Dieser Beitrag ist Teil unser Serie: „Gaming-Empfehlungen der Esports-Insider“
Ich liebe Videospiele. Schon immer. Angefangen beim Sega Megadrive, wo ich Sonic und Worms gespielt habe (und kläglich versagt, ich war immerhin nur 3 oder 4 Jahre alt), über jede Version der PlayStation (mit meinem Liebling Spyro) und diverse Nintendo Konsolen bis hin zum Gaming-PC, wo ich die meiste Zeit in Dota 2 und Cosy Games verbringe. habe schon so ziemlich jedes Genre ausprobiert – von Shootern bis Indie-Games.
Und trotzdem gab es da dieses eine Spiel, das ich immer wieder versucht habe zu mögen – und es einfach nicht geschafft habe.
Die Rede ist von Divinity: Original Sin 2.
Bevor jetzt jemand die Fackeln rausholt: Ich wollte es mögen. Wirklich. Es wurde überall gefeiert. Die Presse lobte es in den Himmel, meine Freunde schwärmten davon, es sei eines der besten Rollenspiele aller Zeiten. Und ich? Ich habe es immer wieder versucht. Aber jedes Mal, wenn ich es gestartet habe, mich verwirrt durch die Charaktererstellung geklickt und die ersten zwei Stunden gespielt habe, war ich raus.
Nicht, weil es ein schlechtes Spiel ist – im Gegenteil. Man merkt sofort, wie viel Liebe und Qualität da drin steckt. Aber irgendetwas hat mich einfach nicht reingezogen. Vielleicht lag’s an den rundenbasierten Kämpfen, die mir damals zu träge vorkamen. Vielleicht an der schieren Freiheit, die mich eher überfordert als begeistert hat. Oder ich war einfach nicht in der richtigen Stimmung.
Und so verschwand Divinity 2 in meiner Steam-Bibliothek – zusammen mit ungefähr 100 weiteren unangetasteten Titeln.
Bis Baldur’s Gate 3 kam.
BG3: Mein Einstieg in die Welt der CRPGs
Ich habe Baldur’s Gate 3 eher spontan ausprobiert, als es in den Early Access ging. Mein guter Freund Caden kaufte mir das Spiel, und ehrlich gesagt hätte ich ohne ihn diesen Diamanten eines Games wahrscheinlich nie oder erst viel später angerührt.
Auch hier war die Charakter-Erstellung und das Lernen des Spiels und des Combats erst einmal schwierig, aber anders als bei Divinity 2, hat es einfach Klick gemacht.
Den meisten hier muss ich nicht erzählen, wie unglaublich das Spiel ist. Nach mehreren Durchläufen mit verschiedenen Charakteren, und unterschiedlichen Entscheidungen (Sowie das Romancen von Halsin, Gale, Astarion und Minthara) verstand ich plötzlich den Appeal von rundenbasierten Games.
Der Mix aus epischer Fantasy-Story und dem Dungeons-&-Dragons-basierten Kampfsystem hat mich total in seinen Bann gezogen. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, wirklich zu verstehen, wie sich ein rundenbasiertes RPG anfühlen soll.
BG3 basiert ja stark auf dem DnD-Regelwerk – alles dreht sich um Würfelwürfe, Skill Checks, Initiative-Werte und eine festgelegte Anzahl an Aktionen pro Runde: Bewegung, Aktion, Bonusaktion. Es fühlt sich taktisch an, aber nachvollziehbar. Du weißt, dass du in deinem Zug eine bestimmte Sache machen kannst – und musst klug entscheiden, was das ist. Für mich war das der perfekte Einstieg in das Genre.
Ich habe die Kämpfe schätzen gelernt – das Planen, das Taktieren, das Ausnutzen der Umgebung. Ich habe gelernt, dass Scheitern nicht schlimm ist, sondern Teil des Spiels. Und ich hatte wahnsinnig viel Spaß dabei – vor allem, weil ich es mit meiner Frau gespielt habe. Wir saßen gemeinsam vor dem Fernseher, diskutierten optimale Builds und lachten über die Charaktere.
Nach unzähligen Stunden mit BG3 war ich plötzlich bereit für Divinity 2. Bereit, es wirklich zu verstehen.
Ein zweiter Versuch – diesmal zu zweit
Wieder einmal war es ein positiver Einfluss, der mich dazu gebracht hat, Divinity: Original Sin 2 auszuprobieren. Meine Frau (bei der es ebenfalls jahrelang nicht wirklich Klick gemacht hat) spielte das Game in einem Versuch, ihren Steam-Bibliothek-Backlog zu verringern.
