Und zwar dringend. Wenn schon fortwährend dieselben Teams, dieselben Spieler und dasselbe Format zu sehen sind, können zumindest die Helden wechseln, die sich die Fans ansehen.
Auf diese Weise wird vermieden, dass immer wieder dieselben Meta-Helden ausgewählt werden. Es werden sich alle einig sein, dass dies eine Serie um Weiten weniger eintönig, dafür umso unterhaltsamer machen könnte.
Dota-Spieler lieben es bekanntermaßen, damit zu prahlen, wie sehr dieses Spiel eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit erfordert – und wer könnte das besser beweisen als Profis? Die Fähigkeit, sich spontan anzupassen, zählt ebenfalls zu einer reifen Teamfähigkeit. Man muss rasch Lösungen finden – und genau diese Art von Druck unterscheidet gute Teams von großartigen.
Natürlich wäre das keine Lösung von heute auf morgen. Die Profis bräuchten Zeit, um sich tatsächlich anzupassen, diese Phase lohnt sich sicherlich dennoch, wenn Fans dadurch nicht mehr in jeder einzelnen Serie dieselben zehn Helden sehen müssten.
Es sind 126 Helden im Spiel – warum die Möglichkeiten also nicht nutzen?
Schenkt der Tier-2-Szene etwas Aufmerksamkeit
Die Tier-2-Dota-Szene erhält derzeit kaum echte Unterstützung. Einige dieser Teams schaffen es gelegentlich über Qualifikationen in Tier-1-Turniere, aber selbst dann treffen sie direkt auf dieselben acht Teams, die den Zugang zu den Playoffs kontrollieren. Meistens dienen sie lediglich als Kanonenfutter in der Gruppenphase.
Wenn BLAST ohnehin schon die Preisgelder kürzt, warum sollte man dann nicht einen Teil des eingesparten Geldes nutzen, um stattdessen ein richtiges Tier-2-/Tier-1,5-Turnier zu finanzieren? Man kann davon ausgehen, dass fast jedes dieser Teams alles dafür geben würde, eine Chance auf ein echtes LAN-Turnier zu bekommen – selbst wenn das Preisgeld nur bei etwa 200.000 $ läge. Es wäre so etwas wie die Dota-2-Minors, die Valve früher für kurze Zeit veranstaltet hat.
Außerdem würden wieder neue Gesichter zu sehen sein. Bei den TI15-Qualifikationen im letzten Monat stellte Gorgc ein „Team Bald“-Team zusammen, und Topson, Arteezy und Ceb machten etwas Ähnliches mit „Retirement Home“. Diese Kampagnen sorgten für ziemlich beeindruckende Zuschauerzahlen und großartige Inhalte, obwohl sich keines der Teams für die TI qualifizierte. An solchen Tier-2-Turnieren könnten sie teilnehmen. Sie müssen nicht unbedingt um einen TI-Platz kämpfen, um sehenswert zu sein.
Und selbst wenn solche Streamer-Gruppen nicht bei jedem Event bestehen bleiben, würden das den echten Tier-2-Spielern zumindest mehr Sichtbarkeit verschaffen. Sicherlich würden alle gern Nigma Galaxy und OG im großen Finale eines Turniers sehen, sie in einem Tier-1-Finale zu sehen, ist allerdings ziemlich unrealistisch. Man stelle sich ein Turnier vor, bei dem sie die Favoriten sind und es kein PARIVISION oder Team Yandex gibt, das alle anderen aus dem Feld schlägt.

Den Besten zuzusehen, ist nicht immer das Unterhaltsamste
Bei diesen neuen Turnieren wäre sicherlich nicht das beste Dota der Welt zu sehen, aber man könnte dennoch behaupten, dass das an sich eine gute Sache ist. Die Qualifikationsrunden, in denen die meisten der Tier-2-Teams spielen, haben einige der verrücktesten Spiele hervorgebracht, die man das ganze Jahr über sehen kann. Die Spieler engangieren sich und es entwickeln sich wilde Schwankungen im Spielverlauf.
Es mag nicht immer sauberes Dota sein, aber manchmal kann es unterhaltsamer sein, als Neta „33“ Shapira dabei zuzusehen, wie er seine Ausrüstung zusammenstellt, perfekt spielt und Teams in 30 Minuten vernichtet.
Counter-Strike 2 hat das bereits erkannt. Manchmal schließen LAN-Events die mit Abstand besten Teams der Welt aus. Ein solches findet gerade statt – die XSE Pro League 2026 ist ein Millionen-Dollar-Turnier, und das bestplatzierte Team ist 9z, das derzeit unter den Top 8 der HLTV-Rangliste steht.
Teams wie Team Vitality, Team Falcons, Team Spirit oder FURIA sind hier nicht zu sehen, sodass niemand diese Teams ausnutzen wird, um sich einen leichten Sieg zu sichern. Es ist kein perfektes Counter-Strike, aber es ist eine Wohltat für das Auge und ein Format, das kleineren Teams eine echte Bühne bietet.
Solche Turniere können Tier-2-Teams die dringend benötigte Bühnenerfahrung verschaffen, die ihr Leistungsniveau anheben und die Lücke zu den Tier-1-Teams schließen könnte. Es ist auch eine gute Gelegenheit für Scouting-Zwecke – vielleicht sorgt ein vielversprechender Nachwuchsspieler für Aufsehen und wird später von einem Tier-1-Team unter Vertrag genommen.
In Dota gibt es derzeit nichts Vergleichbares. Die meisten Tier-2-Teams stecken in den Qualifikationsrunden fest oder schaffen es nicht, bei Tier-1-Turnieren weiter zu kommen. Es gibt entweder Tier 1 oder gar nichts – Fans sind sich allerdings sicher, dass sich an dieser Stelle etwas ändern lässt.