Und nach mehreren Stunden kam sie in mein Büro gerannt und sagte: “Wir müssen Divinity 2 zusammen spielen!”. Meine Frau hat exzellenten Geschmack, was Games angeht, deswegen war es für mich gar keine Frage, als sie mir sagte, wir können es Splitscreen als Couch-Coop zocken und es wäre quasi mehr Baldurs Gate 3.
Und dieses Mal… hat es sofort gezündet.
Im Gegensatz zu Baldur’s Gate 3, das wie gesagt das DnD-System nutzt, basiert Divinity: Original Sin 2 auf einem komplett anderen Kampfstil.
In jeder Runde bekommst du eine bestimmte Anzahl an Aktionspunkten. Alles kostet Punkte: Angreifen, Zaubern, Laufen, Tränke trinken, sogar das Öffnen deines Inventars mitten im Kampf. Das heißt: Du musst planen. Rechnen. Abwägen. Es gibt keine festen „Aktionen“ wie in DnD – sondern eine Art taktische Währung, mit der du deine Runde frei gestalten kannst.
Du kannst alles machen – wenn du genug Punkte hast.
Du willst dich drei Felder bewegen, ein Fass Öl werfen und dann mit einem Feuerzauber alles explodieren lassen? Cool – wenn du’s dir leisten kannst. Oder du sparst Punkte, um in der nächsten Runde eine Super-Kombo zu starten. Oder du teleportierst einen Gegner ins Feuer oder setzt eine Wasserpfütze unter Strom.
Meine absolute Lieblingskombo? Ganz klar: Chicken Claw kombiniert mit Rupture Tendons. Erst verwandle ich den Gegner in ein panisches Hühnchen – was schon für sich genommen absurd witzig ist – und dann haue ich Rupture Tendons drauf. Das sorgt dafür, dass der arme Vogel bei jeder Bewegung ordentlich Schaden kassiert.
Und was macht ein verängstigtes Hühnchen? Genau: Es rennt. Direkt in seinen eigenen Untergang. Am besten funktioniert das natürlich bei großen, bedrohlichen Bossgegnern. Wenn der Riesen-Dämon plötzlich als gackerndes Hühnchen über die Karte stolpert, bleibt kein Auge trocken. Bedrohlich? Nicht mehr wirklich. Dafür umso lustiger.
Story, Tiefe und völlige Freiheit
Neben dem Kampfsystem ist natürlich auch der Rest des Spiels absolut beeindruckend. Die Story ist tief, überraschend, oft düster und gleichzeitig unglaublich humorvoll. Die Welt fühlt sich lebendig an – und die Entscheidungen, die man trifft, sind oft alles andere als schwarz-weiß.
Und den Moment, in dem der Charakter Lohse in den Song “Sing For Me” ausbricht, werde ich nie vergessen. (If you know, you know!)
Diese Freiheit – kombiniert mit der taktischen Tiefe der Kämpfe – hat mich vollkommen abgeholt. Und dabei hat mir Baldur’s Gate 3 quasi den Schlüssel geliefert, um das alles zu verstehen.
Wir haben Nächte durchgezockt. Manchmal bis 3 Uhr morgens. Und das immer zusammen auf der Couch. Das war unser Ding. Warm eingekuschelt, Controller in der Hand, Tee oder Wein daneben – und mittendrin in dieser wilden, fantastischen Welt.
Mein Fazit: Manchmal braucht’s einfach den richtigen Moment
Ich hätte nie gedacht, dass ich Divinity: Original Sin 2 mal als eines meiner absoluten Lieblingsspiele bezeichnen würde. Und doch ist es genau das geworden – dank meiner Frau, dank Splitscreen-Koop, und dank Baldur’s Gate 3, das mir die Tür zu diesem Genre geöffnet hat.
Ich habe gelernt, dass manche Spiele einfach reife Zeit brauchen. Manchmal ist man noch nicht bereit. Oder es fehlt der Kontext. Oder die richtige Person, mit der man es erleben kann.
Jetzt, nachdem wir nächtelang zusammen gekämpft, gelacht, gestorben und triumphiert haben, bin ich einfach nur froh, diesem Spiel eine zweite Chance gegeben zu haben.
Und wenn du das hier liest und Divinity 2 vielleicht auch mal abgebrochen hast: Gib ihm noch eine. Vielleicht im Koop. Vielleicht nach BG3.
Ich verspreche dir: Es lohnt sich.